Donnerstag, 1. Juli 2010

Vor 20 Jahren


an diesem 1. Juli fand in der DDR die Währungsunion statt. Von gestern auf heute hatten alle DDR-Bürger die D-Mark in der Hand und die überwältigende Masse meinte wohl, nun im Paradies zu sein. Wurden die Schaufenster doch bunter und ja, wurde der Markt der DDR mit Waren überschwemmt, die man in diesem Lande sonst nur aus dem Intershop kannte.

Was vielen damals nicht bewußt war, daß sie mit dieser gewollten D-Mark ihren eigenen Arbeitsplätzen das Wasser abgruben. Wie sollte eine Wirtschaft, der es zu diesem Zeitpunkt nicht gut ging, diesen Kaltstart überleben, wenn aus Westen auf einmal die Überproduktion (auch noch schön bunt) auf allen Ladentheken lag.

Heute, 20 Jahre später, haben die neuen Bundesländer die höchsten Arbeitslosenzahlen, ist in ihnen der ärmste Kreis zu finden, mußten viele Menschen ihre Heimat verlassen, um überhaupt Arbeit zu finden.

Und viele, die Karl-Eduard von Schnitzler mit seiner Sendung "Der Schwarze Kanal" getreu westdeutscher Vorgabe als Sudelede beschimpften, mußten am eigenen Leib erfahren, wie recht er mit seiner Kapitalismuskritik, natürlich bezogen auf den damaligen 2. deutschen Staat, hatte.


3 Kommentare:

  1. Liebe Kampfgenossin Jette,
    Wie bekannt bin ich vor 25 Jahre legal ausgereist aus unserer DDR. Ein bißchen Westgeld, westliche Währungen, kapitalistische Valuta, hatte ich somit schon vor der mörderische Währungsunion in der Hand.
    Seit der Einführung der Euro geht es wirtschaftlich in ganzen bergab.
    Es wird Dir gar nicht wundern: ich war – und das gilt auch von meinem damaligen Ehemann – eine der, wenn auch wenigen, begeisterte Zuschauerin von Eduard von Schnitzers „Schwarzer Kanal“. Solange ich in der DDR wohnte, habe ich nie eine Sendung davon ausgelassen. Mir gefiel besonders seine Polemik gegen ZDF Löwenqual!
    Fernseher habe und gucke ich schon seit Jahre bewußt nicht mehr. Dieses Medium ist ja auch durchs Internet vorbeigestrebt.
    Ganz liebe Grüße,
    Deine Freundin
    Nadja

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  2. Hallo Jette,
    wir wären bestimmt nicht nach Westdeutschland gegangen, wenn meine Frau nicht kurz nach der BRDigung sofort arbeitslos geworden wäre. Ich hatte das Glück, Karten für eine Veranstaltung von und mit Karl Eduard von Schnitzler im Zentralhaus der DSF zu bekommen. Das war ein einmaliges Erlebnis und fast noch interessanter, als seine Sendungen. Vor allem konnten wir noch einige Fragen direkt an ihn richten. Er hat sie ausfühlich beantwortet und immer wieder darauf verwiesen, das der Kapitalismus keine erstrebenswerte Gesellschaftsordnung ist. Wie hatte er doch recht.
    Liebe Grüße Detlev

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  3. Detlev, ich war mit dem 3. Oktober 1990 arbetslos, da an diesem Tag DDR-Gesetze außer Kraft gesetzt wurden und in Neubrandenburg Arbeit zu finden, war einfach unmöglich. Du weißt, wohin es mich verschlagen hat.

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