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Dienstag, 4. Januar 2011

Ich mach ein Lied aus der Stille - Eva Strittmatter


(08.02.1930 - 04.01.2011)

Vor dem Winter

Ich mach ein Lied aus Stille
Und aus Septemberlicht.
Das Schweigen einer Grille
Geht ein in mein Gedicht.


Der See und die Libelle
Das Vogelbeerenrot.
Die Arbeit einer Quelle.
Der Herbstgeruch von Brot.


Der Bäume Tod und Träne.
Der schwarze Rabenschrei.
Der Orgelflug der Schwäne,
Was es auch immer sei,


Das über uns die Räume
Aufreißt und riesig macht
Und fällt in unsre Träume
In einer finstren Nacht.


Ich mach ein Lied aus Stille.
Ich mach ein Lied aus Licht.
So geh ich in den Winter;
Und so vergeh ich nicht.


Eva Strittmatter

"Ich mach ein Lied aus der Stille", unter diesem Titel wurde 1973 Eva Strittmatters erster Gedichtband veröffentlicht. Sie war im Kinderbuchverlag Lektorin, schrieb selbst Kinderbücher bis sie sich Anfang der 70ziger Jahre fast ausschließlich der Lyrik zuwandte.

Heute ist sie im Alter von fast 81 Jahren verstorben. Noch 2010 erschien von ihr der Band "Zwischenspiel" und trotz ihres hohen Alters muß man wohl sagen, sie wurde mitten aus der Arbeit gerissen.

Bildnachweis: Paulus Pozniak/picture-alliance/BerlinerZeitung


Mittwoch, 27. Oktober 2010

Hochaktuell

"Die offiziellen Verlautbarungen zum Thema Glück und Freiheit sind Ausdruck nicht nur einer ermüdenden Dummheit, sondern sind der mächtige Ausdruck, das gezielt eingesetzte Machtmittel einer herrschenden im althergebrachten Sinn dieses Wortes.
Die allgemeine Phraseologie in beiden Ohren, kapiert man plötzlich: Bei uns wird betrogen; bei uns werden öffentlich die Möglichkeiten des Menschen mißhandelt und ausgelacht; bei uns wird Macht ausgeübt im klassischen Sinn, also im Sinn einer herrschenden Klasse."

Christian Geisler (Westdeutschland)

Ich weiß weder, wer Christian Geisler ist noch wann er obiges Zitat von sich gegeben hat. Gefunden habe ich es in der Bilddichtung "Vom Glück des Menschen". Veröffentlicht wurde das Buch 1968 im VEB Fotokinoverlag Leipzig, DDR.

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Minijobs sind Schei.e,


das weiß man eigentlich und trotzdem denkt man nicht weiter darüber nach. Wohl bis zu dem Moment, in dem es einen mehr oder weniger betrifft.

Es ist ja nicht so, daß ich nicht gemerkt habe, welch ein Glücksfall es ist, wenn Verkäuferinnen und Verkäufer noch einen Vollzeitvertrag in der Tasche haben, nein immer mehr geht es zu den Teilzeitjobs hin, damit die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen für den "menschen-" und kundenfreundlichen Arbeitgeber immer dann zur Verfügung stehen, wenn der das denn eben braucht. Wer der liebe Arbeitgeber seine Beschäftigten gerade mal nicht braucht, können die schließlich gut zum Sozialamt gehen.

Trotzdem war mir das Problem nicht wirklich bewußt, obwohl sowohl meine Tochter im Verkauf arbeitet (allerdings mit Vollzeitvertrag) als auch mein Sohn diesen Beruf erlernt.

Vorigen Donnerstag gab es bei ZDF.reporter einen Beitrag über die Minijobs im Handel. Vielleicht wäre auch das mit der entsprechenden Empörung an mir vorbeigerauscht, wenn nicht ausgerechnet die Lebensmittelkette, in der mein Sohn seit einem Jahr seine Praktika absolviert, beispielhaft für andere betrachtet worden wäre.

Wie unmoralisch, wie verkommen muß man eigentlich sein, sich vor die Kamera zu stellen und auszusagen, man hätte keine finanzielle Vorteile von dem arbeitsmarktpolitschen Instrument Minijob. Den Arbeitgeber kostet das außer den 400 EUR noch 15 % Pauschalabgaben, sollte der Minijobber noch ergänzende Grundsicherung beziehen müssen, zahlen das die Steuerzahler.

Aber nichts destotrotz kann die Kette seit 2001 laut Wikipedia auf regelmäßige Auszeichnungen hinweisen:

  • 2008: Bundesverdienstkreuz am Bande für Wolfgang Gutberlet für die hohe Ausbildungsquote, Schaffung neuer Arbeitsplätze und seinen Einsatz für hohe Lebensmittelqualität durch den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch[7]
  • 2007: Entrepreneur des Jahres 2007 (Kategorie Handel)
  • 2006: Auszeichnung mit dem Branchen-Oscar Goldener Zuckerhut
  • 2005: Bio-Markt des Jahres in Gold und Silber
  • 2005: Wolfgang Gutberlet (Vorstandsvorsitzender der tegut…): Ökomanager des Jahres 2005, verliehen durch Capital und WWF
  • 2003: BestPersAward – 1. Platz – Sparte: Personalführung
  • 2003: Tegut-Tochter Rhöngut: Innovationspreis für Technologie und Verfahren
  • 2003: Tegut-Tochter tegut…bankett bekommt vom Party Service Bund Deutschland e. V. „Drei Sterne“ für vorbildliche Event- und Veranstaltungsausrichtung in den Kategorien Planung, Dekoration, Menü- und Speisenaufbau, Service und Geschmack.
  • 2001: Deutscher Frucht-Preis-Sieger

Langsam werden es immer weniger Geschäfte, in denen ich einkaufen kann. Mögen die Artikel bei Tegut noch so gut sein, die Filialen ansprechend aussehen, eine derartige Personalpolitik mag ich nicht unterstützen. Außerdem hatte ich ehrlich gehofft, mein Sohn könnte irgendwann von seinem Gehalt leben, sich eine eigene Wohnung und eventuell sogar eine Familie leisten. Aber dazu muß er dann wohl auswandern.


Samstag, 9. Oktober 2010

Zeitzeugnisse


Jetzt am Wochenende findet der 19. Parteitag der DKP in Frankfurt/Main statt. Eigentlich habe ich gegoogelt, um einige Anträge, eine Deligierte usw. zu finden, um vielleicht auch ein Gespür dafür zu bekommen, wohin die Reise der Deutschen Kommunistischen Partei geht.

