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Montag, 7. Oktober 2013

Mein ganz persönlicher Gedenktag

Wie immer eigentlich, fällt mir tagsüber zu einem Thema, über das ich schreiben möchte, ganz viel ein und abends ist einfach der Kopf leer.

Auch an diesem Beitrag feile ich in Gedanken schon seit Wochen und jetzt? Einfach mal sehen.
Heute jährt sich zum 64. Mal jener Tag, an dem dieser kleine Staat gegründet wurde, der mir 28 Jahre Heimat war und dessen Verschwinden weh tat und heute noch weh tut.

Für viele gäbe es Dank zu sagen, doch gestern bin ich per Zufall im Spiegel auf einen Artikel gestoßen, der da hieß: "Sollen unsere Kinder noch Schreibschrift lernen". Dieser Artikel ist bereits im Jahr 2010 entstanden, aber ich las ihn gestern zum ersten Mal samt der ca. 600 Kommentierungen dazu.

Kinder sollen nicht mehr Schreibschrift lernen, weil es heute eh Tablets, Computer, Smartfons usw. gibt?
Allgemeinbildende polytechnische Oberschule - es war ein Zungenbrechername, aber für das, was sich dahinter verbarg, werde ich wohl jeden Tag dankbarer.
Wer erinnert sich nicht an die Fächer Schulgarten, Werken usw., die es heute nicht mehr gibt, und jetzt auch noch Wegfall der Schreibschrift. Was hat man alles in den letzten 23 Jahren an der Schulbildung reformiert, die in der BRD sowieso nie das Niveau der POS und EOS der DDR erreichte. Berufsausbildung mit Abitur? Gab und gibt es gleich gar nicht.

Schon bei meinen Kindern (Schulbeginn 1992 und 1994) ist mir negativ aufgefallen, was nicht mehr gelehrt wurde und damit meine ich Fächer wie Mathematik, Physik, Chemie usw.
Lückentexte im Fach Geschichte der Klasse 8 als Klassenarbeit waren wohl der negative Höhepunkt dessen, was ich während der Schulzeit meiner Kinder kennenlernen mußte.

10 Jahre in der POS und eben 3 Jahre Berufsausbildung mit Abitur gaben mir das Rüstzeug, um ein Studium zu absolvieren und waren u.a. mit verantwortlich dafür, daß ich heute einer Arbeit nachhege, mit der ich mich identifizieren kann. Und das alles, ohne ständig überfordert zu sein, noch Zeit für Hobbys und Freunde zu haben und und und.
Jeden einzelnen Lehrer möchte ich in Gedanken umarmen, jeden einzelnen Funktionär, der damals an Lehrplänen mitgearbeitet hat, gilt mein Dank, mich auf das Leben vorbereitet zu haben.

Und damit war es ja nicht getan, nach erfolgreichem Abschluß der POS, war es völlig logisch und auch möglich für uns, einen Beruf zu erlernen. Auf dem Abgangs-T-Shirt meines Sohnes steht: 148 in der Warteschlange. 148 Schüler und Schülerinnen, denen sich eben nicht nach ihrer Schulzeit der Weg in einer Berufsausbildung öffnete.

Ich weiß nicht, ob dieser Beitrag nicht besser zu einem 12. Juni gepaßt hätte, aber die Voraussetzungen für meine Schulbildung schuf der kleine Staat, schuf meine DDR. Über tausende Selbstverständlichkeiten könnte ich so berichten, Selbstverständlichkeiten, die vor 23 Jahren einfach weggeworfen wurden, auch weil sie inzwischen zu selbstverständlich waren.

Bildnachweis: http://comixfuzzy.de/kommunistische_fahnen/0007_ddr_l.gif

Freitag, 12. Oktober 2012

Bochum braucht einen schönen Barkas









Bitte überweist Eure Spende nach Möglichkeit auf unser Vereinskonto unter dem Verwendungszweck "Barkas":


DDR-Kabinett-Bochum e.V.

Kto-Nr.: 100 540 400

BLZ 430 400 36

Commerzbank Bochum

Vielen Dank für Eure Solidarität!


Natürlich habe ich meinen Obolus überwiesen, bevor ich diesen Spendenaufruf hier rein gesetzt habe. Auch wenn er nur klein ist, hoffe ich doch, daß er beim Entrosten hilft.

Und vielleicht hat ja einer der Lesenden auch ein Herz für das DDR-Kabinett in Bochum und seinen Wunsch nach einem wunderschönen Barkas.

Obwohl, Ihr hättet doch auch einen Robur nehmen können, die Roburwerke habe ich während eines Ferienlagers mal besucht.

Montag, 13. Februar 2012

Herzlichen Glückwunsch


"Unser Mann im All" ist heute 75 Jahre alt geworden. Meine herzlichen Grüße verbunden mit den besten Wünschen für eine gute Gesundheit schicke ich auf die Reise.

Und mit diesem Datum werden meine persönlichen Erinnerungen geweckt an den August und den September 1978. Am 26. August 1978 startete Sigmund Jähn mit Valerie Bykowski in Sojus 31 als dritter ausländischer Kosmosnaut in die Erdumlaufbahn.

Jener 26. August verlief bis zum Abend für mich wie ein ganz normaler Sonnabend. Ich war, wie jedes Wochenende in diesen Jahren, als Mitglied des Jugendklubs "Dr. Victor Aronstein" zum Dienst während der samstäglichen Disko eingeteilt, als irgendwer mit vielen Exemplaren der Sonderausgabe des ND (Neues Deutschland) in den Jugendklub stürzte.
Das war es schon etwas, und mag es heute nur noch als Propaganda abgetan werden, für mich und für viele andere, die sich zu diesem Zeitpunkt im Jugendklub befanden, war diese Nachricht, daß es nun endlich auch unseren Mann im All gibt, etwas ganz Besonderes. An diesem Tage wußte plötzlich jeder, wo Morgenröthe-Rautenkranz liegt, der Geburtsort von Sigmund Jähn, konnte jeder mit dem Begriff MKF 6 etwas anfangen, obwohl sie doch schon viel früher im Interkosmosprogramm eingesetzt wurde.

Etwa drei Wochen später, ich hatte gerade die Lehre zum Maschinenbauer mit Abitur begonnen, stand dann nach erfolgreicher Mission die Reise von Jähn und Bykowski durch die DDR an.
Klar, war für diesen Tag für viele Berliner Kinder, Jugendliche und Erwachsene Spalierstehen an der Protokollstrecke (he, das waren noch Begriffe) angesagt, aber zumindest in meiner Lehrlingsklasse gab es nur wenige, die sich nicht begeistert an die Straße stellten, um die beiden Kosmonauten von Sojus 31 zu feiern. Spätere Spalierbegehren wurden nicht mehr so zahlreich und so freiwillig absolviert, wie an jenem sonnigen Tag im September.

