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Montag, 27. Juni 2011

Nachtrag


Nie hätte ich gedacht, daß mein doch recht persönlicher und von den einzelnen Veranstaltungen her nicht sehr umfangreicher Beitrag zum Pressefest in Dortmund soviel Reaktionen hervorruft. Aber natürlich freue ich mich darüber sehr.

Was kann ich auf die einzelnen Zuschriften antworten?
Norbert, ich selbst bin nicht Mitglied der DKP, gebe zu, die dortigen Strukturen und auch die Kämpfe der einzelnen Richtungen wenig zu kennen. Da ich mich größtenteils im Zelt der DKP Ost bzw. bei den RotFüchsen aufgehalten habe, sind mir die von Dir angesprochenen Personen nicht über den Weg gelaufen, damit meine ich nicht Steiniger, Keßler, Ganzauge, Czichon usw., denn die habe ich ganz bewußt gesucht.

Thomas, auf dem Pressefest selbst habe ich wenig von der hessischen Bezirksorganisation (nennt man das so) mitbekommen, aber in meinem Hotel haben auch Genossen aus Hessen gewohnt. Einem Ehepaar bin ich sehr dankbar, denn die haben mich mit ihrem Auto am Samstag mit auf das Gelände genommen, so daß mein kleiner Silberflitzer in der Garage stehenbleiben konnte. Ich weiß leider nicht, wie sie heißen, sonst könntest Du einen Gruß ausrichten.

Andreas, ja die Singgruppe Albatros hat mich beeindruckt, es ist irgendwie nicht alltäglich, daß sich eine Ruhrpottgruppe mit den Lieder der FDJ beschäftigt. Übrigens habe ich in meinem gestrigen Bericht ein wichtiges Lied vergessen, das Solidaritätslied. Nicht nur das Lied hat mir gefallen, sondern auch die dazugehörige Ansage.
Es war ein wunderschönes Gefühl, als sich beim Anstimmen der Nationalhymne der DDR alle Zeltinsassen erhoben haben...ja einfach nur schön.

PS: Leider hat die Telekom mal wieder mein Internet geklaut, ich bin mit einem Stick drin, der mich allerdings mehr trennt als surfen läßt. Es kann also sein, daß ich nicht sehr schnell reagieren kann und auf den heute geplanten Artikel habe ich auch nicht mehr wirklich Lust.


Montag, 7. Februar 2011

7. Februar 1933


Gerade 8 Tage war es her, daß Hindenburg Adolf Hitler am 30. Januar zum Reichskanzler machte. Mit Errichtung der offenen faschistischen Diktatur in Deutschland mußte die KPD zur neuen Lage Stellung nehmen und die notwendigen Schlußfolgerungen für den weiteren Kampf der Partei ziehen.

Heute vor 78 Jahren fand deshalb im Sporthaus Ziegenhals bei Zeuthen eine illegale Tagung des Zentralkomitees mit etwa 40 Teilnehmern, darunter Ernst Thälmann, Walter Ulbricht, Matthias Thesen, Ernst Schneller, Hans Beimler, John Schehr und Wilhelm Pieck, statt. Zu verschiedenen Treffpunkten in Berlin bestellt, erhielten sie dort die Adresse der neuen Anlaufstelle bei der Treptower Sternwarte. Von dort ging es, getarnt als Angehörige eines Sportvereins zum Tagungsort weiter.

Während der Tagung sicherten drei Gruppen von zuverlässigen Parteimitgliedern die Umgebung des Lokals ab.

Kurz vor 20.00 Uhr signalisierten die Sicherungsgruppen dem Leiter der Veranstaltung, Walter Ulbricht, daß das Lokal unter Beobachtung stand. Deshalb wurde die Tagung geschlossen, ohne daß Ernst Thälmann seine Rede beenden konnte.
Ein Teil der Teilnehmer wurde mit den bereitstehenden Reisebussen nach Berlin gefahren, der andere mit einem Kahn über den See (Großer Zug) kommen und sich von dort nach Berlin durchschlagen.

Alle Teilnehmer erreichten ihr Ziel und als die SA gegen 22.00 Uhr erschien, war das Tagungslokal bereits leer.

Die Tagung war die letzte, auf der Ernst Thälmann zu seinen Genossen sprechen konnte, am 03.03.1033 fiel er der Polizei in die Hände und saß von da an bis zu seiner Ermordung am 18.08.1944 im KZ Buchenwald in unterschiedlichen faschistischen Gefängnissen und Zuchthäusern. Er wird des Hochverrats angeklagt, zu einem Prozeß kommt es nicht.

Auf der Tagung des ZK in Ziegenhals warnte Thälmann vor legalen Illusionen und stellte klar, daß diese Regierung nur durch den revolutionären Sturz abgelöst werden könnte. Dabei betonte er, der Sturz der Hitlerregierung und der Sieg der proletarischen Revolution seien nicht unbedingt ein und dasselbe.
Die zunächst wichtigste Maßnahme sei es, den Massenkampf und die Einheitsfront der Arbeiter zu organisieren. Thälmann schlug vor, ein Kampfprogramm auszuarbeiten. Darin sollte die Verbindung der Verteidigung der wirtschaftlichen Interessen der Werktätigen mit dem politischen Kampf gegen die Hitlerdiktatur zum Ausdruck kommen: "Wir müssen erreichen, daß die Kette der Massenaktionen und Massenkämpfe gegen die faschistische Diktatur in Deutschland nicht mehr abreißt ..."

Thälmann
stellte die Aufgabe, diese Teilkämpfe über Demonstrationen und Streiks zum politischen Massenstreik für den Sturz der Hitlerregierung weiterzuentwickeln und die sozialdemokratischen Arbeiter zur Teilnahme an gemeinsamen Aktionen, zur Schaffung eines Selbstschutzes in den Arbeitervierteln und für die Einheitsfront zu gewinnen.