Dabei fand ich eine Berichterstattung in der "Zeit" vom 3. Parteitag der DKP im November 1973.
Wenn auch der Beitrag verständlicherweise nicht gerade kommunistenfreundlkich ist, so hat es der Parteitag immerhin in die bürgerliche Presse geschafft:

"DKP-Parteitag

Proletarier im Luxushotel

Die Kommunisten beschließen den Ausbruch aus den Rathäusern/Von Hans Schueier

Die Alten beschwören ihn immer wieder: den Heros und Märtyrer der deutschen Kommunisten, Ernst „Teddy" Thälmann. Aber wenn sie Seinen Namen nennen, klingt es, als wünschten sie sich fort aus diesem Saal, aus den mit dicken Teppichen ausgelegten Foyers, weg vom sterilen Prunk des Hamburger Congress Centrums. Zu bürgerlich, zu elegant und wohlhabend nimmt sich der dritte Parteitag der DKP in seiner Nobelherberge neben Loew's Hotel Plaza am Dammtorbahnhof aus. Wie bescheiden dagegen die Erinnerungsstätte an Ernst Thälmann in der Tarpenbekstraße 65, der ehemaligen Ladenwohnung eines Schuhmachers, zu der mancher alte Kampfgenosse in den Kongreßpausen pilgert.


Mustergültige Ordnung, gepflegtes Essen, hervorragende Organisation, Weitläufigkeit bestimmen derweil die Tagung. Fernsehen, Rundfunk und Presse sind „akkreditiert" und werden mit den Texten der Begrüßungsansprachen von 23 Gastdelegationen synchron versorgt, hoch während die Redner sprechen. Draußen, in der Wandelhalle, wähnt man sich beim Treffen einer einflußreichen Mittelstandsvereinigung. Nur die jugendlichen Einweiser tragen lange Haare und abgewetzte Jeans. Der Parteitag wirkt eher wie eine Schaustellung materiellen Selbstbewußtseins: „Seht, wir sind auch wer!" denn wie eine machtvolle Demonstration der seit nunmehr fünf Jahren unter neuer Fahne und altem Bekenntnis geeinten Arbeiterklasse.


Max Reimann, Senior der Versammlung, ehemaliger Vorsitzender der KPD und DKP-„Ehrenpräsident", ergeht sich angesichts der Glückwünsche zum eben vollendeten 75. Lebensjahr in Erinnerungen. Ihn, den Soldaten des Ersten Weltkrieges, habe der Funkspruch Lenins „An alle — schließt Frieden!" zum Kommunisten gemacht. Er ruft die Kampfzeit der zwanziger Jahre ins Gedächtnis und verpflichtet die Partei auf Thälmanns Wort, „daß die positive Einstellung zur Sowjetunion das Kriterium jedes wirklichen Kommunisten ist". Da ist der Bezug zur Gegenwart hergestellt. Der Saal dröhnt unter minutenlangem, rhythmischem Applaus-


Er dröhnt noch einmal, als Reimaiin die seltsam anachronistische Forderung erhebt: „Das KPD-Verbot muß aufgehoben werden." Sie kehrt in den drei Tagen des Hamburger DKP-Festiväls mehrmals wieder, und immer ist es, als bräche eine alte Wunde auf, obgleich doch die bundesdeutschen Kommunisten beim Gedanken an das Verbotsurteil von 1956 unter nichts anderem leiden können als an der Verschiebung der Buchstaben in ihrem Parteinamen. Sie sind inzwischen fest etabliert und in ihrem Bestand als Partei unangefochten; sie haben annähernd 40 000 Mitglieder — bei ständig steigendem Zugang; ihre Studentenorganisation, der Marxistische Studentenbund Spartakus hält mit 2000 Mitgliedern beherrschende Positionen im Verband deutscher Studentenschaften und den Studentenausschüssen der meisten Hochschulen. Die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) stellt mit 10 000 Angehörigen ein sicheres Nachwuchsreservoir. Wenn heute die. alte KPD wieder zugelassen würde —- was verfassungsrechtlich nicht möglich ist —, brauchten die „Deutschen Kommunisten" nur einmal mehr ihre Buchstabenfolge zu tauschen, um nächst der Kontinuität auch die Identität wiederherzustellen. Sie sind eben nicht nur Kommunisten, sie sind auch Romantiker.


Hoffnung und Stolz der Partei ist ihre neugewonnene Jugendlichkeit, von den 619 ordentlichen Delegierten und 253 Gastdelegierten des Parteitages noch um ein paar Jahre gegenüber dem Mitgliederdurchschnitt unterboten. Ein knappes Drittel ist unter 30, der Jüngste 17. Niemand weiß, wie viele Aktivisten und Mitläufer der Protestbewegung von 1968 inzwischen zu den orthodoxen Kommunisten in der DKP gestoßen sind. Doch sie müssen einen tiefen Wandel durchgemacht haben. Diese Parteijugend ist streng diszipliniert, linientreu wie die FDJ, eingeschworen auf den Apparat. Sie produziert Aktivität, aber keinerlei Originalität. Wenn es zwischen ihr und dem Establishment der Älteren Meinungsunterschiede oder gar Friktionen gäbe wie in allen anderen Parteien der Bundesrepublik — sie hätten in Hamburg zumindest andeutungsweise hervortreten müssen. Keine Spur davon. Die DKP hat keine Jusos, keine Judos und noch nicht einmal eine sanft aufbegehrende Junge Union. Ist sie darob glücklich zu schätzen? Sie ist es sicher unter dem Blickwinkel ihrer Gönner und Förderer aus der Sowjetunion und der DDR, die Linientreue von 17 bis 70 zur Bedingung der ideologischen und materiellen Subvention gemacht haben.


Kurt Hager, Mitglied des Politbüros und Sekretär des ZK der SED, — er leitet diesmal die DDR-Delegation, nicht mehr, wie noch 1971, der Propagandist Albert Norden —■ kann sich deshalb vollkommen zu Hause fühlen. Er ist zu Gast beim westdeutschen Ableger seiner Partei. Sie folgt ihm, und sie fragt nicht nach dem Gleichgewicht, als er betont auf die gewachsene militärische Stärke der sozialistischen Staatengemeinschaft verweist. Der Parteitag wird dennoch den Rückzug der Bundesrepublik aus der Nato fordern und den Verteidigungsminister Georg Leber zu den Sozialdemokraten zählen, mit denen nicht zu reden ist, weil er den Wehretat verwaltet.