Donnerstag, 12. Januar 2012

Es ist erstaunlich,

wie aktuell Liedtexte sind, die wir in unserer Jugend in der DDR gelernt haben. Dabei war das doch alles pure Propaganda.
Gern gehört und gesungen habe ich z. B. Carpe diem von der Singegruppe der TU Dresden:

Carpe diem, carpe diem, carpe diem
nutze den Tag.

Der Tag gehört uns und wir werden ihn nutzen,
es geht um die glückliche, bessere Welt.
Heut kommt es drauf an, heut gilt es zu siegen,
in Hörsaal und Werkstatt, im Schacht, auf dem Feld.

Denn unsre alte Erde soll der Stern des Friedens sein,
für alle soll die Sonne glühn,
für alle soll die Rose blühn,
für alle Brot und Wein.

Uns mahnen die Gräber gefallener Väter,
zu schützen das Leben, die Liebe, das Land.
Die Hand am Gewehr und wachsame Augen,
so wird hier das Feuer des Krieges gebannt.

Denn unsre alte Erde soll der Stern des Friedens sein,
für alle soll die Sonne glühn,
für alle soll die Rose blühn,
für alle Brot und Wein.

Heute werden wir lernen, das Steuer zu führen;
die Straße zum Glück liegt in unserem Land.
Wir wollen den Traum aller Menschheit vollenden,
mit guten Gedanken mit Herz und Verstand.

Denn unsre alte Erde soll der Stern des Friedens sein,
für alle soll die Sonne glühn,
für alle soll die Rose blühn,
für alle Brot und Wein.

Worte: Bernd Walther


Dienstag, 3. Januar 2012

Präsidenten


Heute jährt sich zum 136. Mal der Gebrutstag der ersten und einzigen Präsidenten meines Vaterlandes. Vor 136 Jahren wurde Wilhelm Pieck in Guben geboren. Seit 1895 Mitglied der SPD, gründete er 1916 die Spartakusgruppe mit, aus der Ende 1918 die KPD entstand.
Am 15. Januar 1919 ist er dem Mörderkommando knapp entkommen, gemeinsam mit Karl und Rosa war er im Hotel Eden gefangen genommen worden.

Er war Mitglied ders Exekutivkomitees der III. Internationalen und Reichstagsabgeordneter und emigirierte 1933 auf Beschluß der KPD in die Sowjetunion. Auf der Brüsseler Konferenz (Oktober 1935 nahe Moskau) wurde er Vorsitzender der KPD.

Er kämpfte im Nationalkomitee "Freies Deutschland" während des II. Weltkrieges für eine breite antifas´chistische Front. Auch nach Beendigung des Krieges warb er unermüdlich für die Einheit der deutschen Arbeiterklasse, die in der sowjetischen Besatzungszone mit der Gründung der SED im April 1946 vollzogen wurde.

Nach Bi-, Trizone und Währungsreform in den von den westlichen Alliierten kontrollierten Besatzungszone sowie Gründung der BRD wurde am 7. Oktober die DDR gegründet. Präsident dieses ersten Arbeiter- und Bauernstaates auf deutschen Boden wurde Wilhelm Pieck.

Wilhelm Pieck - ja, ein Vorbild für die jungen Menschen in der DDR, die ihm Zeit seiner Amtstätigkeit am Herzen lagen, denen in der kleinen DDR eine Perspektive geboten wurde. Ja, vieles, was in den ersten schweren Jahren hart erkämpft und erarbeitet wurde, war meiner Generation schon selbstverständlich - wurde nicht mehr geachtet als Errungenschaft, wurde 1989 weggeworfen.

Und dann gibt es da heute einen Präsidenten, einen Bundespräsidenten, einen Präsidenten, der bestens in dieses Staatsgebilde BRD paßt, jedoch jungen Menschen als Vorbild nicht taugt.


Samstag, 13. August 2011

Mich hat sie geschützt



Die Tatsache meiner Geburt im Dezember 1961 verdanke ich wohl auch dem Umstand der Grenzschließung "erst" am 13. August gleichen Jahres.

Viel von dem, was ich bin, was ich denke, wie ich handele wohl dem Umstand, daß sie bis zum 09. November 1989 gehalten hat.


Sonntag, 15. Mai 2011

Es ist gut so


24 Stunden lang habe ich mich über die Nachricht geärgert, daß Täve nicht in die sogenannte "Hall of Fame" aufgenommen wurde. Geärgert, weil der Friedensfahrtsieger, der Weltmeister und Medaillergewinner zweier Olympischer Spiele keine Beachtung gefunden hat.

Aber Leute, was soll Täve in einer solchen Halle der Deutschen Sporthilfe? Gerade Täve, populärster Sportler der DDR, kann wohl auf eine solche Ehrung verzichten. Hat er Unterstützung durch diese Einrichtung erhalten? Nein, er war Sportler in der DDR und hatte neben seinem Fleiß, seinem Talent die Unterstützung seiner Familie, seiner Trainer, seiner Freunde und eben jenes jungen Staates, der heute so geschmäht und kriminalisiert wird.

Als ich aus Klaus Huhn's Artikel in der Jungen Welt erfuhr, wer denn so in der Deutschen Sporthilfe etwas zu sagen hat, kam ich eben zu dem Schluß, es ist gut so!!!

Bildnachweis: http://www.historisches-bevensen.de/blog/images/Taeve_Schur_Doppelbild.jpg


Donnerstag, 21. April 2011

Vereinigungsparteitag SPD - KPD (II)


Schon gestern erwähnte ich das "Protokoll des Vereinigungsparteitages der SPD und KPD", in dem alle Reden, die am 21. und 22. April 1946 im Admiralspalast gehalten wurden, dokumentiert sind.
Da immer wieder aus heutigen SPD-Kreisen von Zwangsvereinigung die Rede ist, interessieren mich naturgemäß die Rednerbeiträge, die von Genossen der SPD aus den Westzonen gehalten wurden.

Achtung sehr lang,was der Genosse Held aus Bayern zu sagen hatte:

"Herr General! Meine Herren Offiziere der Militärregierung! Genossinnen und Genossen! Wir sind aus Bayern trotz aller Schwierigkeiten, die uns bereitet wurden, hierher geeilt, um in diesem historischen Augenblick mit dabei zu sein, und wir grüßen euchvon ungezählten braven Parteigenossen der SPD, deren geheime Sehnsucht die baldige Einigung der Arbeiterklasse ist. Trotz aller Widerstände der Parteibürokratie haben wir am vorigen Sonntag in Erlangen auf dem Parteitag des Landesverbandes Bayern der SPD erreicht, daß wir hierher fahren durften.