Ebenfalls an diesem Tag fand eine Massenversammlung mit ca. 200.000 Menschen im Berliner Lustgarten statt. Sie wurde von der Eisernen Front, der Kampforganisation der SPD organisiert. Otto Wels, damaliger Parteivorsitzender der SPD sagte: "Ein Stacheldraht Verboten, Strafandrohungen umgibt von uns, wohin wir blicken. Die verfassungsmäßig gewährleisteten Rechte, die Freiheit des Wortes und der Schrift sind in einer nie dagewesenen Weise eingeengt. Wir erinnern an das alte Wort: 'Gestrenge Herren regieren nicht lange!'"

Heute wissen wir, 12 Jahre können sehr sehr lang sein und sie können Millionen Opfer fordern.

Von den o.g. Teilnehmern der illegalen ZK-Tagung in Ziegenhals haben nur Wilhelm Pieck und Walter Ulbricht den Hitlerfaschismus überlebt. John Schehr wurde am 01. Februar 1934 "auf der Flucht" erschossen, Hans Beimler starb am 01. Dezember 1936 vor Madrid auf Barrikaden (wie Ernst Busch sang) bei der Verteidigung der Spanischen Republik, Matthias Thesen und Ernst Schneller wurden am 11. Oktober 1944 im KZ Sachsenhausen gemeinsam mit 22 weiteren Funktionären der illegalen Organisation der KPD des Lagers erschossen.

Quellen: "Geschichte der Deutschen Arbeiterbewegung", Bd. 5., S. 20 - 22, Dietz Verlag Berlin 1966,
"Deutsche Widerstandskämpfer 1933 - 1945", Bd. 2, S. 190, Dietz Verlag Berlin 1970



Freitag, 28. Januar 2011

Der 27. Januar


ist seit 1996! (man sollte wohl sagen erst) in der BRD ein nationaler Gedenktag. Es ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, so lautet offiziell sein Name.

Daß ich einen Tag zu spät mit meinem Blogbeitrag zu diesem Thema bin, hat mit der gestrigen Veranstaltung zu tun, die ich besucht haben. Der VVN-BdA Mainz hatte eingeladen, um an den jüdischen Mainzer Alfred Epstein zu erinnern.

Alfred Epstein wurde 1903 in Mainz geboren und verstarb nach einem interessanten und ereignisreichen Leben 1991 ebenfalls in Mainz.

Er war Jude, er war politisch aktiv und mußte 1933 nach Hitlers Machtantritt aus Deutschland fliehen. Einige Stationen seines Lebens wurden für die Ausstellung "Trotz alledem", die im vergangenen Jahr in Mainz im Haus der Jugend zu sehen war, zusammengetragen. So war Alfred bis zu seiner Flucht u.a. Mitglied des sozialdemokratischen Reichsbanner.

Die gestrige Veranstaltung stellte seine nie publizierten Memoiren in den Mittelpunkt. Zwei Schauspielstudentinnen lasen daraus vor, während von zwei anderen Mitwirkenden mit einzelnen Stationen von Epsteins Leben bekanntmachten.

Alles in allem war es ein sehr interessanter Abend, der jedoch verhinderte, daß ich bereits gestern etwas zu diesem Thema schreiben konnte.

Ich möchte auch auf den kurzen Lebenslauf von Erwin Epstein hinweisen. Der jüngere Bruder Alfreds floh ebenfalls 1933 nach Paris und ging 1936 nach Spanien zu den Internationalen Brigaden. Er kämpfte im "Thälmannbatallion" und war damit einer von 10 Mainzern, die während des Bürgerkrieges die Truppen der Volksfrontregierung gegen die spanischen, deutschen und italienischen Faschisten unterstütze. Erwin Estein fiel 1938 26-jährig.

Bildnachweis: Linoldruck aus der Werkstatt uah! von Thilo Weckmüller

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Der 22. Dezember


Jedes Jahr ist es der Tag, an dem mein Alter um eine Zahl steigt.

Und jedes Jahr ist es auch der Tag, an dem ich bestimmter Personen gedenke. Vielleicht weil dieser Tag für mich eine persönliche Bedeutung hat, haben sich mir die Sterbedaten dieser Personen eingeprägt.

Zuerst ist das Nikolai Ostrowski, gestorben am 22. Dezember 1936 in Moskau, sein Roman "Wie der Stahl gehärtet wurde" begleitet mich nun sicher 36 Jahre lang. In jedes Poesiealbum habe ich damals das Zitat geschrieben, mit dem sich Pawel Kortschagin am Grab von Grischa verabschiedet. Sowohl in der 10. Klasse als auch im Abitur habe ich über diesen Roman meinen Deutschaufsatz geschrieben.

Ebenfalls an einem 22. Dezember, nämlich 1942, sind viele Mitglieder der "Roten Kapelle" auf dem Schafott von Plötzensee hingerichtet worden, Mildred und Arvid Harnack, Libertas und Harro Schultze-Boysen, Hans Coppi, denen ein Denkmal u.a. in dem Film "KLK an PTX - Die Rote Kapelle" gesetzt wurde.

Und so vergeht auch der 22. Dezember 2010 nicht, ohne daß ich diesen, mir persönlich unbekannten Menschen für das, was sie, jeder an seinem Platz, taten, dankbar bin, aus tiefsten Herzen dankbar!

Bildnachweis: Mildred und Arvid Harnack in "Deutsche Widerstandskämpfer 1933 - 1945" von Luise Kraushaar, Dietz Verlag Berlin 1970




Montag, 13. Dezember 2010

Die 17., diesmal in Südafrika


Heute eröffnet der Präsident Südafrika die XVII. Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Pretoria (Tshwane). Bis zum 21. Dezember werden sich ca. 20.000 süfafrikanische und ca. 10.000 ausländische Jugendliche ein Stelldichein geben, ein Stelldichein gegen Krieg, Imperialismus, Rassismus, Faschismus.

Veranstaltet werden die Weltfestspiele vom WBDJ, dem Weltbund der Demokratischen Jugend.