Über die Ostverträge, „ihre strikte Einhaltung und volle Anwendung" im Sinne der Interpretation der DDR ist man sich einig, natürlich auch mit der sowjetischen Delegation. Hager bekommt stürmischen Beifall, als er in leichter Abwandlung Herbert Wehner zitiert: „Es empfiehlt sich doch für niemand, mit neuen Verträgen alte Politik zu machen."


Auf einem kommunistischen Parteitag gibt es naturgemäß keine Debatten, schon gar keine Kontroversen, sondern nur „Diskussionsbeiträge". Einige sind dennoch interessant, fast alle weisen auf die innenpolitischen Zielund Schwerpunkte der künftigen Parteiarbeit hin: Es gilt, die Basis in den Gemeinden und Betrieben zu verbreitern und die Aktionseinheit mit Sozialdemokraten und selbst „christlichen Arbeitnehmern" überall herzustellen, wo dies möglich ist. Ein junger Genosse aus der niedersächsischen 3800-Seelen-Gemeinde Hardegseh am Rande des Solling belegt beispielhaft, was Kommunisten auf kommunaler Basis leisten können: Zum erstenmal seit über 20 Jahren hat seine DKP-Ortsgruppe die ganze Ortsjugend auf die Beine gebrächt, als es darum ging, gegen die. Errichtung eines exklusiven Reiterhotels an Stelle eines Jugenderholüngsheims auf dem Burggelände von Hardegsen zu demonstrieren. Der DKP-Kreisvorsitzende Manfred Dressel verweist auf den vielfältigen Nutzen der Beteiligung an Bürgerinitiativen: „Daß es sie gibt, ist ein Zeichen des schwindenden Vertrauens in die Parlamente." In Langwasser bei Nürnberg sei es ihm und seinen Leuten über eine Bürgerinitiative gelungen, den Bau eines Truppenübungsplatzes für die US-Armee zu verhindern, und zwar „unter offenem Auftreten als Kommunisten". Der CSU-Landrat habe geglaubt, die übrigen Bürger mit seinem demonstrativen Ausscheiden ebenfalls zum Abspringen bewegen zu können. „Aber sie blieben, weil sie wußten, daß wir angefangen hatten."

Legalität, Bekenntnis zur Partei und ihren Nahzielen ist überhaupt ein beherrschendes Motto. Der Nürnberger DKP-Stadtrat Stiefvater ergänzt seinen Genossen mit großstädtischer Erfahrung: „Wir haben uns intensiv um die in Nürnberg fehlenden 24 000 Kindergartenplätze gekümmert. Bald sprach die ganze Stadt von uns als der Kindergartenpartei. Das ist gut so."


■ Die DKP will dennoch keine Rathauspartei bleiben, obgleich sie bisher nur in Kommunalparlamenten vertreten ist. Sie wird sich an den Landtagswahlen des nächsten Jahres beteiligen, und sie wird auch außerparlamentarisch alles tun, um sich gebührend in Szene zu setzen. Ab sofort kann jeder der drei Millionen Gastarbeiter Mitglied werden. Neben der SDAJ wird es eine bundesweite Kinderorganisation geben. Kein wilder Streik mehr ohne DKP. Aktionseinheit mit sozialdemokratischen Arbeitnehmern innerhalb und außerhalb der Betriebe ungeachtet aller Abgrenzungsbeschlüsse der SPD. Die Umarmungsstrategie ist den Kommunisten ein und alles. Sie gilt freilich nur für den gemeinsamen Kampf gegen den „staatsmonopolistischen Kapitalismus"; auf ideologischem Gebiet gibt es keine Konzessionen. Da wird sogar Bundeskanzler Willy Brandt wie ein Kartenkönig in zwei Hälften geteilt: der „gute" Ostpolitiker auf der einen, der Büttel des Monopolkapitals auf der anderen Seite. DKP- Vorstandsmitglied Robert Steigerwald sagt der SPD, was die Kommunisten vom „demokratischen Sozialismus" halten: Ein „stinkender Kadaver ... alt gewordene Huren, als frische, neue Schönheiten auf den Strich geschickt".


So klar wie der Kurs der DKP ist das Abstimmungsergebnis des Hamburger Parteitages bei der Neuwahl ihres Vorsitzenden und des Vorstandes. Kurt Bachmann (64), neben Max Reimann einer der letzten der alten Garde — er hat für seine Überzeugung in Buchenwald gelitten und seine erste Frau in Auschwitz verloren —, räumte den ersten Platz für seinen in Moskau zum Volkswirt ausgebildeten bisherigen Stellvertreter Herbert Mies (ohne Gegenstimme). Mies war schon Funktionär der Nachkriegs-KPD. Neuer Stellvertreter ist der ehemalige FDJ-Funktionär Hermann Gautier. Beide gewährleisten strikten Kurs im Kielwasser der SED. Von den 78 Mitgliedern des neu gewählten Parteivorstandes erhielt keines weniger als 604 von 608 abgegebenen gültigen Stimmen."

Aus: "Die Zeit" 09.11.1973 von Hans Schueier


Es wird interessant sein, am Montag zu erkunden, wie die Berichterstattung der bürgerlichen Presse in diesem Jahr aussieht.


Dienstag, 21. September 2010

Erfurt, Winnenden, Lörrach u. a.

Immer, wenn ich morgens im Bus die Zeitung lese, fange ich bereits an, im Kopf zu bestimmten Themen, meinen Blogbeitrag zu formulieren. Meist ist das jedoch bis zum Abend weg, denn sonst könnten hier täglich Beiträge stehen, was ja nun, für jeden Leser sichtbar, nicht der Fall ist.

Auch heute früh hatte ich eigentlich meinen Beitrag zum Thema Amoklauf in Lörrach im Kopf, rauskommen wird garantiert etwas ganz anderes.

Mir schossen beim Lesen der ersten Einzelheiten Fragen über Fragen durch den Kopf.

Kommt es nur mir so vor, als würde sich der Amoklauf langsam zu einer Volkssportart entwickeln. Gab es vor 15/20 Jahren auch so viele Amokläufe wie während der letzten 10 Jahren in der BRD?
Also habe ich mal gegoogelt und das Handelsblatt hat die erschreckendsten Amokläufe weltweit zusammengestellt. Inwieweit diese Aufzählung vollständig sind, kann ich nicht sagen, trotzdem scheint mir die Zahl dieser Verbrechen rasant zu steigen.

Und wenn diese Zahlen seit der Jahrtausendwende in der BRD steigen, was ist in der Gesellschaft geschehen? Warum sind Menschen phsychisch derart unter Druck, daß sie für sich diesen Weg wählen?