Wir haben zwar keinen Auftrag, hier zu sprechen, wir sind nicht beauftragte Delegierte; man stellte es nach bürgerlichem Muster darauf ab, ob wir in einem solchen historischen Augenblick auch einen legitimen Auftrag haben; aber in revolutionären Zeiten - und ich kann Ihnen beweisen, wie revolutionär die Verhältnisse in Bayern sind - kommt es nicht auf einen legitimen Auftrag, sondern auf die Berufung an.

Wer von dem Atem der Revolution erfüllt ist, wer da will, daß aus dem Trümmerhaufen Deutschland ein neues Deutschland entstehe, der ist berufen, für dieses neue revolutionäre Deutschland zu sprechen. Das sage ich allen Schumacherlingen und Finsterlingen auf der anderen Seite.

Auf dem Parteitage in Erlangen am 13. und 14. April 1946 ist es geschehen, daß man die Einigung mit der KPD ablehnte. Aber es spielte ein sehr merkwürdiger Trick dabei eine Rolle: In einer geschlossenen Delegiertenversammlung am ersten Tage, am Sonnabend voriger Woche, hat ein Genosse bei einem Antrag des Bezirkes Franken zur Presse vorgeschlagen, die Abstimmung und die Erörterung der Einigungsfrage auf den nächsten Tag zu verschieben, und dieser Antrag ist einstimmig angenommen worden. Dann wurden dieser Genosse und andere Genossen dazu bestellt, in der Nähe von Erlangen in Versammlungen zu sprechen. Während die Genossen abwesend waren, hat man in geschlossener Sitzung die Einigung abgelehnt, so daß keinerlei Opposition zu Worte kommen konnte. Am nächsten Tage standen die Genossen, die zur Einigungsfrage sprechen wollten, vor fertigen Tatsachen. Es war so, daß die offene Versammlung an diesem Tage eine Diskussion nicht wünschte, weil die Zeit zu weit fortgeschritten war. Trotzdem hat man es nicht gewagt, auf dem Parteitag zu sagen: Wir lehnen die Einigung ohne weiteres ab. Man hat beschließen müssen, das endgültig die Mitglieder zu bestimmen haben.

In den Ortsgruppen wird die Entscheidung fallen, und da will ich euch eine Stichprobe darüber geben, wie die Lage ist. Auf dem Unterbezirksparteitag in Regensburg vom 1. März d. J. ist Genosse Buch vom Parteivorstand Zeuge einer denkwürdigen Sitzung gewesen. Er war in Frankfurt gewesen und kam mit den Beschlüssen von Frankfurt zurück, wo Dr. Schumacher es mit seinen Anhängern durchgesetzt hatte, daß erstens die Einigung abgelehnt wurde und zweitens jeder, der zum Parteitag fahren würde, ohne weiteres ausgeschlossen sei. Da hat ein Genosse in jener Unterbezirkstagung in Regensburg am 1. März 1946 den Antrag gestellt, weil er diese Resolution Schumachers nicht gutheißen konnte, sie abzulehnen, um den Weg zur weiteren Verhandlung nicht zu versperren. Einmütig wurde damals diese Resolution angenommen und es wurde einmütig beschlossen, daß über diese Resolution vom 1. März in den Ortsgruppen die Entscheidung getoffen werden sollte. Nur hat die Parteibürokratie diese Resolution nicht an die Ortsgruppen weitergegeben und sie ist nicht zur Abstimmung gekommen.

Gestern habe ich einen denkwürdigen Augenblick auf dem Parteitag der SPD erlebt. Es gab da einen Streit über die Parteistatuten, ob die Ortsgruppe das Fundament der Partei sein sollte oder die Betriebsgruppe. Ich wünschte - und ich habe das auch gestern gesagt - die Parteigenossen in Bayern hätten erlebt, daß wirkliche Demokratie auf dem Parteitag der SPD herrschte. Das war ein historischer Augenblick. Da konnte man sehen, daß in Berlin die Mitglieder nicht mundtod gemacht sind. Statt die Resolution vom 1. März in den Ortsgruppen zur Abstimmung zu bringen, hat man sich Herrn Dr. Schumacher nach Bayern verschrieben. Herr Dr. Schumacher hat vor allen Dingen damit einen Clou in seinen Reden zu erzielen versucht, daß er Angriffe auf eine Siegermacht erhob, indem er sagte: "Die Kommunistische Partei ist abhängig von einer Siegermacht, und die SPD steht unter dem Krallengriff der KPD". Nun, das ist sogar dem Dr. Hoegner zuviel gewesen. Auf dem Parteitag in Erlangen hat er erklärt - ich habe seine Rede in genauer Abschrift mitgebracht -: 'Ich halte es für äußerst gefährlich, bei unseren Auseinandersetzungen mit anderen deutschen Parteien die eine oder andere Siegermacht Siegermacht anzugreifen.. Sozialdemokraten dürfen sich dazu nicht hergeben. Der innerpolitische Kampf ist vielmehr auf der innerpolitischen Ebene auszugechten.'

Aber dann hat Genosse Dr. Hoegner etwas hinzugesetzt, was auch außenpolitisch ausgerichtet war. Der Kern seiner Ausführungen hat dazu geführt, daß mir Schuppen von den Augen gefallen sind und ich hierhereilen mußte, um für die Einheit der Arbeiterklasse einzutreten um Deutschland willen.

Dr. Hoegner hat daran erinnert, daß manche europäische Staaten befürchten müßten, daß ein geschlossenes Deutschland wieder zur Herrschaft komme, daß die geschlossene Volkskraft Deutschlands, die in drei Kriegen über Europa hergefallen sei, im Ausland einen solchen Mißkredit genieße, daß man eine geschlossene Volkskraft Deutschlands vermeiden müsse. Daraus hat er entwickelt, deshalb seien die englischen Gewerkschaften für die Dezentralisierung der Gewerkschaften. Wie die Engländer darüber denken, das habt ihr, Genossen der SPD, vorgestern in der denkwürdigen Erklärung der vielen Labour-Abgeordneten und der vielen Gewerkschaftsführer auf dem Parteitag der SPD erlebt. Darum fordert Dr. Hoegner ein förderalistisches Deutschland, einen deutschen Bundesstaat, ja einen deutschen Staatenbund, wie es wortwörtlich hier in der 'Süddeutschen Zeitung', aber auch in einer Rede auf dem Erlanger Parteitag heißt.

Wißt Ihr, was das bedeutet?
Ein Aufgeben der großen Traditionen unserer Partei, ein Zurück in der gesamten geschichtlichen Entwicklung bis 1806 und noch früher.