Der WBDJ hat sich am 10. November 1945 als Lehre aus dem verheerenden II. Weltkrieg auf der Weltjugendkonferenz in London gegründet. Er vereinigt heute ca. 150 (da gehen die Quellen etwas auseinander) Jugendorganisationen mit ca. 30 Mill. Mitgliedern. Grundlage ist der Kampf für Frieden, Abrüstung, Demokratie, nationale Unabhängigkeit und Fortschritt. Sein höchstes Organ ist die Generalversammlung (bis 1957 Weltkongreß), die alle drei Jahre zusammentritt. Gegenwärtiger Vorsitzender des WBDJ ist Tiago Vieira aus Portugal.

Die I. Weltfestspiele fanden im Sommer 1947 in Prag statt. Es folgten 1949 Budapest, 1951 Berlin - Hauptstadt der DDR, 1953 Bukarest, 1955 Warschau, 1957 Moskau, 1959 Wien. Die weiteren Stationen der Weltfestspiele waren 1962 Helsinke, 1968 Sofia, 1973 erneut Berlin, 1978 fanden sie in Havanna statt, 1985 war die Vertreter der demokratischen Jugend wiederum in Moskau, 1989 in Pjöngjang.

Nach dem Zerfall der sozialistischen Weltsystems Anfang der neunziger Jahre sah es nicht gut aus für die Spiele, erst auf Initiative Fidel Castros fanden nach 8 Jahren erneut statt. Gastgeber war wie bereits 1978 Havanna. Algier folgte 2001, 2005 Caracas und nun 2010 Pretoria (Tshwane). Das diesjährige Festival ist Nelson Mandela und Fidel Castro gewidmet.

Ursprünglich war das 17. Festival in Minsk geplant und sollte bereits im vorigen Jahr stattfinden. Aus finanziellen Gründen hat der kommunistische Jugendverband von Belarus die Spiele absagen müssen.

Zu diesem Zwecke hat vor ca. 2 Jahren der philosophische Schiffskater ein Video gebastelt, die Hymne der demokratischen Jugend der Welt mit wunderschönen Bildern aus Belarus:



Ich hoffe aber, in den nächsten 9 Tagen hier auch wunderschöne Bilder aus Pretoria zeigen zu können.

Donnerstag, 2. September 2010

Jedes Jahr in Stukenbrock


gibt es um den Weltfriedenstag, den 1. September, in Stutenbrock eine Gedenkveranstaltung.

Was war, was ist Stukenbrock, wofür steht es?

Wenn es interessiert, der findet beim Arbeitskreis Stukenbrock die passende Aufklärung.

Dieses Jahr findet die Veranstaltung am Samstag, den 4. September statt. Seit Jahren nimmt meine Freundin Anne daran teil. Von ihr stammt auch folgende Mitteilung, für die sie um Verbreitung bat:

"In der Nacht zum Dienstag wurde von Neonazis das Denkmal auf dem russischen (sowjetischen) Soldatenfriedhof in Stuckenbrock geschändet. Der Obelisk, den die überlebenden sowjetischen Kriegsgefangenen als Mahnmal dort errichteten, wurde mit Ölfarbe beschmiert.
Dann wurde der Spruch angebracht: Ruhm und Ehre der Waffen-SS!
Auf einem Stein der Massengräber wurde ein Hakenkreuz geschmiert. Das Mahnmal ist aus Sandsteinund deshalb ist es vermutlich nicht bis Samstag zu entfernen.
Es kommen Veteranen zu Besuch der Veranstaltung! Es ist eine wahre Schande!"

Und wir wollen uns nichts vormachen, es paßt alles ins Bild.



Mittwoch, 7. Juli 2010

Zwei Frauen - Olga und Ruth


Ruth Ursula Beurton - der Name kein Begriff? Ruth Ursula Kuczynski? Vielleicht helfen die Namen "Sonja" oder Ruth Werner weiter.

Heute vor 10 Jahren ist Ruth Werner im Alter von 93 Jahren versorben - Kommunistin, Kundschafterin, Antifaschistin.

Als sie 1950 in die DDR kam, hatte sie bereits in China, in der Mandschurei, in Polen, in der Schweiz und in England für die sowjetischen Nachrichtendienst als Kundschafterin gearbeitet, war Oberst und ihr wurde vom Michail Kalinin ihr erster Rotbannerorden verliehen. Erfolgreich hat sie mit Richard Sorge, mit Sandor Rado, mit ihrem Mann Len Beurton (Spanienkämpfer) und mit Jim Foote (wechselte später die Seiten) zusammengearbeitet. Nie wurde ihr Sender entdeckt, nie ihr Code entschlüsselt.

1950 dann der Neuanfang. Zuerst arbeitete sie im Amt für Information (kurioserweise hat die langjährige Kundschafterin einen Panzerschrank damals nicht verschlossen und erhielt eine Parteistrafe wegen ungenügender Wachsamkeit), dann nach nahegelegter Kündigung bei der Kammer für Außenhandel. Bis zu diesem Zeitpunkt wußte in der DDR außer Wilhelm Kling (Widerstandskämpfer und ihr erster Vorgesetzter) niemand von ihrer Tätigkeit für die Sowjetunion.

Seit 1956 arbeitete Ruth Werner dann als freiberufliche Schriftstellerin.

Und da kommen wir zum zweiten Namen, zu Olga. Eines ihrer besten Bücher schieb Ruth Werner über Olga Benario-Prestes. Vieles haben beide Frauen gemeinsam. Sie sind beide in relativ wohlhabenden Elternhäusern aufgewachsen und fanden trotzdem früh ihren Weg in den Kommunistischen Jugendverband Deutschlands und später in die KPD. Beide waren aktiv in ihren jeweiligen Organisationen tätig, Olga befreite 1928 (zwanzigjährig) ihren damaligen Lebensgefährten Otto Braun aus dem Berliner Moabiter Gefängnis.