Warum nimmt die Gewalt in der Gesellschaft immer mehr zu.
Wird überhaupt nach gesellschaftspolitischen Ursachen geforscht? Und noch ne blöde Frage, warum werden Amokläufer, so sie sich nicht selbst umbringen, immer erschossen?

Und zur Gewalt die nächsten Fragen. Es geht ja nicht nur um Amokläufe, wobei das Wort den Verbrechen ja nicht gerecht wird. Zumeist sind sie bis ins Kleinste geplant und damit weitab von dem, was das Wort Amok aussagt.
Es geht auch um Gewalt in den Familien, um Gewalt in den Schulen und und und. Wann kann man montags eine Zeitung aufschlagen, in der mal nicht von einer Familientragödie die Rede ist? Gibt es hier eine Ursachenforschung?

Und so könnte ich weiter Fragen über Fragen stellen, an deren Beantwortung anscheinend niemand interessiert ist. Letztlich bleibt die Frage, wann läuft der/die Nächste Amok?



Freitag, 13. August 2010

Ich weiß nicht,

wer mal sinngemäß sagte, die Grenze wäre der häßlichste, aber auch der notwendigste Bau in der DDR.



Der antifaschistische Schutzwall hier, die Mauer dort, half diese Grenze, 40 Jahre lang den Frieden in Europa zu sichern.

Montag, 19. Juli 2010

Zum Glück gabs das MfS

was würden die Oberen dieses Landes machen, wenn nicht andauernd irgendwelche Wissenschaftler, Historiker oder sonst irgendwie ominöse Gestalten feststellen könnten, das MfS sei schuld an allen Unwägbar- und Grausamkeiten des kapitalistischen Lebens auf dem Gebiet der ehemaligen DDR - es müßte glatt erfunden werden. Leider kann einem bei solchem Mist das Lachen mehr als vergehen.

Der Kommentar der Jungen Welt dazu:

Wider Erwarten handelte es sich nicht um einen verspäteten Aprilscherz. Marcel Tyrell ist es ernst. Der Professor der Zeppelin-Universität Friedrichshafen hat herausgefunden, warum die Leute im Osten weniger verdienen als ihre Kollegen im Westen und warum auch die Arbeitslosenrate Ost so viel höher ist. Man hätte selbst darauf kommen können: Die Stasi ist schuld. Und natürlich das Zwangstopfen.

Wie Tyrell und sein Mitarbeiter Marcus Jacob, ein gebürtiger Ostdeutscher, genau auf ihre Daten gekommen sind, haben sie dem Focus, der am Wochenende zuerst über ihre »Studie« berichtete, zwar nicht verraten. Nichtsdestotrotz sind die Ergebnisse völlig eindeutig: Das »von Stasi-Spitzeln gesäte Mißtrauen« bremst noch heute die Wirtschaft Ost aus. Die Spätfolgen sind für »bis zu sieben Prozent der Einkommensunterschiede zwischen Ost und West« und für »fast 26 Prozent der Unterschiede bei den Arbeitslosenzahlen« verantwortlich. Auch zählten die Ossiexperten vom Bodensee aktuell nur halb so viele Organspenden in Gebieten, in denen bis vor 20 Jahren die Stasi besonders aktiv war. Nach dem Motto: Meine Leber gebe ich nicht her, sie könnte ja einem Ex-IM zum Weitersaufen verhelfen. Gemessen wurde die Stasiaktivität an der Zahl der in einem Landkreis zu DDR-Zeiten registrierten Inoffiziellen Mitarbeiter.

Die Thüringer Landeszeitung fragte beim Prof nach, was sich mit den Daten zu Organspenden, zur geringen Mitarbeit in Vereinen und der schlechten Wahlbeteiligung beweisen lasse. Tyrell: »Unsere Ergebnisse zeigen eindeutig: Das Gift des Kraken Stasi wirkt noch heute in der Gesellschaft in Ostdeutschland weiter, wird weitergegeben von Generation zu Generation.« 20 Jahre Erfahrungen mit der Bundesrepublik sind da doch glatt zu vernachlässigen – Erfahrungen mit konkreter Benachteiligung, mit Ohnmacht gegenüber »Arbeitgebern« und ihren Lobbyisten in der Politik, mit Bevormundung und Enteignung.

(jf)


Sonntag, 4. Juli 2010

Bewährungsstrafe für einen Polizisten


In der Sylvesternacht 2008 wurde in Schönfließ (liegt bei Berlin) der kriminelle Dennis J. von Polizistenkugeln tödlich getroffen.

Gestern fiel nun gegen den Beamten das Urteil: Zwei Jahre auf Bewährung.

Wer sich nicht mehr an den Fall erinnern kann, hier die Chronologie:

Spiegel vom 01.01.2009
Spiegel vom 02.01.2009
Spiegel vom 07.01.2009
Spiegel vom 12.01.2009
Spiegel vom 13.01.2009
Tagesspiegel am 12.04.2010
Spiegel vom 03.07.2010

In meinem Geschichtsunterricht nannte man so etwas Klassenjustiz. Ich bin aber auch in einem "Unrechtsstaat" groß geworden und stehe vor den gerichtlichen Urteilen des Rechtsstaats BRD mitunter nur mit Entsetzen.

Nachbemerkung: Nein, Dennis J. war keine Stütze dieser Gesellschaft und für seine Straftaten hätte er, haftempfindlich oder nicht, hinter Gitter gehört, aber eben hinter Gitter, nicht auf den Friedhof.


Dienstag, 27. April 2010

Das war eine kurze Anekdote,


was sich die seit heute vereidigte neue Sozialministerin Aygül Özkan des Landes Niedersachsen da erlaubt hat.

Oh man, in diesem Land nun die Meinung vertreten, daß Kruzifixe UND Kopftücher in staatlichen Schulen nichts zu suchen haben, stimmt zwar mit der Auffassung des Bundesverfassungsgerichtes überein, ist aber, was de Kruzifixe betrifft, in der CDU nicht gesellschaftsfähig.
Naja, nu n ist diese Episode ja auch schon Geschichte und eine Politikerin hat gleich zu Beginn ihrer Karriere gezeigt, was ein Politiker überhaupt nicht gebrauchen kann - nämlich Rückgrat.

Dabei gehen ihre Forderungen nicht mal sehr weit. Ich würde mir eine strikte Trennung von Kirche und Staat wünschen, dazu gehört u.a. Aufkündigung des Reichskonkordats, keine staatliche Eintreibung der Kirchensteuer, kein Relegionsunterricht in Schulen, auch keine Gottesdienste zu irgendwelchen Ab- und Angängen, keine Militärpfarrer bei der Bundeswehr und und und.