Ich habe eben gesagt: Da fielen mir die Schuppen von den Augen. Man hat mit dem Erlanger Parteitag die Katze aus dem Sack gelassen. Man hat zwar erklärt, wir wollen ein freies, einheitliches Deutschland, aber hinzugesetzt, mit weitestgehenden Freiheiten für das Eigenleben der Länder. Das bedeutet Wiederholung der Zustände in Bayern, wie wir sie beim Emporkommen eines Adolf Hitlers hatten. Das bedeutet die Gefahr, daß ein Hitler-Epigone, ein kleiner Hitler, ein Demi-Hitler, ein Viertel-Hitler hernach in den Ländern geschützt wird und dem Reich Knüppel zwischen die Beine geworfen werden, wie wir es erlebt haben. Es bedeutet also einen Rückfall in die traurigste Vergangenheit der Weimarer Republik, wo die Reichsexekutive immer wieder versuchte, einen Staatenlosen außer Landes zu bringen, aber die Münchner Polizeibürokratie immer dazwischensprang und sagte: 'Den Mann rührt ihr nicht an, Adolf Hitler, Heil Hitler!'

Wir wissen ja, wieviel Heil das für das deutsche Volk gebracht hat. Nur ein einziger sprach auf dem Erlanger Parteitag gegen Hoegner. Er konnte sich aber gegen die Kreise, die hinter Hoegner stehen, nicht durchsetzen. Ich selbst habe hier vor Euch gesagt: Es sind mir die Augen von den Schuppen gefallen. Ich bin in der Einigungsfrage aus einem Saulus zu einem Paulus geworden. Habe ich vorher noch gezweifelt, so erkläre ich hiermit: Ich bekenne als Paulus, daß es ohne die Einheit Deutschlands, ohne die Einheit der Arbeiterklasse keine deutsche Zukunft gibt. Im Gegensatz zu den Tendenzen, ein aufgelockertes Deutschland zu schaffen, sage ich, ohne ein geschlossenes Deutschland gibt es keinen Wiederaufbau im sozialistischen Sinne. Ohne ein geschlossenes Deutschland gibt es keine Ausrottung von Kapitalismus, Militarismus und Nazismus. Ohne ein geschlossenes Deutschland gibt es keine einheitliche Meinung in den Kulturfragen, kein einheitliches Eintreten für die Gemeinschaftsschule. Ohne ein geschlossenes Deutschland gibt es am Ende wieder Hader und Zerwürfns, vor allem in konfessionellen Fragen, gibt es wieder das ganze Elend der Kleinstaaterei. Uns alle muß der Wille zur deutschen Einheit beseelen, zur deutschen Zukunft, der Wille zum Wiederaufbau Deutschlands aus dem Trümmerhaufen, zu einem sozilistischen Deutschland, in dem alle anpacken, alle für einen da sind, in dem gearbeitet wird am gemeinsamen Werke und jeder nach seinem Verdienst und der Bedeutung seiner Leistung für die Gesamtheit bewertet wird.

Dieses neue Deutschland muß getragen werden von den enschlossensten Kräften der deutschen Arbeiterschaft. Wo sind denn die entschlossenen Kerle. Vor vierzehn Tagen hatte ich ene Unterhaltung mit der Militärregierung in Bayern. Ich habe den Herren gesagt: Die ganze gegenwärtige deutsche Demokratie ist belämmert. Sie fragten: warum? Darauf habe ich geantwortet: Weil es keine Kerle gibt. Aber wir, in der geschlossenen einigen deutschen Arbeiterklasse, das sind Kerle!

Und nun erkläre ich den vielen Genossen da draußen, die nicht wissen, wohin sie gehören, die nicht wissen, ob dieser Parteitag, ob der gestrige Parteitag der SPD zu Recht bestehen: Hier ist meine Mitgliedskarte der SPD. Auf ihr steht 'Sozialdemokratische Partei Deutschlands'. Diese Mitgliedskarte haben wir von der Partei in Berlin, vom Zentralausschuß empfangen, und wir halten den Zentralausschuß auch für berechtigt, diesen Parteitag einzuberufen und auf Grund demokratischer Beschlüsse zu entscheiden. Wir als Demokraten haben uns dem Mehrheitsbeschluß, dem einstimmigen Beschluß des Parteitages zu unterwerfen.

Nun werden wir hier das historische Ereignis erleben, daß die Arbeiterklasse geeint sein wird. Aber wir müssen daran denken, daß auf der anderen Seite Leute herumlufen und immer wieder spalten, die die Spaltung zu verewigen trachten. Wie sollen wir sie überzeugen? Da sage ich, kein Bruderkampf, nur vorbildliches Wirken! Zeigt hier, wo ihr die Einheit der Arbeiterklasse schafft, was ihr leistet, zeigt, daß ihr Sozialisten seid, daß ihr mustergültig aufbaut, daß hier die Maschinen wieder gehen und daß von hier aus die Zonengrenzen fallen, damit ein einheitliches Deutschland entstehe und es all den Finsterlingen nicht mehr möglich ist, sich hinter den Zonengrenzen zu verkriechen und Spaltungspolitik zu treiben. Von eurer vorbildlichen Haltung, von eurer Demokratie, von eurem Sozialismus wird es abhängen, daß von unten auf in den Westzonen die Vereinigung zuerst in den Betrieben, dann in den Ortsgruppen und dann in dem ganzen Gebiet erfolgt.

Es lebe die eine einheitliche, freiheitliche deutsche Republik unter der Führung einer geeinten Arbeiterklasse!"


Quelle: Protokoll des Vereinigungsparteitages der SPD und KPD. Verlag JHW Dietz Nachf. Berlin 1946, S. 37 - 43


Mittwoch, 20. April 2011

Vereinigungsparteitag SPD - KPD (I)

Morgen vor 65 Jahren begann der Vereinigungsparteitag von SPD und KPD im Admiralspalast (Staatsoper) in Berlin. Im Protokoll (erschienen 1946 im Verlag JHW Dietz Nachf. Berlin) hat der Vorbesitzer dieses Buches ein Gedicht eingeklebt. Es wurde 1963 im ND veröffentlicht, das entnehme ich dem Artikel auf der Rückseite. Mir hat es gefallen und wenn es auch nur einen indirekten Bezug zum Vereinigungsparteitag hat, möchte ich es doch an den Anfang meiner geschichtlichen Würdigung des Geschehens vor 65 Jahren stellen.


Seht, welche Kraft

Ich hatte einmal Angst vor'm Weiterleben!
Was ich besaß, war zerstört und fort.
Da sprach ich nach, was ich hörte hier und dort:
"Die oben solln uns Brot und Obdach geben!
Erst Brot! Dann will ich graben, bauen, weben!"
Und - "Sozialismus" war für mich ein leeres Wort.

Dann sah ich Trümmerfrauen Steine tragen,
sah Kinder ziellos durch die Straßen geh,
sah Männer an blockierten Rädern wieder drehn
und sah die Besten hungernd Brücken schlagen.
Da mußte ich mich endlich selber fragen:
Bist Du denn kraftlos? Willst Du abseits stehen?

Ich nham den Spaten und ich drosch die Ähren,
ich sah, nicht hilflos ist, wer Freunde hat!
Welch Glück: Mein Kind lag warm und wurde satt.
Ich lernte und sprach kaum noch vom Entbehren,
und eines Tages durfte ich die Kinder lehren!
Ein Schritt voran war jedes Buch und jedes Blatt.

