Samstag, 8. November 2008

Kleine Gedanken zur Kristallnacht



Im Gegensatz zum 3. November (siehe Beitrag an diesem Tag) ist der 9. November von deutschen Ereignissen im vergangenen Jahrhundert nur so besetzt.
Das fing 1918 mit dem Beginn der Novemberrevolution an, setzte sich 1920 mit dem Hitlerputsch fort und der letzte auffällige 9. November wird wohl im nächsten Jahr von unseren Staatsoberen (wer immer das dann ist) bejubelt werden.

Der 9. November 1938 ging als Kristallnacht in die Geschichte ein. Ich wähle absichtlich den Begriff Kristallnacht und nicht den heute üblichen Reichsprogromnacht. Für mich drückt der erstgewählte Name das Einmalige dieses Geschehens wesentlich besser aus. Pogrome gibt es auch anderswo, dahinter können wir Deutschen uns gut verstecken, das ist nicht so einmalig.

Als Auslöser bzw. Fanal zum Mord an, zur menschenverachtenden Hetze auf Juden, für sinnlose Zerstörung jüdischen Eigentums wurde der Tod des Botschaftsmitarbeiters in Paris, Ernst von Rath, nach einem Attentat durch Herschel Grynszpan, einen polnischen Juden, der gegen die Behandlung seiner Familie nach der Abschiebung aus Deutschland protestieren wollte, genutzt.

Nun hatten die Faschisten ihren Aufhänger, womit sie der antijüdischen Hetze ein Mäntelchen der Gerechtigkeit umhängen konnten, der JUDE sollte zahlen für dieses Verbrechen.

Morgen wird dieses Tages deutschlandweit gedacht, und beim Gedenken ist mir sogar der verwandte Name egal.

Schwer zu ertragen ist für mich, daß in Deutschland der Neofaschismus wieder Alltag ist, daß Geschichte sich wiederholt, wenn wir an die Ereignisse der Weimarer Republik denken. Gegen Rote, gegen Kommunisten wurde ein ganzer Polizeistaat eingesetzt, während die braune Gefahr unterschätzt, ja nicht mal als solche erkannt wurde.

Neofaschisten in demokratisch gewählten Parlamenten sind in Deutschland keine Seltenheit, auch ihr meist kurzzeitiges Verweilen sollte uns nicht über ihre Gefahr hinwegtäuschen. Rechte Straftaten mehren sich Jahr für Jahr, ein Verbot neofaschistischer Parteien ist jedoch nicht in Sicht.

Ich weiß, was ich morgen tun werde: Friedrich Wolfs "Professor Mamlock" lesen.

Kleiner Nachtrag: Am 09. November 2006 starb Markus Wolf, langjähriger Leiter des MfS und Sohn von Friedrich Wolf.

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