All das habe ich als DDR-Bürgerin kennengelernt und bevor dumme Fragen kommen, der monatliche Parteibeitrag wurde nicht vom Lohn abgezogen, den hatte jeder bei seinem Parteisekretär oder Kassierer selbst zu entrichten, irgendwie ist das doch wohl auch völlig normal, oder?
Wofür mir jegliches Verständnis fehlte:
Als ich 1994 für ein Jahr arbeitslos war, mußte ich, wie alle die Arbeitslosengeld beziehen, neben allen anderen Abgaben auch eine Kirchersatzsteuer leisten.

Nun ja, Aygül Özkan ist zurückgerudert und kann sich ab jetzt als erste türkischstämmige Ministerin in der BRD feiern lassen.


Sonntag, 25. April 2010

Manchmal entsteht durch Zufall ein neuer Beitrag


denn eigentlich suche ich Bilder für ein neues Video. Das soll zum Kindertag entstehen, das Lied habe ich mir schon ausgesucht, nun bin ich eben auf der Suche nach passenden Bildern. Dabei fiel mir auch das Buch "Goodbye DDR" von Guido Knopp in die Hände. Man muß dieses Machwerk nicht lesen, aber ein paar nette Bilder sind drin, natürlich mit den entsprechenden Bildunterschriften, siehe links zum Staatsbesuch Helmut Schmidts im Dezember 1981 in Güstrow.

Bei nebenstehenden Fotos samt Bildunterschriften bekam ich allerdings einen Lachkrampf und erinnerte mich sofort an den Besuch von Bush in Mainz im Februar 2005 und den damaligen Ausnahmezustand, schlimmer kanns in Güstrow eigentlich nicht gewesen sein.

Nicht nur meine Kollegen und ich hatten an jenem 23. Februar 2005 einen freien Arbeitstag (schließlich hätten wir ja dem damaligen Staatsoberhaupt der USA etwas tun können), die Stadt Mainz war einfach totgesichert...und nur mal so zum Überlegen...nach Güstrow kam damals der Klassenfeind, nach Mainz doch der gute Freund der BRD G. W. Bush. Das H. Schmidt jetzt ein Freund der DDR war, wird sicher niemand behaupten wollen.

Bilder für mein geplantes Video habe ich leider nicht gefunden.

Mittwoch, 24. März 2010

Unsere Bücher sollten ein hohes Gut sein



Irgendwo hatte ich das schon gehört, daß Peter Sodann Bücher sammelt. Aber dann habe ich es in der Flut der Informationen trotz der Wichtigkeit wieder vergessen, ich gebe es zu. Nun habe ich einen kleinen Obolus überwiesen, klar doch. Sammel ich doch selbst viele der Bücher, die man zu DDR-Zeiten nicht kaufen brauchte, weil es Bibliotheken überall gab und das mit einem erstaunlichen Bücherbestand.


Donnerstag, 11. Februar 2010

Dem Knaben fehlt wohl neuer Stoff


also muß mal wieder etwas altes her. Alle paar Jahre wieder läßt sich der Fall Lutz Eigendorf dazu gut aufwärmen. Der eignet sich auch besonders deshalb schon von Hause aus, weil Eigendorf bis zu seiner Republikflucht 1979 beim BFC Dynamo gespielt hat und diesem Klub nachgesagt wird, daß es der Lieblingsklub von Erich Mielke war.

Was ist eigentlich bekannt über das Leben und den Tod von Lutz Eigendorf zwischen 1979 und 1983?

Eigendorf setzte sich nach einem Freundschaftsspiel des BFC gegen den 1. FC Kaiserslautern in Gießen ab und spielte nach einem Jahr Sperre von 1980 bis 1982 für den FCK. In der Saison 1982/83 wechselte er dann zur Eintracht Braunschweig. Besonders erfolgreich tat er das in beiden Klubs nicht, für Braunschweig spielte er z. B. nur 8 mal.
Anfang März 1983 hatte Eigendorf dann einen Unfall auf nasser Straße, an dessen Folgen er zwei Tage später, am 07. März 1983, verstarb. In seinem Blut wurde ein Blutalkoholspiegel von 2,2 Promille gemessen. Am Tage des Unfalls saß er übrigens wieder mal für Braunschweig nur auf der Reservebank.

An sich klingt das eigentlich recht unspektakulär, ein frustrierter Sportler, dem der Erfolg ausgegangen ist, wäre da nicht eine Republikflucht und ein Mielke, der diese als persönliche Niederlage aufgefaßt haben soll. Das ist gut möglich, aber wirklich wissen wir das??? Es sei denn, es findet sich ein solches belegender Schnipsel bei Frau Birthler.

Nun ja, seit 20 Jahren geistert die Mär vom MfS-Mord an Eigendorf immer wieder durch die Gazetten und da dem MfS ja schließlich alles zuzutrauen ist und Herr Knabe auf diesem Gebiet Experte ist, hat er jetzt mal eben die Neuaufnahme des Verfahrens beantragt. Es gäbe schließlich neue Erkenntnisse.

Neue Erkenntnisse? In der bild.de von heute kann man dazu lesen:

"Der wegen schweren Raubes angeklagte Karl-Heinz F. (65) sagte aus: „Ich soll den Mord an Lutz Eigendorf gemacht haben. Der war illegal abgehauen, spielte bei Mielkes Lieblingsklub (Dynamo Berlin – die Red.). Ich habe den Mordauftrag übernommen, aber nicht ausgeführt.“

Erstmals ist damit ein Mordauftrag bestätigt. Karl-Heinz F. hatte für die Stasi als „IM Klaus Schlosser“ gespitzelt. Die DDR ließ den Ex-Boxmeister 1980 zum Schein ausreisen, setzte ihn als einen von 50 Spitzeln auf den 1979 geflüchteten Eigendorf an.

Bereits vor zehn Jahren geriet F. in Verdacht. BILD fragte ihn damals: Sind Sie der Mörder von Eigendorf? Er bestritt. Von dem Mordauftrag sagte er nichts.

Tatsache ist: F. erhielt die damals hohe Stasi-Prämie von 2300 Mark wenige Tage, bevor Eigendorf am 5. März 1983 mit seinem Alfa Romeo in Braunschweig gegen einen Baum raste. Später fand man bei der Stasi Papiere, in denen von „Verblitzen“ (Blenden) die Rede war.