Seht, welche Kraft liegt nun in unseren Händen!
Und was sie zeugt gehört nun dir und dir und mir:
der Stahl, der Acker, Baum und Buch und Tier.
Kein Herr darf uns der Arbeit Frucht entwenden
und niemand kann mit falschen Glanz uns blenden.
Wir schützen unser Haus! der Staat sind wir!

Ursula Burmeister, Lehrerin, Falkenhain

Ich hoffe, ich schaffe es, einige Rednerbeiträge aus dem "Protokoll" morgen und übermorgen zu veröffentlichen. Für mich, die ja erst später geboren wurde, sind sie zumindest sehr interessant.


Montag, 11. April 2011

Vor 35 Jahren,

am 11. April 1976 erhielten die Schüler und Schülerinnen der 8. Klassen der 9. POS "Nikolai Bersarin" die Jugendweihe. Vor 35 Jahren wurden wir also in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen.

Ach und damit keiner googeln muß, Nikolai Bersarin (1904 - 1945) war 1945 der 1. Stadtkommandant in Berlin. Leider verunglückte er im Juni 1945 bei einem Motorradunfall tödlich.

Aber zurück zur Jugendweihe und ihre Folgen. Die Feierstunde im Klubhaus "Peter Edel" war schon ein Ereignis, aber schließlich, soviel Wahrheit muß sein, wurde das geprobt. Dazu hat die Schulaula in der Woche davor hergehalten, und während es da noch sehr lustig zuging, war es am Sonntagmorgen dann wirklich feierlich.

Der Nachmittag wurde, zumindest in unserem Jahrgang mit den Familien verbracht, eine gemeinsame Feier haben wir nicht zustande gebracht.

Dem Tag der Jugendweihe vorausgegangen waren die Jugendstunden. Da gab es interessante, zum Beispiel der Besuch des Hohenschönhauser Widerstandskämpfers Stahl oder der Besuch im Obersten Gericht. Das hatte schon was. Die eher uninteressanten sind mir nicht in Erinnerung geblieben.

Der darauffolgende Montag war frei, aber am Dienstag begann der Spaß. Jeder Lehrer befragte uns als erstes, wie wir es denn mit dem "Sie" als Anrede hielten. Unheimlich gönnerhaft kamen wir uns vor, den meisten Fachlehrern zu erklären, es dürfe selbstverständlich beim "Du" bleiben.
Dann gabs natürlich auch die Lehrer, die gar nicht erst fragten, sondern uns weiter duzten. Die meisten kannten uns ja inzwischen auch jahrelang. Wirklich eingebürgert hat sich das "Sie" erst ab der 9. Klasse und auch das nur bei neuen Fachlehrern.

Alles in allem war das ein Tag, an den man sich gern auch nach 35 Jahren erinnert.

Montag, 7. März 2011

Zum 65. Geburtstag


"Wir sind die Fans von Egon Krenz, seid nicht traurig, jetzt kommt Aurich"
aus meiner Zeit in der FDJ

Es gibt sie noch, die FDJ und deshalb können wir nicht nur an den 65. Jahrestag ihrer Gründung erinnern, sondern dürfen ganz offiziell zum 65. Geburtstag gratulieren.

Am 07. März 1946 wurde die FDJ als einheitliche, sozialistische Massenorganisation gegründet, damals noch in allen Besatzungszonen. Sie ging aus den 9 Monate vorher gegründeten antifaschistischen Jugendausschüssen hervor. Die FDJ setzte in der Vergangenheit die fortschrittlichen Traditionen der deutschen Jugendbewegung, insbesondere der Arbeitjugendbewegung, fort.

In der DDR hatte sie sich zum Ziel gesetzt, alle Jugendlichen zu bewußten Kämpfern für Frieden und Sozialismus zu erziehen, am sozialistischen Aufbau teilzunehmen, den Marxismus/Leninismus zu verbreiten (FDJ-Studienjahr, Abzeichen für "Gutes Wissen") sowie die Entwicklung und Organisation einesr vielseitigen Freizeitgestaltung (Jugendklubs).
Die FDJ gab die Tageszeitung "Die junge Welt" raus, die zumeist besser zu lesen war als das ND.
Sie war auf allen Gebieten und an der Leitung des Staates beteiligt, der Vorsitzende der FDJ war Mitglied des Staatsrates. Kann man sich heute irgendwie nicht mehr wirklich vorstellen, war aber so.

In der BRD wurde die FDJ 1951 verboten.

Seit 1948 ist die FDJ MItglied des Weltbundes der Demokratischen Jugend und war Gastgeberjugendorganisation der 3. Weltfestspiele 1951 und der 10. Weltfestspiele jeweils in Berlin.

Mit der Einverleibung der DDR durch die BRD stand die FDJ vor einem riesigen Dilemma. Sie wurde nicht nur ihrer staatlichen Unterstützung beraubt, sondern verlor sowohl Mitglieder in hohem Maße als auch ihre materielle Grundlage. Jugendklubs, Jugendobjekte, Friedenskampf, Solidarität mit unterdrückten Völkern und vieles mehr, was in der DDR mit Hilfe der FDJ organisiert wurde - all das war auf einmal falsch, wurde und wird verdammt und kriminalisiert.

Die FDJ hat es geschafft, auch 21 Jahre nach der Annexion zu bestehen. Einen herzlichen Glückwunsch zum 65. Geburtstag.




Auf den Straßen, auf den Bahnen

Lied von der blauen Fahne

Auf den Straßen, auf den Bahnen,
seht ihr Deutschlands Jugend ziehn.
Hoch im Blauen fliegen Fahnen,
blaue Fahnen nach Berlin.
Links und links und Schritt gehalten.
laßt uns in der Reihe gehn.
Unsre Fahnen sich entfalten,
um im Sturm voran zu wehn.

Hebt die Fahnen, laßt sie schweben,
singt ein neues Fahnenlied!
Wir sind Deutschlands neues Leben,
und der Friede mit uns zieht.
Macht des Friedens, Du wirst siegen,
ziehst in alle Herzen ein!
Blaue Fahnen werden fliegen,
hoch im blauen Himmelsschein.

Aus dem Blauen strahlt die Sonne,
und sie leuchtet Deutschland, dir.
Links und links, singt die Kolonne,
Freie Deutsche Jugend, wir.
Laßt uns neu die Heimat bauen,
laßt uns fest zusammenstehn!
Blaue Fahnen hoch im Blauen
werden über Deutschland ziehn.

Worte: Johannes R. Becher
Musik: Hanns Eisler (1949)





Dienstag, 1. März 2011

Grüße für alle jene


"Glückwunsch allen, denen es noch etwas bedeutet, in der Nationalen Volksarmee der DDR gedient zu haben!!!"