Es könnte sein, daß sich beide Frauen in China kennengelernt haben. Leider erwähnt Ruth Werner in "Sonjas Rapport" nur Otto Braun mit dessen Lebensgefährtin und keinen genauen Namen.
Andere Kommunisten kannten sowohl Ruth als auch Sonja, entweder aus Berlin, China oder Brasilien. Sabo (Elisabeth) und Arthur Ewert, das deutsche kommunistische Ehepaar war mit Ruth in China und später mit Olga in Brasilien. Im Auftrag der Kommunistischen Internationale geht Olga 1934 mit Luis Carlos Prestes, um den bewaffneten Widerstand gegen Vargas vorzubereiten. Nach dem Fehlschlag dieser Aktion wurden sowohl Prestes, Olga als auch Sabo und Arthur Ewert festgenommen.
Olga und Sabo wurden 1936 in das faschistische Deutschland ausgeliefert, eine geplante Flucht während der Überfahrt gelang nicht.

All das ist nachzulesen in dem wunderbaren Buch Ruth Werners, die wohl wie keine andere befähigt war, genau dieses Buch zu schreiben, glich sich der Lebensweg, der Lebenstraum, der Wunsch nach Kindern auch während dieser schweren Zeiten sehr auffällig. Breiten Raum widmet Ruth Werner der Fürsorge und später Sorge um das im faschistischen Kerker geborene Kind, Anita Leocadia, von Olga Benario und Luis Carlos Prestes.

Und während es Ruth Werner mit ihren Kindern vergönnt war, nach 1945 am Neuaufbau ihrer Heimat mitzuarbeiten, ging Olgas letzter Weg 1942 in die Gaskammern von Bernburg.

Der letzte Abschnitt des Buches:

"Dort stiegen sie aus und betraten durch eine kleine zweite Tür ein Gebäude. Als ihnen im Vorzimmer des Arztes befohlen wurde, die Kleidng abzlegen, gelang es Olga, nur noch schnell das Stück Papier mit der unvollendeten Reiseroute in den Saum zu schieben. - Und sie hätte doch so gern ihre letzte Aufgabe bis zu Ende erfüllt."

Bildnachweis: Ruth Werner fotografiert von Gabriele Senft




Freitag, 19. März 2010

13. Februar 2010, was kommt danach


Es gab Zeiten (klar sind die schon eine Weile her), da gehörte das Neue Deutschland zu den Zeitungen, die ich täglich las.
Nicht für jeden sofort ersichtlich, hat diese jetzt "Sozialistische Tageszeitung" einen Wandel durchlaufen, der dazu führte, daß ich höchst selten ihren Onlineauftritt besuche, zumal viele Artikel kostenpflichtig sind.

Heute jedoch fand sich ein Kommentar (Dank dem Tip-Geber), der es verdient, auch hier veröffentlicht zu werden:

"Ein Exempel
Von Wolfgang Hübner

Das antifaschistische Engagement vom 13. Februar in Dresden hat nun die angedrohten juristischen Folgen. Nachdem bereits Ende Februar weit über 100 Strafanzeigen an Personen verschickt worden waren, die zur Blockade des Naziaufmarsches am 65. Jahrestag der Dresden-Bombardierung aufgerufen oder daran teilgenommen hatten, trudeln jetzt Strafbefehle ein.

Die Dresdner Staatsanwaltschaft lässt sich nicht von einer öffentlichen Debatte bis hin zu CDU-Politikern beeindrucken, in der nach der gewaltlosen Verhinderung der Naziaktion mehr Anerkennung für zivilgesellschaftliches Engagement gefordert worden war. Stattdessen schnurrt die sächsische Justizmaschine und spuckt Bestrafungen wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz aus.

Zu den ersten Empfängern von Zahlungsaufforderungen gehört der sächsische Linksfraktions-Vorsitzende André Hahn. Der will erst am Ende der bis heute gesetzten Frist entscheiden, ob er das Bußgeld zahlt. Man kann nur hoffen, dass er und andere es nicht tun. Denn die Justiz verbindet den Strafbefehl mit einer kleinen Routineerpressung:
Wenn die Beschuldigten die geforderten 500 Euro zahlen (so viel will man jedenfalls von Hahn), verzichte man auf ein Ermittlungsverfahren. Genau darauf aber sollten es wenigstens einige von ihnen ankommen lassen, damit auch auf dieser Ebene diskutiert und geklärt werden kann, wen der demokratische Rechtsstaat unterstützt und wen er verfolgt.

Im Falle Hahn müsste der Landtag auf Antrag der Staatsanwaltschaft die Immunität aufheben, damit gegen ihn ermittelt werden kann, schon diese Peinlichkeit sollte dem Parlament nicht erspart bleiben.
"

In diesem Jahr ist es durch die Blockade vieler mutiger Antifaschisten aus allen Teilen der Bevölkerung erstmalig gelungen, den geplanten Naziaufmarsch zum 13. Februar in Dresden zu verhindern.
Seit vielen Jahren wird dieser Gedenktag von den Nazis für ihren europaweit größten Aufmarsch mißbraucht. Doch in diesem Jahr gab es ein breites Bündnis, das zur Blockade aufgerufen hat: No pasaran - Sie werden nicht durchkommen...und sie kamen nicht durch!
Dank allen Blockierern!

Und nun die Strafbefehle. Nie hätte ich mir träumen lassen, daß ich eines Tages in einem Land leben werde, in dem Nazigegner, in dem Antifaschisten mit der Staatsanwaltschaft in Kontakt kommen, weil sie sich Faschisten entgegenstellen.

Und nie, das paßt zu obigem Thema wohl schon, hätte ich mir träumen lassen, daß auch mit meinen Steuergroschen eine neofaschistische Partei, die NPD, finanziert wird. Nach einem kurzen Artikel in der Mainzer Allgemeinen Zeitung stammen 48 % der Finanzierung der NPD aus Steuergeldern.

Wo bin ich nur gelandet?


Samstag, 6. März 2010

März-Ereignisse


aus dem Blickwinkel meines Geschichtsbewußtseins:

01.03.1956

Gründung der Nationalen Volksarmee der DDR


02.03.1917

Beginn der bürgerlich-demokratischen, der "Februarrevolution" im zaristischen Russland.


02. - 06.03.1919

Gründung der Kommunistischen Internationale/KI (III. Internationale) in Moskau.