Karl-Heinz F. vor Gericht: „Ich bin kein Idiot. Ich bringe keinen um, den ich kenne.“ Wegen seines Überfalls auf einen Drogeriemarkt wurde er gestern zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt."


Allerdings, wenn Bild schreibt, es ist eine Tatsache...naja, Ihr wißt schon. Und dann ist er ja nicht der einzige, der sich des Mordes an Lutz Eigendorf verdächtig machte.
Kann sich noch jemand an den Fall im Herbst 2003 aus Rheinsberg erinnern?

Da wurde auch so ein MfS-Killer verhaftet, der gleich 27 Menschen ermordet haben sollte, darunter Uwe Barschel und auch der ehemalige Finanzminister der DDR, Siegfried Böhm.
Wochenlang beherrschte dieser Killer die Titelseiten aller möglichen bunten Zeitungen und Zeitschriften.

"Im Dezember (2003, Anm. J.B) mußte der Haftbefehl aufgehoben werden, von den Morden und den Aufträgen hierzu war nichts übriggeblieben. Die Strafverfolgungsbehörden der BRD waren einem Gauner aufgesessen" schreibt dazu die Junge Welt vom 15.01.2010.

Im Blätterwald dieser Republik ist das natürlich heute ein Aufhänger, auch wird wie z. B. im Tagesspiegel die Frage nach der Glaubwürdigkeit des Karl-Heinz F. gestellt, mehr aber leider nicht.

Wie kommt jemand, der angeblich vor zehn Jahren eine diesbezügliche Frage verneint hat, jetzt dazu, ohne Not zu gestehen, daß er einen Mordauftrag hatte, den aber nicht ausführte? Sollte es ihm jetzt bei seiner Verurteilung etwa helfen? Eine niedrigere Strafe? Was soll das Ganze?
Das ergibt keinen Sinn, dafür gibts aber Wasser auf die Mühlen eines Herrn Knabe und auch die Zeitungen und Zeitschriften haben wieder etwas ganz ganz Schlimmes über das MfS zu berichten.

Obwohl ich damals schon sportinteressiert war, löst der Name Eigendorf bei mir nur eine Erinnerung aus, die mit ihm selbst nicht mal etwas zu tun hat.
Seine damalige Frau ging Jahre vorher mit mir in eine Schule, war 4 oder 5 Jahre älter und für meine Freundin Katrin und mich einfach nur doof. Also wetzten wir in der Hofpause immer mal unsere losen Schnäbel an ihr und irgendwann riß ihr anscheinend der Geduldsfaden. Katrin hatte schnellere Beine als ich und so fing ich die Ohrfeige für uns beide ein.

Sonntag, 24. Januar 2010

Wenn die Millionen fließen


Am 18. Dezember 2009 wurde das "Wachstum-Beschleunigungsgesetz" verabschiedet, es bringt Familien etwas mehr Kindergeld und u.a. den Hoteliers eine Umsatzsteuerersparnis von 12 %.

Als erstes wundere ich mich ja immer mehr über die etwas kuriosen Namen von Gesetzen, aber okay, darum gehts mir heute nicht.

Wohl aber darum, daß die Kindergelderhöhung wieder eine Mogelpackung ist. Das spüren vor allem die Familien, die eine solche Erhöhung am nötigsten haben, aber davon nicht profitieren. Die Erklärung dazu findet in einem Beitrag dieses Blogs vom 02. März 2009. Gewinner sind die, die einen erhöhten Kinderfreibetrag von nun 7.008,- EUR pro Kind in Rechnung stellen können.

Das allein ist schon schlimm, aber die Herabsetzung des Umsatzsteuersatzes für Übernachtungen in Hotels von 19% auf 7 % kommt nun nur einer kleinen Clique in diesem Staat zugute.
Da ich in diesem Jahr bereits auf einer Dienstreise war, mußte ich leider feststellen, daß sich die Übernachtungskosten nicht geändert haben, jedenfalls nicht da, wo ich war.
Dafür haben sich aber die Kosten für meinen Arbeitgeber erhöht, schließlich kann er von dem Gesamtbetrag der Übernachtung nur noch 7 % an Steuern geltend machen. Und das geht nicht nur meinem (öffentlichen) Arbeitgeber so.
Gleichzeitig nimmt selbstverständlich der Staat pro Übernachtung 12% weniger Steuern ein. Das heißt auch weniger Geld für die öffentliche Hand, für Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser usw. usf.

Ein Zusammenhang mit den im Jahre 2009 geflossenen Spenden des Hotelmiteigentümers Finck über die Substantia AG an die FDP in Höhe von 1,1 Mill. EUR und an die CSU in Höhe von ca. 820.000 EUR im Jahr 2008 ist natürlich völlig an den Haaren herbeigezogen, zumal die Spenden nach dem Parteiengesetz rechtlich einwandfrei sind. Ein Schelm ist nun wirklich der, der dabei Böses denkt...hehe, wir haben bürgerliche Demokratie und wer macht dort Gesetze? Siehe unten.


Sonntag, 6. Dezember 2009

Gedanken auf der Autobahn

Immer wieder auf dem Weg von Mainz nach Berlin habe ich bei Eisenach auf der Autobahn ein warmes Gefühl im Bauch. Guten Tag Heimat, heißt es da unhörbar für andere. Obwohl nie in Thüringen gelebt, fängt dort das an, was meine Heimat ist. Und immer wieder ärgere ich mich auch über den Sehenswürdigkeitenhinweis an der Strecke "Ehemalige innerdeutsche Grenze 1945 - 1989", der dort herumsteht.
Innerdeutsch? NEIN!!!

Es war eine Staatsgrenze, eine Staatsgrenze zwischen zwei souveränen deutschen Staaten, die beide Mitglied der UNO waren, die zur gleichen Zeit in diesen Staatenbund aufgenommen wurden, die aber außer zwei Jahreszahlen, eben die der Aufnahme in die UNO 1973 und der jeweiligen Gründung im Jahr 1949 nichts, aber auch gar nichts gemein hatten.

Und es war die Grenze, die geholfen hat, daß es 45 Jahre in Europa keinen Krieg gegeben hat. Auch das darf niemals vergessen werden. Wer immer diese Grenze zu einer innerdeutschen Grenze herunterdiskutiert, klittert europäische und deutsche Geschichte nach dem 2. Weltkrieg.

Es waren nicht nur zwei völlig unterschiedliche Staaten mit zwei völlig unterschiedlichen Gesellschaftsordnungen, mit zwei völlig unterschiedlichen Heransgehensweisen in der Politik, in der Ökonomie, sondern auch Mitglieder zweier sich konträr gegenüberstehenden Militärblöcke.