Besser kann man es wohl nicht ausdrücken, deshalb klaue ich genau dieses Zitat unter dem Video "Es lebe das Brot" für meinen heutigen Eintrag. Vielen Dank, B.

Tag der NVA - am 1. März - genau weiß ich nicht, ab wann dieser 1. März der Ehrentag war, aber das am 18. Januar 1956, also vor 55 Jahren, die Volkskammer das "Gesetz über die Schaffung der Nationalen Volksarmee und des Ministeriums der Nationalen Verteidigung" verabschiedet hat, dieser Fakt findet sich in der "Geschichte der DDR".

Damit begann die Aufstellung und die Entwicklung von Einheiten, Truppenteilen, Stäben und Schulen der NVA. Weiter wörtlich "Mit der NVA enstand das Kernstück in der Organisation der Landesverteidigung. Am Vorabend des 1. Mai 1956 leistete das erste Regiment den Schwur auf den Arbeiter- und Bauernstaat."

Somit existierte die NVA 34 Jahre - wichtig und gut für die Sicherung des Friedens in Europa. In diesem 36 Jahren hat die NVA weder ein anderes Land bombardiert noch zu kriegerischen Zwecken betreten.
Wie lange es nach dem Wegfall des sozialistischen Lagers gedauert hat, bis die Bundeswehr an einem völkerrechtwidrgen Krieg gegen einen anderen Staat teilgenommen hat, brauche ich wohl nicht zu erwähnen.

Quelle des Zitats: "Geschichte der DDR", VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1981

Montag, 28. Februar 2011

Zum 90. die herzlichsten Grüße


Willi Sitte wird heute 90 Jahre alt. Die herzlichsten Glückwünsche und dem Jubilar ein gutes 91. Lebensjahr.

Wann immer sich bestimmte Jahreszahlen, Geburtstage runden, überlege ich mir, haben sie für Dich eine Rolle gespielt, kannst Du etwas damit verbinden.

Wann genau Willi Sitte in Form seiner Gemälde in mein Leben getreten ist, weiß ich nicht mehr genau. Aber es könnte schon sein, daß es mit dem vor Eröffnung des Palastes der Republik im Jahr 1976 war, als sein Wandbild "Die rote Fahne - Kampf, Leid, Sieg" in den Medien der DDR vorgestellt wurde. Von Malerei verstand ich sicher mit meinen 14 Jahren nichts, bis dahin wußte ich nur mit Gewißheit, das "Die Wolgatreidler" von Ilja Repin und "Eisenwalzwerk" von Adolph Menzel geschaffen wurden. Schulstoff Zeichnen halt.

"Die rote Fahne - ..." begeisterte mich von Anfang an, immer wieder und als Berlinerin war ich über Jahre hinweg mindestens einmal monatlich im Palast, stand ich vor diesem Werk und schon sehr zeitig wollte ich genau von diesem Gemälde einen Kunstdruck besitzen. Aber während hier die vor zig Jahren aufgeblockten Spitzwege hängen, habe ich den Kauf bei Sitte irgendwann aus den Augen verloren. Schade!

Aber eines hat dieses Bild bewirkt, daß ich mich für bildnerische Künste zu interessieren begann. Interessieren? Vielleicht zu hoch gegriffen, aber anschauen, meine eigenen Gedanken machen, ja, das begann mit "Die rote Fahne - Kampf, Leid, Sieg".

Bildnachweis: "Die rote Fahne - Kampf, Leid, Sieg", Willi Sitte, aus "Der Palast der Republik", VEB E.A.Seemann Verlag Leipzig 1979

Dienstag, 8. Februar 2011

Grauer Alltag?


Seit ein paar Tagen, ich hatte es bereits geschrieben, besitze ich das Buch "DDR - Realität und Hoffnung" vom GNN Verlag. Bei Lesen der einzelnen Beiträge kommen natürlich Erinnerungen hoch, besonders wenn von Orten bzw. Ereignissen die Rede ist, an denen ich war oder an denen ich teilgenommen habe.

Heute will ich diese - meine - Erinnerungen unter den Aspekt des grauen Alltags in der DDR stellen.
Das ist so ziemlich das harmloseste, was man zu hören bekommt. "Bei Euch war alles grau, alles von Geburt bis Sterben durchgeplant, kein Ausscheren möglich - eben langweilig. Wie gesagt, das sind wohl die nettesten Kommentare, wenn meine Kollegen oder Kolleginnen über mein Heimatland sprechen.

Ja, viele private Fotos, auch noch 1989, waren schwarz-weiß. Auch die meisten Fernseher, die in DDR-Haushalten standen, strahlten nur schwarz-weiße Bilder aus. An den Häusern in Stadt und Land fehlte die grelle Reklame, die heute mitunter einfach nur in den Augen schmerzt.
War deshalb unser Leben grau und trist?

Meines war es nicht, ganz sicher nicht. An Urlaube vor meiner Schulzeit kann ich mich selbst nicht erinnern. Bilder allerdings beweisen, als Zweijährige war ich an der Ostsee, als 5-jährige in Albrechts in Thüringen, wobei dort die Erinnerung an ein Erlebnis bereits wieder einsetzt.

Die Schulzeit ist allerdings sehr präsent. Kaum konnte ich lesen, war ich Stammgast der Autobibliothek, die jeden Donnerstag fast vor unserem Haus hielt. Später lief ich durch den Park zur Parkaue, das Zentralhaus der Jungen Pioniere "German Titow" hatte unzählige Bücher. Einmal führte eine Weihnachtsfeier von der Arbeit meiner Mutter ins ebenfalls dort befindliche Theater der Freundschaft. Nur der Name und das Thema istmir präsent geblieben "Schneeball" und Rassismus, auch wenn ich das damals wohl noch nicht so genannt habe.

Von meinen vielen Aufenthalten in unterschiedlichsten Ferienlagern war hier bereits die Rede, auch von meiner Teilnahme am Vorbereitungslager zu den X. Weltfestspielen im Pionierlager am Frauensee und dem X. Festival selbst.
Dazu kamen die jährlichen Wandertage, die wir von der Schule aus unternahmen oder die Schülerfahrten.

Pioniernachmittag, die mal mit Altstoffsammlungen, mal mit Drachensteigen, mit Wandzeitung basteln. Timurhelfer? Na klar, jahrelang trug ich älternen Menschen die Kohlen aus dem Keller und ging für sie einkaufen.
Das alles war natürlich geplant, mal von der Pionierorganisation, mal von der FDJ oder auch der Volkssolidarität, deren Mitglieder meist in die Schulen kamen, um neue Timurhelfer zu werden.