02. - 07.03.1927

11. Parteitag der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) in Essen


02. - 03.03.1946

1. Reichskonferenz der KPD in Berlin. 400 Delegierte.
Tagesordnung: Probleme der Schaffung einer Einheitspartei. Plan des demokratischen Neuaufbaus in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands.


03. - 12.03.1919

Generalstreik und bewaffnete Kämpfe in Berlin - nach einem Aufruf der KPD. Die preußische Regierung verhängt den Belagerungszustand. Reichswehrminister Noske (SPD) ordnet das Standrecht an. Mehr als 1000 Streikende und Kämpfer werden erschossen. Der Streik und die Kämpfe enden mit einer blutigen Niederlage des Proletariats.


07.03.1946

Zulassung der Freien Deutschen Jugend (FDJ) durch die Sowjetische Militäradministration (SMAD) in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands (Gründungstag der FDJ).


08.03.1911

Erster Internationaler Frauentag, beschlossen von der II. Internationalen Konferenz sozialistischer Frauen 1910 in Kopenhagen


13.03.1920

Beginn des Kapp-Putsches - ein Versuch, die Ergebnisse der Novemberrevolution von 1918 rückgängig zu machen. Der Putsch wird von den in Aktionseinheit zusammengeschlossenen Arbeiterorganisationen abgewehrt - vor allem dank des Generalstreiks.


18.03.1848

Die Truppen des Königs Friedrich Wilhelm IV. von Preußen schießen auf Teilnehmer einer Volksversammlung auf dem Berliner Schloßplatz. Daraufhin werden in der Stadt zahlreiche Barrikaden errichtet, die revolutionären Kämpfer wehren sich und besiegen in einer Volkserhebung das Militär.


19.03.1921

Beginn der Märzkämpfe in Mitteldeutschland - mit dem Einmarsch bewaffneter Polizeiformationen in Industrieorte. Am 23. März antworten die Arbeiter mit dem Generalstreik und der Bildung proletarischer Kampfabteilungen. Bewaffnete Kämpfe flammten auf. Die Klassenauseinandersetzungen endete Anfang April.


23. - 25.03.1951

Europäische Arbeiterkonferenz gegen die Remilitarisierung Deutschlands in Berlin. 900 Delegierte aus 19 Ländern nehmen teil. Veranstalter ist der FDGB aufgrund einer Initiative des Weltgewerkschaftsbundes.


24. - 30.03.1956

3. Parteienkonferenz der SED in Berlin. Beschluss: Direktive für den zweiten Fünfjahrplan der DDR 1956 - 1960.

Samstag, 6. Februar 2010

An alle Berliner und Randberliner!












Zum 77. Jahrestag der illegalen Tagung des ZK der KPD in Ziegenhals


Sonntag, 7. Februar 2010, 11.30 Uhr,
Ernst-Thälmann-Gedenkstätte Ziegenhals

Gedenk- und Protestkundgebung

Es spricht: Ellen Brombacher (Bundessprecherin der Kommunistischen Plattform der Partei Die Linke)


Die Kundgebung wird von politischen Rezitationen umrahmt.


Veranstalter: Freundeskreis „Ernst-Thälmann-Gedenkstätte“ e.V., Ziegenhals


Busverbindung: Ab S-Bahnhof Königs Wusterhausen, Storkower Str.: 11.05 Uhr. Rückfahrt: Ab 13.51 Uhr 2-stündlich.


Ab Alt-Schmöckwitz: 9.35 Uhr. Rückfahrt: Ab 13.18 Uhr 2-stündlich


Montag, 1. Februar 2010

Rosa-Luxemburg-Konferenz 2010


Es hat ein paar Tage gedauert, bis ich die Beilage der jw-Beilage zur Rosa-Luxemburg-Konferenz am 09. Januar 2010 durchgearbeitet hatte.

Und ein Beitrag hat mir besonders gut gefallen. Er stammt von Erika Baum, einer Kommunistin und Antifaschistin aus Berlin und ist mit dem kleinen Ausschnitt, den ich hier veröffentliche, aufgrund der kommenden Ereignisse in Dresden hochaktuell.

"...Ihr erinnert Euch: Der erste Angriff auf die DDR bestand 1989/90 darin, daß man sagte, wir hätten den verordneten Antifaschismus gehabt. Nun erleben die Menschen diese von der Polizei geschützten Nazidemonstrationen, d. h. nicht verordneten Antifaschismus, sondern geschützte Nazidemonstrationen. Solch eine Erfahrung kann durch eine Aktion gefestigt werden. Lenin hat mal sinngemäß gesagt - ich sage immer wieder Lenin, weil ich der Meinung bin, der muß gelesen werden von all den Klassikern, die jetzt im Umlauf sind-: Die Massen lernen nicht aus Büchern, sie lernen aus ihren eigenen Erfahrungen. Sie lernen aus Erfahrungen, die sie in Aktionen erleben. Deshalb ist es sehr wichtig, zu diesen Aktionen zu kommen."

Bildnachweis: E. Baum am 28.11.2009 bei einer Kundgebung gegen den Afghanistankrieg, Fotograf: Bernd Kudanek

Mittwoch, 27. Januar 2010

Vor 65 Jahren











am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das KZ Auschwitz. Das KZ Auschwitz, das größte Vernichtungslager des faschistischen Deutschlands wurde zum Synonym für die millionenfache physische Vernichtung von Menschen, die nichts anderes getan hatten, als Juden, Sinti oder Roma zu sein.

Etwa 900.000 Menschen wurden in Auschwitz-Birkenau direkt nach ihrer Ankunft im Lager in den Gaskammern ermordet oder erschossen. 200.000 weitere Menschen überlebten Krankheit, Hunger, medizinische Versuche nicht oder wurden später vergast.

Mit dem Vormarsch der Roten Armee auf das Lager wurden ca. 60.000 Häftlinge auf die Todesmärsche nach Westen geschickt, die Befreier fanden im Stammlager nur noch ca. 700 Insassen bei ihrer Ankunft vor. Davon starb trotz medinzinischer Versorgung nochmal ca. 200 Menschen.
Im Nebenlager Birkenau konnten fast 5.800 völlig entkräftete bzw. kranke Häftlinge befreien.