Während der eine zwar Freiheit verkündet und trotzdem eine Diktatur des Kapitals war und ist, hatte sich der andere zur Diktatur des Proletariats bekannt und in seiner Gesellschaft auch gelebt. Konnten in dem einen deutschen Staat Naziverbrecher, Kriegsgewinnler und anderes Gesindel gut untertauchen, baute sich mein Staat mit Hilfe von Widerständigen, KZ-Häftlingen und aus Hitlerdeutschland Emigrierten auf. Entschiedener Antifaschismus und die Liebe zum Frieden waren seine Geburtsgründe, waren Staatsdokton während seiner 40 Jahre Leben. Schwer war der Anfang, doch ich durfte schon die Früchte ernten. Wohl auch zuviel Früchte, soviel hatte diese kleinere deutsche Staat sich noch nicht erarbeitet.

Ich lebe seit dem 03.10.1990 zwar in der Bundesrepublik Deutschland, nur wie meine Gedanken auf der Autobahn beweisen, Heimat ist er mir nicht geworden und wird er mir nicht werden.

Aus den Leserbriefen im RotFuchs Nr. 143, Dezember 2009, möchte ich einen Satz zitieren, dem von meiner Seite aus nichts hinzuzufügen ist:

"Danke DDR, daß es Dich 40 Jahre gab! Ich bin stolz darauf, zu Deiner Zeit im Sinne des Humanismus und des Friedens gelebt und gewirkt haben zu dürfen."


Freitag, 13. November 2009

Ein Ärztehaus in Mainz


Heute fand ich in der AZ einen Artiekl über ein Ärztehaus. Anfang 2010 entsteht im Taubertsberg-Bürokomplex ein solches Haus und wenn bis 2011 alle Praxen eingezogen sind, sollen ca. 100.000 Patienten pro Jahr behandelt werden.

Tja, irgendwie ist mir das gar nicht neu, bin ich doch mit Begriffen wie Poliklinik und Landamulatorium aufgewachsen. Ich frage mich eher, warum erst jetzt.
Und wird dieses Ärztehaus z. B. auch nur eine Anmeldung für alle Praxen haben, nur eine Krankenakte pro Patient, in der dann die notwendigen Untersuchungen, Medikationen usw. vom entsprechenden Arzt eingetragen werden.
Dazu fand ich leider in dem Artikel nichts und so richtig glauben kann ich an eine solch effiziente Patientenversorgung nicht richtig.

Schade, vielleicht sollte man auf diesem Gebiet der Organisation doch etwas von der DDR lernen.

Natürlich heißen diese Häuser auch im Osten nicht mehr unbedingt Landambulatorium oder Poliklinik, in Leegebruch, nur als Beispiel, wurde das dortige Landambulatorium (1950 -1990) in ein Ärztehaus umgewandelt.

Bildnachweis: Zeiss-Poliklinik, 1964 fertiggestellt (www.jena.de)


Montag, 9. November 2009

Zu Feiern gibt es wohl nichts


Es gibt Dinge, Sachverhalte, die kann ich einfach nicht beser ausdrücken:

20 Jahre "Mauerfall" - 20 Jahre Turbo-Kapitalismus

Die Propaganda-Maschinerie läuft auf vollen Touren: Wer damals noch nicht gelebt hat, muss glauben, die absolut friedliche - wenn auch etwas ungeordnete - Öffnung der Grenzübergänge am 9. November 1989 sei eine Art "Sturm auf die Bastille" gewesen. Die bewaffnete Staatsmacht hätte vor den Volksmassen nur noch kapitulieren können. Nichts davon ist wahr: Die Menschen - gleich ob Uniformträger, SED-Mitglieder oder DDR-Kritiker - schwebten im arglosen, seligen Glauben, dass der Kalte Krieg beendet sei und eine friedliche, gerechte Welt sich abzeichne. Gewalt gab es von keiner Seite.

Schon bald nach der "Wiedervereinigung" ein Jahr später wurde erkennbar, was man sich wirklich eingehandelt hatte: Unter der Devise "Die Wende muss unumkehrbar gemacht werden" wurde eine im Weltmaßstab leistungsfähige Industrie weitestgehend zerschlagen und wurden massenhaft Arbeitsplätze vernichtet. Neuerliche Montagsdemonstrationen in Leipzig gegen diese Politik fanden keinerlei Resonanz mehr in den Medien. Vielen Menschen wurde klar, wo man mit "Demokratie und Sozialer Marktwirtschaft" wirklich gelandet war: In einem Kapitalismus, der sich nun keinem Wettkampf der Systeme mehr zu stellen brauchte. Dieser Kapitalismus hat sich inzwischen zum "Turbo-Kapitalismus" weiterentwickelt.

20 Jahre später ist nicht nur eine gigantische Börsen-Spekulationsblase geplatzt; das System des modernen Kapitalismus befindet sich in einer tiefen Systemkrise. Entgegen allen Beschwichtigungsreden ist weder deren Ende erreicht, noch wissen die Kapitalismus-Befürworter, wie es wirklich weiter gehen kann. Erneutes Wachstum soll die Lösung bringen. Abgesehen davon, dass dieses nicht in Sicht ist, - die reichen Länder der Welt brauchen kein Wachstum, sie brauchen nur eine etwas gerechtere Verteilung des Überflusses. Ein - möglichst umweltschonendes - Wachstum kann nur den wirklich armen Regionen der Welt gewünscht werden.

"Demokratie" ist bekanntlich kein beliebig definierbarer Begriff; er bedeutet "Herrschaft des Volkes". Wie die Herrschaftsverhältnisse im realen System von "Demokratie und Sozialer Marktwirtschaft" wirklich verteilt sind, wird gerade aktuell wieder demonstriert: Über das Schicksal von Tausenden von Arbeitsplätzen und die Existenz ganzer Industrie-Regionen entscheidet weder das Volk noch eine gewählte Regierung. Über das Schicksal entscheiden die Manager internationaler Großkonzerne, und zwar ausschließlich unter Aspekten der Profit-Maximierung. Besser - nein schlechter - konnte zum 20 Jahrestag der wahre Charakter von "Wende" und "Mauerfall" kaum demonstriert werden.


Wolfgang Bergmann am 05.11.2009 auf Initiativgruppe Kundschafter des Friedens.