Sport? Auch das, da konnte man wählen. Sicher konnten das nicht alle in einem so vielseitigen Angebot wie ich. Nicht nur das ich in Berlin wohnte, nein es war auch noch gegenüber dem Sportforum in Berlin-Hohenschönhausen, so daß das Angebot fast überbordernd war. Und während meine Schwester sich früh für den Eisschnellauf entschied, als Spartakiadekämpferin und später B-Kader der DDR die Urkunden, Medaillen und Auslandstrainingsaufenthalte nur so sammelte, reichte mein Ehrgeiz nur zum Probieren. Geräteturnen, natürlich auch Eisschnellauf, Leichtathletik und Schwimmen, später Tischtennis, ich gebe zu, die rechte Ausdauer hatte ich für keine dieser Sportarten.
Das alles plante niemand mehr, das war meine freie Entscheidung, es kostete meine Eltern kein Geld und wenn ich keine Lust mehr hatte, habe ich mich abgemeldet und was neues probiert.

Tischtennis war dann schuld, daß ich als Jugendliche eine neue Freizeitbeschäftigung fand. In Hohenschönhausen gab es einen Jugendklub, benannt nach Victor Aronstein, der in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts in Alt-Hohenschönhausen wohnte und in Auschwitz ums Leben kam.
Sonntags wurde im Jugendklub Tischtennis gespielt, so landete ich dort und gehörte für die nächsten 4 Jahre zum Klubaktiv. Klingt für mich alles weder grau noch trist, eher nach einer schönen Kindheit.

Aber mit 17 hörte ja mein Leben in der DDR nicht auf. Als Lehrlinge hatten Freunde und ich ein Theaterabonnement, das uns in drei Lehrjahren insgesamt 18 Theaterveranstaltungen bot, die wir uns leisten konnten und das von 100,00 (1. Lehrjahr) - 150,00 (3. Lehrjahr) Mark der DDR monatlichem Entgelt.

Da kamen noch der Ernteeinsatz in den ersten beiden Studienwochen, der Studentensommer 1982 in Berlin, 1984 nochmal ein Fackelzug zum 35. Jahrestag der DDR und und und.

Sicher, diese Vielzahl an Freizeitbeschäftigungen hörten irgendwann auf. Geheiratet wurde, Kinder kamen und so drehte sich das Familienleben eben um neue Wichtigkeiten. Trotzdem Urlaube, ja natürlich innerhalb der DDR bzw. nach Ungarn, Polen oder die CSSR, Kurzreisen an die Ostsee, Neubrandenburg war ja nicht weit weg, immer wieder Berlin oder Karl-Marx-Stadt, all das gehörte auch mit Kindern und unserer Berufstätigkeit zu unserem Alltag. Grau? Trist?

Dienstag, 1. Februar 2011

Gefunden


Winterlandschaft 1990


Kleines Land, weithin verschneit.
Die Stille gefriert unterm Mond.
Schnee deckt ein Leichentuch,
schön anzuschaun.
Stöhnen die Bäume?
Bebt die Erde?

Ich geh durch die Nacht, höre
die gierigen Krähen und sehe
den Anblick des Engels
im Schnee.

Wer starb hier?
Ich nicht ...
doch mein Land.


Gefunden habe ich das Gedicht in der Veröffentlichung "DDR - Realität und Hoffnung" vom GNN-Verlag, die gerade erschienen ist.

Es ist der 6. Band des Projektes "Als Zeitzeugen erlebt - Spuren der Wahrheit". 2003 erschien der 1. Band mit dsem Titel "Vereinnahmung der DDR", 2005 folgte "Bewahrenswertes DDR-Erbe", 2007 "DDR-Erfahrungen für eine sozialistische Zukunft. Der 4. Band lautete 2008 "DDR - unauslöschbar". Ein Jahr später der 5. Band "Vermächtnis DDR" und eben seit kurzen der 6. Band.

Christa Kozik
, am 1. Januar dieses Jahres 70 Jahre alt geworden, dürfte so ziemlich vielen Menschen, die in der DDR geboren und aufgewachsen sind, durch ihre Bücher bzw. Szenarien für Filme bekannt sein, gehören doch dazu "Philipp, der Kleine", "Der Engel mit dem goldenen Schnurrbart", "Ein Schneemann für Afrika", "Moritz in der Litfaßsäule" oder auch "Die Hälfte des Lebens".

Bildnachweis:
/ © goes / Christa Kozik, am 15.6.06 in Göttingen bei Autogrammen für Kinder, auf www.goest.de


Montag, 10. Januar 2011

Kennst Du noch den Weltfriedensrat?

Lange habe ich das Wort "Weltfriedensrat" nicht mehr gelesen, ja ich wußte nicht mal, ob er noch existiert. Gestern abend beim Lesen im RotFuchs tauchte es wieder auf, im Beitrag zum türkischen Kommunisten und Dichter Nazim Hikmet. Und wann immer mir ein lang nicht gehörter Begriff wieder unter die Augen kommt, ist es Zeit für: Kennst Du noch/Weißt Du noch?

Der Weltfriedensrat wurde auf dem II. Weltfriedenskongreß vom 16. - 22.11.1950 in Warschau gebildet. Er löste das Ständige Komitee des Weltfriedenskongresses ab, das auf dem I. Weltfriedenskongeß (gleichzeitig vom 20.04.- 25.04.1949 in Paris und Prag tagend) gewählt worden war.

"Er tritt ein für die Prinzipien des friedlichen Nebeneinanderbestehens der Staaten mit unterschiedlicher Gesellschaftsordnung; die Beilegung von Streitigkeiten zwischen den Ländern mit Hilfe von Verhandlungen und Vereinbarungen; das Verbot von Kernwaffen und aller Massenvernichtungsmittel; die allgemeine und vollständige Abrüstung; die europäische Sicherheit; die Unterstützung des Kampfes der kolonialen und unterdrückten Völker um ihre nationale Unabhängigkeit usw.

Zu den wirkungsvollsten Aktionen des Weltfriedensrates (WFR) gehören die weltweite Unterschriftensammlung unter den Stockholmer Appell für das Verbot der Atomwaffen und die Aktionen für das Verbot von Kernwaffenversuchen.

Die Tagung des WFR in Genf im Juli 1966 beschloß ein Memorandum zur europäischen Sicherheit, das den Bestrebungen der europäischen Völker nach Frieden Rechnung trägt. Der WFR stützt sich auf die nationalen Friedenskomitees, auf Weltorganisationen wie den WGB (Weltgewerkschaftsbund), die IDFF, den WBDJ u. a., die Kollektivmitglieder sind und auf bekannte Einzelpersönlichkeiten.

Er vereinigt Vertreter aller Bevölkerungsschichten, der Gewerkschaften, der freischaffenden Berufe sowie der verschiedensten Organisationen, unabhängig von ihrer politischen, religiösen und anderen Überzeugungen. Mehr als 500 Mitglieder, darunter auch Persönlichkeiten aus der DDR, vertreten im WFR über 80 Länder.