Die Ermittlungsbehörden fanden über eine Million Kleider, ca. 45.000 Paar Schuhe und sieben Tonnen Menschenhaar, die von den KZ-Wächtern zurückgelassen wurden.

Viele Teile der beiden Konzentationslager sind erhalten geblieben bzw. wurden originalgetreu ergänzt. Sie sind heute öffentlich zugänglicher Bestandteil des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau und UNESCO-Kulturerbe. Diese Gedenkstätte soll und muß mahnen!

1976 habe ich diesen Platz besucht, habe den Auschwitz-Film gesehen, der mich noch mehr erschütterte als der zwei oder drei Jahre vorher gesehene Film vom KZ Sachsenhausen.

In der sowjetischen Besatzungszone und später in der DDR wurde seit 1945 jedes Jahr am 2. Sonntag im September auf dem Bebelplatz der Gedenktag der Opfer des Faschismus begangen. Im Jahr 1946 kam es an diesem zweiten Septembertag zum ersten gesamtdeutschen Gedenken an die Opfer des Faschismus.
Mit dem kalten Krieg und der Spaltung der Opferverbände entwickelte sich auch das Gedenken auseinander. Während bis 1989 in der DDR dieser Tag im September der offizielle Gedenktag für die Opfer des Faschismus war, wurde in der BRD die "Deutsche Kriegsgräberfürsorge" neugegründet und der 2. Novembersonntag zum Volkstrauertag erklärt, da der ursprüngliche Termin als kommunistische Aktion verschrien wurde.
Einen Gedenktag für die Opfer des Faschismus gab es nicht mehr.

Seit 1996 gibt es in der Bundesrepublik einen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus und der wird am 27. Januar begangen.
2005 wurde der 27. Januar von der UNO in einer Resulotion zum offiziellen Holocaustgedenktag erklärt.

Quellen: VVN-BdA Bochum und Wikipedia
Bildnachweis: Kundgebung zum Gedenktag an die OdF 1984 in Berlin und befreite Kinder aus dem KZ Ausschwitz

Sonntag, 24. Januar 2010

Nun also doch

Weit ist es gekommen in diesem Staat.

Da wird tatsächlich eine Internetseite, die zur friedlichen Blockade des Naziaufmarsches in Dresden am 13.02.2010 aufruft, zensiert und somit die Aktion als Aufruf zu einer Straftat gewertet. Darauf muß man erstmal kommen, aber wir leben ja in einem RechtSstaat.

Eigentlich sollte mich wohl nichts mehr überraschen, zumal im sehr schwarzen Sachsen nicht.

Selbstverständlich werden weiter Informationen zur Veranstaltung veröffentlicht und die findet Ihr hier.



Freitag, 22. Januar 2010

Nun bin ich wohl kriminell


Gut, irgendeinmal mußte das passieren. Stehe ich doch mit meiner politischen Meinung sehr weit links und hat mich die Erziehung meiner Eltern, der Geschichtsunterricht in der polytechnischen Oberschule, die Besuche in verschiedenen Konzentrationslagern, ja auch die Fernsehfilme der DDR zu dem Thema Faschismus zu einer überzeugten Antifaschistin gemacht.

Mit Entsetzen muß ich immer wieder feststellen, daß Naziaufmärsche in diesem Rechtsstaat nicht verboten werden, nein im Gegenteil, sie werden von der Polizei geschützt, Dafür werden Menschen, die öffentlich dagegen protestieren immer öfter und schneller kriminalisiert.

Jüngstes Beispiel die Beschlagnahme von Plakaten für den Protest zum Neonaziaufmarsch am 13. Februar 2010 in Dresden.
Es macht mich wütend, daß es in einem Staat, der sich als Rechtsnachfolger des Dritten Reiches versteht, dessen vorrangiste Aufgäbe wäre, derart rechtes Gesudel von vorherein zu verbieten, tatsächlich Polizei und Staatsanwaltschaft hingehen können und die Gegner dieses Aufmarsches in ihrem Tun behindern, ja sie wahrlich kriminalisieren.

Die Dresdner Staatsanwaltschaft entblödet sich nicht zu erklären, daß mit dem Aufruf zum friedlichen Blockieren ein "Straftatbestand" erfüllt sei. Die sz-online vom 21.01.2010 schreibt dazu u.a. folgendes:
"Die Staatsanwaltschaft hatte in einem Büro in Dresden und einem Laden in Berlin am Dienstag Computer und Material beschlagnahmt. Nun wird geprüft, wer für den Aufruf zur Blockade einer Versammlung, der einen Straftatbestand darstelle, verantwortlich ist."

Irgendwie erinnert mich das stark an die Jahre der Weimarer Republik, in der die Mahner gegen den Faschismus von der Polize verfolgt wurden, während den braunen Horden Staatsschutz angediehen wurde.

Nun steht der Aufruf ein zweites Mal in diesem Blog!

Mittwoch, 13. Januar 2010

Dresden - nazifrei!


Früh schon lernte ich Dresden lieben. Aus der Entfernung natürlich. Begonnen hat es wohl mit dem Film "Fünf Tage, fünf Nächte"., in dem die Rettung Dresdner Gemälde durch die Sowjetarmee geschildert wird. Später las ich begeistert Max Zimmerings "Li und die roten Bergsteiger" und noch später sein "Phosphor und Flieder".

An den genauen Zeitpunkt meines ersten Besuches der Stadt kann ich mich nicht mehr erinnern, es muß aber Anfang der 70er Jahre gewesen sein und ich versuchte vor allem die Stätten zu erkunden, die auch die bürgerliche Li mit ihren neuen Freunden erkundete. Die Innenstadt mit dem Mahnmal der ja nun zerstörten Frauenkirche, natürlich die Putten und so war ein Ausflug ins Elbsandsteingebirge selbstverständliche Pflicht.

Über die Jahre, mehr lesen, mehr Besuche, wurde Dresden meine Lieblingsstadt. Ohne Zögern wäre ich dort zu DDR-Zeiten hingezogen, hatte diese Stadt doch so ziemlich alles zu bieten. Erlebbare Geschichte, Kultur vergangener Jahrhunderte und sozialistischen Neuaufbau.

Auch heute ist Dresden die mir liebste deutsche Stadt, von denen natürlich, die ich kenne. Und jedes Jahr im Februar tut mir das Herz bitter weh, wenn ich sehe, wie die Neofaschisten versuchen, den furchtbaren Bombenangriff im Jahr 1945 auf Dresden, die tausenden Opfer , die schlimmen Zerstörungen für ihre Zwecke auszunutzen.

In diesem Jahr jährt sich der Tag zum 65. Mal. Und nun wollen die Nazis ihren größten Aufmarsch in Europa eben gerade in Dresden veranstalten.
Tun wir etwas, damit es nicht dazu kommt. Nicht jeder von uns kann sich schon aus geografischen Gründen an den geplanten Blockierungen der hoffentlich geeinten Antifaschisten beteiligen, aber wir können unter Dresden - nazifrei! diese Aktion unterstützen.

Natürlich sind dort auch Banner angegeben, die jeder in seine Homepage einbauen kann. Ich habe leider nicht die html-Kenntnisse, um einen davon hier einbauen zu können.

Gute Informationen zum Blockieren findet Ihr auch im Roten Blog.


Mittwoch, 7. Oktober 2009

Vor 100 Jahren,


am 7. Oktober des Jahres 1909, wurde Käthe Niederkirchner , von ihren Freunden Katja genannt, geboren. Schon früh fand sie zur kommunistischen Kinderorganisation und später zum Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD). 1929 wurde sie Mitglied der KPD. Nach dem Machtantritt der Faschisten mußte sie im Frühjahr 1933 in die Emigration gehen, ihr Weg führte in die Sowjetunion.

Nach dem Überfall Hitlerdeutschlands auf die SU wollte Katja zurück ins faschistische Deutschland, um dort den Widerstand zu unterstützen. Zunächst bekam sie aber die Aufgabe, in den Kriegsgefangenenlagern Auflärungsarbeit zu leisten. Dann durfte sie sich auf die Rückkehr in die Heimat vorbereiten.

Am 7. Oktober 1943, ihrem 36. Geburtstag sprang sie gemeinsam mit Theodor Winter (dem Schwiegersohn Wilhelm Piecks) aus einem sowjetischen Flugzeug hinter der Frontlinie über Polen ab. Auf der Fahrt nach Berlin wurde sie verhaftet und nachdem die SS aus ihr keine andere Aussage als zu ihrem Namen herauspressen konnte, wurde sie am 28. September 1944 ermordet.

Aus ihren letzten Aufzeichnungen aus dem KZ Ravensbrück:

27.09.1944, morgens.

Heute früh war der Schutzhaft-Lagerführer bei mir und hat mir mein Urteil vorgelesen, in so einer höhnischen, gemeinen, dreckigen Art, diese Bestie! Sie sind ja das Morden gewohnt und haben eine besondere Freude, sich an den Qualen ihrer Opfer zu weiden. Bei mir hat er aber kein Glück. Also wird es wohl heute abend passieren. Ich hätte doch so gern die neue Zeit erlebt. Es ist so schwer, kurz vorher gehen zu müssen. Lebt alle wohl, vielen Dank noch einmal für alles Gute, was Ihr mir in der kurzen Zeit angetan habt. Grüßt alle: Hilde, Maria, Sterndl, Mimi, Herni, wenn ich mir was wünschen könnte, so müßtet Ihr mir jetzt das Lied "O sing mir ein Lied, daß ich scheiden muß" singen.

Quelle: Deutsche Widerstandskämpfer 1933 - 1945, Teil 2, Dietz Verlag Berlin 1970


Sonntag, 16. August 2009

Ziegenhals ist in Gefahr

In wenigen Tagen jährt sich zum 65. Mal der Tag der Ermordung von Ernst Thälmann im KZ Buchenwald.

Gleichzeitig wird von den Politikern dieses Landes nichts unternommen, um den Erhalt der Gedenkstätte Ziegenhals zu sichern.

In Ziegenhals fand am 7. Februar 1933 die letzte Versammlung der KPD-Führung statt, auf der Ernst Thälmann vor seiner Verhaftung sprach. Teilnehmer dieser Versammlung im Sporthaus waren u.a. Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht, Hans Beimler, Karl Barthel und John Schehr.

John Schehr wurde bereist 1934 ermordet, Hans Beimler starb am 1. Dezember 1936 als Interbrigadist im spanischen Bürgerkrieg vor Madrid.

Diese Gedenkstätte ist heute vom Abriß bedroht. Wie überall soll nichts an kommunistischen Widerstand erinnern, soll auch nichts an die Denkmalkultur der DDR erinnern.



Mit Genehmigung von Frank darf ich hier seinen Brief an den Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Matthias Platzeck, veröffentlichen:

Kampf der Thälmann-Freunde

Sehr geehrter Herr Platzeck !
In der Märkischen Oderzeitung vom- 09.08.2009 - konnte ich unter dem Thema „Kampf der Thälmann-Freunde" folgendes lesen:

.2000 Unterschriften hatten Renkl und die anderen Vereinsmitglieder für den Erhalt der Thälmann-Gedenkstätte gesammelt, hunderte Postkarten an Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) geschickt. "Es kam nie eine Reaktion", sagt Renkl..

Herr Platzeck, ich bin erschüttert.

Ich habe diese Gedenkstätte als Jugendlicher zusammen mit meinem Vater besucht und erwarte, dass auch die heutige Jugend die Möglichkeit bekommt, etwas über das Leben und Sterben von Ernst Thälmann an historischem Ort, zu erfahren

Mein Vater hat den 2. Weltkrieg mit gesundheitlichen Schäden überlebt.
Meine Mutter hat den 2. Weltkrieg als Waisenkind mit gesundheitlichen Schäden überlebt.
Die Mutter meiner Mutter brachte 11 lebende Kinder zur Welt und erhielt das „Ehrenkreuz der Deutschen Mutter".

(Das Ehrenkreuz der Deutschen Mutter, kurz Mutterkreuz diente in der Zeit des Nationalsozialismus als Auszeichnung für kinderreiche Mütter, die nach der Rassenideologie der Nationalsozialisten eine „arische Abstammung" nachweisen konnten.)

Nach dem Tod durch Krankheit einer der begabtesten Töchter wurde meine Großmutter geisteskrank und mittels „Euthanasie" in der Nähe des heutigen Ortes Küstrin- ermordet--- trotz Ehrenkreuz.

(Euthanasie ---systematische Morde zur Zeit des Nationalsozialismus als Teil der Nationalsozialistischen Rassenhygiene )

Mein Großvater hat daraufhin eine politische Alternative bei den Kommunisten gesucht und gefunden.
Er verschwand durch einen mysteriösen Gasunfall---es gibt keine Sterbeurkunde und auch kein Grab, auch von meiner Großmutter kein Grab.

Ernst Thälmann hat gegen den Nationalsozialismus gekämpft und wurde dafür ermordet.
In Ziegenhals wurde an historischem Ort eine Gedenkstätte errichtet, die jetzt abgerissen werden soll.

Mein Vater hat mir mal gesagt:
„Die Sozialdemokratie ist der Arzt am Sterbebett des dahinsiechenden Kapitalismus".

Ich glaube meinem Vater und mein Glaube verfestigt sich, wenn ich lese:

.2000 Unterschriften hatten Renkl und die anderen Vereinsmitglieder für den Erhalt der Thälmann-Gedenkstätte gesammelt, hunderte Postkarten an Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) geschickt. "Es kam nie eine Reaktion", sagt Renkl..

Ich kann nur hoffen, dass Sie Herr Platzeck nicht zu den „Ärzten gehören und erwarte eine entsprechende Reaktion auf die Schweinerei die da in Ziegenhals passiert.

Denn:

Wenn das, was damals 1933 in Deutschland passiert ist, noch mal passiert, dann sind auch Sie dran.
„Ihr aber lernet, wie man sieht statt stiert
Und handelt, statt zu reden noch und noch.
So was hätt einmal fast die Welt regiert!
Die Völker wurden seiner Herr, jedoch
Dass keiner uns zu früh da triumphiert
Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!

Bertolt Brecht

Am 22. Juni 1933 wurde die SPD endgültig verboten. Es folgte die Verhaftung von mehr als 3000 Sozialdemokraten. ( http://www.gbg.kbs-koeln.de/denkmal/m33/spd.htm )


Es wäre ein positives Signal, wenn Sie Herr Platzeck am 23.08.09 11.30 Uhr anläßlich des 65.Jahrestages der Ermordung Ernst Thälmanns
zur Kundgebung nach Ziegenhals kommen würden
(info: http://www.etg-ziegenhals.de/Startseite.html )


Mit freundlichen Grüßen. Frank aus Storkow


Donnerstag, 23. Juli 2009

Nachtrag zu "Nieder-Olm hat Flagge gezeigt"

Nur kurz noch, die Presse schreibt heute von ca. 300 Teilnehmern, war ich doch mit meiner Schätzung gar nicht so schlecht, obwohl ich eigentlich nur sagen konnte, außer mir waren noch viele Menschen da, eben alles in Kleinstadtgröße, Nieder-Olm hat ca. 9.000 Einwohner.


Mittwoch, 22. Juli 2009

Nieder-Olm hat Flagge gezeigt


Nieder-Olm - eine Verbandsgemeinde in Rheinhessen hat heute abend Flagge gezeigt. Zu einer kurzfristig angebraumten Demonstration fanden sich ca. 200 - 500 Gleichgesinnte zusammen, um gegen eine geplante Mahnwahne von Mitgliedern der rechten "Initiative Südwest" zu verhindern.

Zur Vorgeschichte:
Vorige Woche in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag wurde aus einer Wohnung in Nieder-Olm ein 7-jähriges Mädchen entführt und sexuell mißbraucht. Der Täter konnte durch die Polizei am Samstag gefaßt werden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Diesen Umstand und das Leid des betroffenen Mädchens und seiner Familie wollten sich die Neonazis mit der heutigen Mahnwache unter dem Motto "Keine Gnade für Kinderschänder" zu Nutze machen, um ihre braunen Parolen auch nach Nieder-Olm zu tragen.

Die gute Zusammenarbeit zwischen Veranstalter "Rheinhessen gegen rechts", der Verbandsgemeindeleitung unter Bürgermeister Ralf Spiegler und der Polizei hat es fertiggebracht, innerhalb von 24 Stunden doch eine erhebliche Anzahl von Bürgern gegen diese Mahnwache zu mobilisieren. Wenn ich von 200 - 500 sprach, dann deshalb, weil ich noch nie gut schätzen konnte.

Letztendlich wurde die Mahnwache durch das Gericht verboten, auch das ist ein gutes Signal heute abend.

PS.: Wenn einer Lust zum kurz mal schauen hat, um 21.45 Uhr gibt es innerhalb von Rheinland-Pfalz aktuell einen Bericht



Dienstag, 21. Juli 2009

Dann eben wieder Dresden

Eigentlich wollte ich mich einem Thema widmen, das jedes Jahr zu dieser Zeit zur Sprache kommt, der einzige, hochstilisierte Widerstand der Gruppe Stauffenberg während des Hitlerfaschismus.

Um es deutlich zu machen, das Attentat galt nicht etwa dem Faschisten, dem Massenmörder Adolf Hitler, sondern einzig dem unbegabten Kriegsherren. Ansonsten ist das Thema hier gut bearbeitet, deshalb widme ich mich wieder der Kultur und meiner deutschen Lieblingsstadt.

Es ist ein sicher unbekannteres Lied von Reinhard Mey, daß ich am Wochenende verbastelt habe. Ihm ist außerdem die Oder-Neiße-Friedensgrenze entgangen, aber wenn man täglich die Bild-Zeitung vor Augen haben muß, kann das schon mal passieren.