Dienstag, 27. Oktober 2009

Kam ein kleiner Teddybär


Sehr viel ist zu dieser Zuschrift im ND wohl nicht zu sagen. Was will man auch von einer Gesellschaft erwarten, in der Profit das allein Heiligmachende ist, in der kein Platz ist für Wärme, für echte Wärme, in der außer Ellenbogen nichts zählt, die ihre jungen Männer wieder in einen Krieg schickt.

Viele der Menschen, die mit dem Bummilied großgeworden sind, werden nicht vergessen, daß sie in einem Staat gelebt haben, der vor allem ein Friedensstaat war und in dem Kinder als das höchste Gut angesehen wurden.




Donnerstag, 8. Oktober 2009

Noch einmal Lehrer

Daß in meinem Blog kontrovers diskutiert wird, kommt ja so häufig nicht vor. Der Beruf bzw. die Berufung des Lehrers scheint sehr wohlzu unterschiedlichen Meinungen zu führen.
Hier also mal meine unmaßgebliche Meinung.

Mein Traumberuf war der einer Lehrerin, während der Berufsausbildung zum Maschinenbauer mit Abitur unterzog ich mich der damals notwendigen Untersuchung der Stimme, kurz Stimmtest genannt. Ich fiel damals aus alles Wolken, daß ich aufgrund einer ungeeigneten Stimmleistung diesen meinen Beruf nicht erlernen durfte, also eine Studienzulassung nicht bekommen hätte.

Bereits 1990 war ich froh, nicht Lehrerin geworden zu sein. Mein Fächerwunschkombination war Geschichte/Deutsch und naja, ich wäre wohl ziemlich schnell arbeitslos geworden.

Ich finde aber, man kann den Beruf des Lehrers in der DDR nicht mit dem des Lehrers in der BRD vergleichen. In der DDR hatte man keine Klassen mit Schülern, die die deutsche Sprache von Grund auf nicht beherrschen, weil ihre Muttersprache eben eine andere ist. Es gab keine Klassen mit einem 50-prozentigen Anteil von Schülern, die eben nicht oder nur schlecht deutsch sprechen. Von daher sind die heutigen Lehrer vor völlig andere Herausforderungen gestellt, als es z. B. meine Lehrer und damit ja meine Vorbilder waren.
Auch das sollte man bei der Bewertung der Lehrer nicht vergessen, nicht unter den Tisch fallen lassen.

Wie bereits im Beitrag vom 12. Juni 2009 bin ich der Meinung, daß Lehrer auch viel von der Gesellschaft allein gelassen werden und sie eben auch gern mal zu den Buhmännern und -frauen der Nation werden.

Ich jedenfalls habe eine Hochachtung vor jedem Lehrer, der sih mit Freude und mit Engagement jeden Tag vor überfüllte Klassen stellt und seiner Aufgabe, den Kindern Wissen zu vermitteln, nachkommt.

Das jedoch ändert nichts daran, daß ich das System, wie Bildung in diesem Staat organisiert und in Gesetze gepreßt ist, unmöglich finde und der Meinung bin, daß es in diesem gesetzten Rahmen der dreiklassigen Schule im besten Falle zu einer Stagnation, aber keinesfalls zu einer Verbesserung kommen kann.



Montag, 5. Oktober 2009

Internationaler Tag des Lehrers


Im Juni habe ich an den Tag des Lehrers in der DDR erinnert und dabei erfahren, daß es seit 1994 auch in der BRD den von der UNO empfohlenenen Internationalen Tag des Lehrers eben an diesem 5. Oktober gibt.

Aufgrund meines Beitrages vom 12. Juni wurde mein Blog heute vielmals gefunden über das Stichwort "Tag des Lehrers". Ich würde gern mehr erfahren, wie wird der Tag heute aufgenommen, kennen den Tag Kinder und Eltern, gibt es eine Art Dankeschön an die Lehrer oder war passiert an einem solchen Tag heute.

Ich hoffe jedoch, daß es sehr sehr viele Lehrer gibt, die mit Freude und Engagement jeden Tag das kleine Wunder vollbringen, unseren Kindern den Zusammenhang der Erde beizubringen.


Sonntag, 27. September 2009

Brief an Michael Hartmann, Direktkandidat der SPD im Wahlkreis Mainz-Bingen



Sehr geehrter Herr Hartmann,

einen Wunsch konnte ich Ihnen erfüllen, ich war wählen.
Ihnen konnte ich weder die Erststimme noch Ihrer Partei die Zweitstimme geben. Ich will auch versuchen, es zu begründen.

Auf Ihrem oben von mir abgebildeten Wahlaufruf vom 25.09.2009 in der Mainzer Allgemeinen haben Sie als Wahlgrund u.a. den flächendeckenden Mindestlohn, für den Sie stehen, angegeben.
Nun gab es im Deutschen Bundestag am 14. Juni 2007 schon einmal eine Abstimmung zum flächendeckenden Mindestlohn. Der Ausschuß für Arbeit und Soziales empfahl, den Antrag der Linken für einen Mindestlohn abzulehnen. Sowohl Sie persönlich als auch die überwiegende Mehrheit Ihrer Fraktionsmitglieder stimmten mit JA. Hätte für Sie vor zwei Jahren der Mensch wirklich gezählt und hätten Sie ein ähnlich gutes soziales Gewissen wie Ihre Genossen Gunkel, Müller, Schreiner und Volkmer gehabt, wäre der Mindestlohn bereits eingeführt. Sie müssen entschuldigen, daß ich diesem Punkt Ihrer vollmundigen Wahlkampfankündigungen keinen Glauben schenke.

Keine Aussage treffen Sie zu dem mir persönlich wichtigsten Wahlgrund. Keine Aussage zu dem Einsatz der Bundeswehr in Afghanisan. Mehr gedrängt als freiwillig hat sich Ihr Spitzenkandidat zu einem Abzugsplan geäußert. Dieses Thema fehlt mir völlig in Ihren Wahlaussagen. Wieder ein wichtiger Grund, meine Kreuzchen nicht bei Ihrem Namen zu tätigen.

Der dritte und ebenfalls wichtige Punkt meiner Wahlentscheidung sind die Koalitionsaussagen Ihrer Partei bzw. die Ausschlußaussagen. Sie schließen eine Koalition mit der Partei aus, die als Einzige Ihre Wahlkampfversprechen unterstützen würde. Gleichzeitig schätze ich Sie für so klug ein zu wissen, daß sich in jeder anderen Regierungszusammensetzung durch ihre Partei nicht ein einziges der obigen Kreuzchen durchsetzen läßt.

Mit freundlichen Grüßen,
ein dummes Wahlvolkmitglied

Bildnachweis: Scan aus der AZ vom 25.09.2009