Während der Zeit zwischen den Tagungen werden die Beschlüsse durch sein Präsidium durchgeführt. Ständiges Organ des WFR ist das Sekretariat..."

Quelle: Kleines Politisches Wörterbuch, Dietz Verlag Berlin 1967


Ja, es gibt ihn noch, den Weltfriedensrat,seit ist Socorro Gomez Präsident des WFR, heute hat der WFR seinen Sitz in Wien, nachzulesen unter Wikipedia.

Erster Präsident des WFR war Frédéric Joliot-Curie, Ehemann von Iréne Joliot-Curie und Schwiegersohn von Marie Curie.

Jährlich gibt der WFR einen Internationalen Friedenspreis heraus, Preiträger waren u.a. Nikos Kazantzakis, Dmitri Schostakowitsch, bereits oben erwähnter Nakim Hikmet, Pablo Neruda, Paul Robeson, Pele, Charlie Chaplin.

Bildnachweis: Bundesarchiv, 1954 noch Haus der Ministerien geschmückt zur Außerordentlichen Tagung des WFR in Berlin

Natürlich weckt dieses Foto Erinnerungen, denn ich habe als Kind oft vor diesem Haus gestanden und auf die Mutter gewartet, die eben genau dort arbeitete. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte und es war auch deutlich nach 1954.


Dienstag, 4. Januar 2011

Ich mach ein Lied aus der Stille - Eva Strittmatter


(08.02.1930 - 04.01.2011)

Vor dem Winter

Ich mach ein Lied aus Stille
Und aus Septemberlicht.
Das Schweigen einer Grille
Geht ein in mein Gedicht.


Der See und die Libelle
Das Vogelbeerenrot.
Die Arbeit einer Quelle.
Der Herbstgeruch von Brot.


Der Bäume Tod und Träne.
Der schwarze Rabenschrei.
Der Orgelflug der Schwäne,
Was es auch immer sei,


Das über uns die Räume
Aufreißt und riesig macht
Und fällt in unsre Träume
In einer finstren Nacht.


Ich mach ein Lied aus Stille.
Ich mach ein Lied aus Licht.
So geh ich in den Winter;
Und so vergeh ich nicht.


Eva Strittmatter

"Ich mach ein Lied aus der Stille", unter diesem Titel wurde 1973 Eva Strittmatters erster Gedichtband veröffentlicht. Sie war im Kinderbuchverlag Lektorin, schrieb selbst Kinderbücher bis sie sich Anfang der 70ziger Jahre fast ausschließlich der Lyrik zuwandte.

Heute ist sie im Alter von fast 81 Jahren verstorben. Noch 2010 erschien von ihr der Band "Zwischenspiel" und trotz ihres hohen Alters muß man wohl sagen, sie wurde mitten aus der Arbeit gerissen.

Bildnachweis: Paulus Pozniak/picture-alliance/BerlinerZeitung


Montag, 1. November 2010

Reisemitbringsel


Wann immer es mich in die Heimat verschlägt, und das ist bekanntlich oft, gibt es einen Besuch im Marktcenter Helle Mitte. Das unterscheidet sich nicht wirklich von anderen Einkaufstempeln und wäre völlig uninteressant, gäbe es nicht diesen Laden darin. Der Verkaufsladen von "Unsere Buchempfehlungen für Sie". Neben den regelmäßigen Mitbringseln für Nichten und Neffen, wie "Von Anton bis Zylinder" oder "Lütt Matten und die weiße Muschel" finden sich auch, inzwischen heruntergesetzte, Bildbände des Komet-Verlages mit authentischen Bildern aus der DDR.

Diesmal hatten es mir "DDR Postkarten, Geschichte - Motive - Erinnerungen" angetan und gleich beim ersten Durchblättern heute fand ich in der Einleitung nebenstehende Abbildung und folgenden Text dazu:

"Das Haus der Kultur und Bildung in Neubrandenburg wurde (erst) 1965 fertiggestellt. Entworfen von Kurt Liebknecht, Präsident des Architektenbundes der DDR, kam es bereits wesentlich eleganter und schlichter daher, auch wenn sich die turmartig übereinander geschichtete Anordnung der Klub- und Zirkelräume im 'Kulturfinger' (so der Kosenamedes Neubaus in der Bevölkerung) als wenig nutzerfreundlich erwies."

Meist muß ich solch kleine Nebensätze ja schlucken, weiß ich doch nicht wirklich, was sich außerhalb meines Gesichtskreises hier und da zugetragen hat.
Mit diesem Gebäude ist es etwas anders, in Neubrandenburg habe ich 10 Jahre lang gelebt und just im Kulturfinger, in der 4. Etage, mehrere Jahre gearbeitet.

Es mag schon sein, daß die turmartige Anordnung kleinflächiger Etagen nicht nutzerfreundlich war, das änderte allerdings nichts am regen Gebrauch des Gebäudes. Da gab es eine Ballettgruppe, den Zirkel "Schreibender Arbeiter", da gab es Klubveranstaltungen im kleinen Rahmen, auch die Bildenden Künste kamen nicht zu kurz und nicht zu vergessen das Café in der 13. Etage und die Aussichtsplattform darüber, es war nicht nur Arbeitsplatz der Mitarbeiter, sondern abends war richtig etwas los im Finger. Übrigens war auch in der DDR der Fahrstuhl bereits bekannt und ein solcher befand sich natürlich damals schon im Kulturfinger.

So wurde das Haus sehr wohl entsprechend seinem Namen als Kulturhaus genutzt, zumal die Beschreibung auch nicht ganz stimmt, der Kulturfinger war mitnichten das gesamte "Haus der Kultur und Bildung", kurz HKB genannt. Auf dem Foto links des Turmes sieht man ein flaches Gebäude, das dazu gehörte. Es barg eine Ausstellungshalle und den Veranstaltungssaal mit Plätzen für 603 Besucher. Nicht sichtbar die zweite Hälfte des Flachgebäudes, in der die Stadtbibliothek beheimatet war.

In diesem Saal hatte ich denn auch mein schon beschriebenes Erlebnis mit R. Neudert, beim Schreiben des Namens weigern sich fast die Finger, die Buchstaben hier reinzutippen...

Nach der Konterrevolution wurde ganz schnell aus Kostengründen dieser kleine kulturelle Betrieb eingestellt und die Etagen an geldbringende Unternehmen vermietet. Die erste dieser einfallenden Mietzahler war übrigens die DAS-Versicherung.

Bildnachweis: Alle mir bekannten Ansichtskarten wurden in der DDR vom Verlag Bild & Heimat veröffentlicht, ich hoffe also, auch diese Ansichtskarte.


Freitag, 22. Oktober 2010

Für Freunde der russischen Sprache

Nein, es ist nicht Donnerstag, 20.00 Uhr und auch das 2. Programm des DDR-Fernsehens läuft nicht, aber russisch ists und niedlich obendrein: