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Dienstag, 17. Juli 2012

Pawlows Haus - Vor 70 Jahren in Stalingrad


Im Kellerraum des Pawlow-Hauses geboren

Hitlers Luftwaffe begann am 17. Juli 1942 mit der Bombardierung von Stalingrad. An diesem Tag kam eine Schwangere in den Kellerraum des Hauses 61 in der Penzenskaja-Straße, wo damals ihre Eltern wohnten.
Am vierten Tag seit dem Beginn der Bombardements kam ein Mädchen zur Welt, das den Namen Sina bekam. 

Zwei Monate später, als in der Stadt schon pausenlos gekämpft wurde, verschanzte sich ein Aufklärungstrupp unter der Führung von Oberleutnant Pawlow in dem Gebäude.

So wurde das Haus zu einem Stützpunkt der Verteidigung. Von hier aus führte ein Weg direkt zur Wolga, zu den Übersetzstellen. Die Soldaten, die das Haus verteidigten, mussten den Feind daran hindern, zum Fluss vorzudringen. Die Wehrmacht wollte die sowjetischen Truppen um jeden Preis an das Wolga-Ufer und letzten Endes in den reißenden Fluss drängen.

Die Verteidigung des Hauses dauerte 58 Tage. Die ganze Zeit musste die kleine Sina zusammen mit ihrer Mutter und den Großeltern im Keller des Hauses ausharren. Sinas Vater, Pjotr Selesnjow, war bei einem Straßenkampf  zu Beginn der Schlacht um Stalingrad gefallen. Das Kind überlebte mit Müh und Not die ersten Lebensmonate ohne Tageslicht.

„Ich war sehr schwach und dem Tod ganz nah. Soldaten waren schon dabei, ein kleines Grab auszuheben“, erzählt Sinaida Andrejewna. „Bei der Vorbereitung des Grabes stießen die Soldaten auf ein Medaillon mit dem Bild der Gottesmutter und gaben es meiner Mutter. Die Mutter legte mir das Medaillon am selben Abend um den Hals. Und das Grab blieb unbenutzt - ich überlebte.“


Pawlow-Haus als erstes wieder aufgebaut 

Die Menschen, die bereits gewohnt waren, in Kellerräumen und Erdhütten zu hausen, bauten provisorische Unterkünfte für sich oder versuchten, ihre Wohnungen aus eigener Kraft wieder aufzubauen. Die Verteidigung von Stalingrad hatte ein halbes Jahr gedauert. In dieser Zeit wurden in der Stadt 91 Prozent aller Wohnungen zerstört. Aber Menschen kehrten zu ihren verwüsteten Heimstätten zurück. In Stalingrad entstand die so genannte Tscherkassowa-Bewegung. Die Leiterin, die Stalingraderin Alexandra Tscherkassowa, hatte in der Vorkriegszeit im örtlichen Fleischverarbeitungskombinat gearbeitet, während der Verteidigung der Stadt Verletzte vom Schlachtfeld geborgen und nach dem Krieg eine Hausmeisterbrigade geleitet. Sie bildete eine freiwillige Helfergruppe, die sich am Wiederaufbau von Stalingrad beteiligte.

Die von Tscherkassowa geleitete Frauenbrigade stellte das so genannte Pawlow-Haus als erstes wieder her. Diese Arbeit nahm 58 Tage in Anspruch - genau so lange hatte die heroische Verteidigung dieses Hauses gedauert.

Diesen Text habe ich von www.rian.ru übernommen. Dank an meinen Freund Mischa, der mich an den Beginn der Schlacht um Stalingrad erinnert hat. Aber wenigstens das Video habe ich selbst gebastelt.


Montag, 13. Februar 2012

Herzlichen Glückwunsch


"Unser Mann im All" ist heute 75 Jahre alt geworden. Meine herzlichen Grüße verbunden mit den besten Wünschen für eine gute Gesundheit schicke ich auf die Reise.

Und mit diesem Datum werden meine persönlichen Erinnerungen geweckt an den August und den September 1978. Am 26. August 1978 startete Sigmund Jähn mit Valerie Bykowski in Sojus 31 als dritter ausländischer Kosmosnaut in die Erdumlaufbahn.

Jener 26. August verlief bis zum Abend für mich wie ein ganz normaler Sonnabend. Ich war, wie jedes Wochenende in diesen Jahren, als Mitglied des Jugendklubs "Dr. Victor Aronstein" zum Dienst während der samstäglichen Disko eingeteilt, als irgendwer mit vielen Exemplaren der Sonderausgabe des ND (Neues Deutschland) in den Jugendklub stürzte.
Das war es schon etwas, und mag es heute nur noch als Propaganda abgetan werden, für mich und für viele andere, die sich zu diesem Zeitpunkt im Jugendklub befanden, war diese Nachricht, daß es nun endlich auch unseren Mann im All gibt, etwas ganz Besonderes. An diesem Tage wußte plötzlich jeder, wo Morgenröthe-Rautenkranz liegt, der Geburtsort von Sigmund Jähn, konnte jeder mit dem Begriff MKF 6 etwas anfangen, obwohl sie doch schon viel früher im Interkosmosprogramm eingesetzt wurde.

Etwa drei Wochen später, ich hatte gerade die Lehre zum Maschinenbauer mit Abitur begonnen, stand dann nach erfolgreicher Mission die Reise von Jähn und Bykowski durch die DDR an.
Klar, war für diesen Tag für viele Berliner Kinder, Jugendliche und Erwachsene Spalierstehen an der Protokollstrecke (he, das waren noch Begriffe) angesagt, aber zumindest in meiner Lehrlingsklasse gab es nur wenige, die sich nicht begeistert an die Straße stellten, um die beiden Kosmonauten von Sojus 31 zu feiern. Spätere Spalierbegehren wurden nicht mehr so zahlreich und so freiwillig absolviert, wie an jenem sonnigen Tag im September.

Sonntag, 8. Mai 2011

Tag der Befreiung


Oft habe ich sie gelesen, die "Kriegstagebücher" von Konstantin Simonow, in denen er seine Erlebnisse als Frontkorrespondent schildert.

Auch die Geschehnisse des 8. Mai 1945 finden sich im 2. Band, war er doch Augenzeuge der Kapitulation in Berlin-Karlshorst.

Momente einige Stunden vor dem historischen Ereignis beschreibt er so:

"Wir verbrachten einige Tage in Berlin und fühlten täglich deutlicher, daß die Kapitulation Deutschlands vor der Tür stand. Schon kursierten Gerüchte, die der Wahrheit mehr oder weniger nahe kamen, und dann wurden spätabends alle in Berlin arbeitenden Korrespondenten, soweit sie irgendwie erreichbar waren, kurzfristig zum Stab der Front bestellt. Wir hatten die Stadt verlassen und befanden uns auf halbem Wege zum Stab, als wir plötzlich ein rasendes Feuer Feuer hörten und sahen. Ringsum erhellten Leuchtspurgeschosse und Granaten den Horizont. Da wußten wir, der Krieg war zu Ende. Nichts anderes konnte dieses Feuerwerk bedeuten. Und plötzlich fühlte ich mich elend. Ich schämte mich vor meinen Begleitern, mußte aber schließlich doch aussteigen. Ich verspürte ein krampfhaftes Zucken in der Kehle und in der Speiseröhre, der Speichel lief mir zusammen, bitterer Geschmack, Galle. Ich weiß nicht, wovon. Wahrscheinlich von der Anspannung der Nerven, einer Überlastung, die sich in dieser unangenehmen Weise äußerte. Während der ganzen vier Kriegsjahre war ich in jeder Lage bemüht gewesen, mich zu beherrschen und das war mir wohl auch gelungen, doch hier, in diesem Augenblick, als ich begriff, daß der Krieg aus war, erschütterte mich etwas und die Nerven versagten. Meine Genossen lachten nicht und spotteten nicht, sie schwiegen."

Quelle: Kriegstagebücher, Zweiter Band 1942 - 1945, Verlag Volk und Welt, 1. Auflage 1979, S. 694


Mittwoch, 22. Dezember 2010

Der 22. Dezember


Jedes Jahr ist es der Tag, an dem mein Alter um eine Zahl steigt.

Und jedes Jahr ist es auch der Tag, an dem ich bestimmter Personen gedenke. Vielleicht weil dieser Tag für mich eine persönliche Bedeutung hat, haben sich mir die Sterbedaten dieser Personen eingeprägt.

Zuerst ist das Nikolai Ostrowski, gestorben am 22. Dezember 1936 in Moskau, sein Roman "Wie der Stahl gehärtet wurde" begleitet mich nun sicher 36 Jahre lang. In jedes Poesiealbum habe ich damals das Zitat geschrieben, mit dem sich Pawel Kortschagin am Grab von Grischa verabschiedet. Sowohl in der 10. Klasse als auch im Abitur habe ich über diesen Roman meinen Deutschaufsatz geschrieben.

Ebenfalls an einem 22. Dezember, nämlich 1942, sind viele Mitglieder der "Roten Kapelle" auf dem Schafott von Plötzensee hingerichtet worden, Mildred und Arvid Harnack, Libertas und Harro Schultze-Boysen, Hans Coppi, denen ein Denkmal u.a. in dem Film "KLK an PTX - Die Rote Kapelle" gesetzt wurde.

Und so vergeht auch der 22. Dezember 2010 nicht, ohne daß ich diesen, mir persönlich unbekannten Menschen für das, was sie, jeder an seinem Platz, taten, dankbar bin, aus tiefsten Herzen dankbar!

Bildnachweis: Mildred und Arvid Harnack in "Deutsche Widerstandskämpfer 1933 - 1945" von Luise Kraushaar, Dietz Verlag Berlin 1970




Sonntag, 7. November 2010

Я поздравляю вас с праздником Великой Октябрьской социалистической революции.


Es gab Zeiten, da konnte ich den Satz der Überschrift grammatikalisch fehlerfrei und schnell heruntersagen. Heute bin ich unsicher, ob das da oben alles so stimmt, weil ich weder den 5. noch den 2. Fall im Russischen immer parat habe.

Heute vor 93 Jahren wurde der Startschuß zu einem Experiment gegeben, daß der Welt Frieden, Gerechtigkeit und Wohlstand bringen sollte. Wir alle wissen, dieses Experiment ist im 20. Jahrhundert noch gescheitert. Eine Wiederholung in Europa zumindest nicht in Sicht, obwohl die immer öfter eintretenden Krisen des Kapitalismus doch Menschen über Menschen aufrütteln sollten.

Die Große Sozialistische Oktoberrevolution und die nachfolgenden 73 Jahre der Sowjetunion, die 40 Jahre der sozialistischen Staaten in Ost- und Mitteleuropa haben trotzdem eines gezeigt. Es ist möglich, eine bessere, eine gerechtere Welt aufzubauen.

Heute müssen wir, die die GSOR als eine Errungenschaft ansehen, die, die stolz auf ihr Leben in ihren sozialistischen Staaten sind, die, die in den sozialistischen Staaten eine Alternative zum Leben im Kapitalismus sahen, die Erinnerung und vor allem die Lehren dieser geschichtlichen Ereignisse hochhalten, sie ehren und für einen neuen Beginn unter den Bedingungen des 21. Jahrhunderts kämpfen.

Im Oktober brach der rote Sturmwind auf,
der fegte den Himmel uns blank
und der Friede folgte seinem Siegeslauf,
Genossen, wir sagen Euch Dank!

Nein, die Heimat liegt nicht mehr im hellen Sonnenschein, so nämlich der dann folgende Refrain, das Lied jedoch höre ich heute noch gern, war es doch Bestandteil meines Pionierliedrepertoires.

Bildnachweis: http://www.sovmusic.ru/


Freitag, 25. Juni 2010

Мы говорим по русски (1)


Manchmal habe ich ja eine riesige Freude daran, mir alte Bücher zu kaufen. Diesmal waren es Russisch-Lehrbücher, mit denen meine Mutti vielleicht Russisch gelernt hat. Genau werde ich sie das bei meinem bald anstehenden Heimatbesuch fragen.

Das gestern als erstes eingetroffene Buch ist jedenfalls von 1948. Als erstes ist mir aufgefallen, daß in diesem Lehrbuch (und das eben in jedem dieses Jahrgangs) eine Reproduktion des Repin-Gemäldes "Die Saporoger Kosaken schreiben dem türkischen Sultan einen Brief" eingeklebt ist.

Ansonsten ist das Buch mit richtigen Zeichnungen liebevoll illustriert und die ersten уроки habe ich auch schon durchgearbeitet.
Dabei waren folgende Rätsel:

Два конца, два кольца,
а b сверине гвозник.

Zwei Enden, zwei Ringe
und in der Mitte ein kleiner Nagel.
(Was ist das?)


В огне не горит, в воде не тонет.

Im Feuer brennt es nicht, im Wasser sinkt es nicht.
(Was ist das ?)

Wenn Ihr es wißt, freue ich mich sehr auf Eure Antworten.



Donnerstag, 22. April 2010

Zum 140.

darf es auch etwas mehr sein:





Ein Lied, zwei Videos und mir gefallen beide gut.

Samstag, 12. Dezember 2009

Erinnerung ob einer Mail


Irgendwann, inzwischen kann man wohl vor Jahrzehnten sagen, habe ich ein Quartett-Spiel geschenkt bekommen, herausgegeben von der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft, der DSF. Es hatte 60 Karten, für jede der damals 15 Sowjetrepubliken waren 4 Karten vorgesehen. Ich kann mich erinnern, mit diesem Kartenspiel vor allem die 15 Hauptstädte auswendig gelernt zu haben, in meinen besten Zeiten konnte ich sie im Schlaf herbeten.

Heute hat mir ein Freund folgenden Artikel geschickt und da kam die Erinnerung an dieses Kartenspiel wieder auf:

"Chişinău, 10. Dezember 2009, Tribuna Popular

Der ausgezeichnete Bloq „Ein Vallekaner in Rumänien berichtete, dass laut letztem Meinungsbarometer der moldauischen Regierung (heute in den Händen von Antikommunisten) 68% der Bevölkerung der Meinung sind, dass die Bevölkerung in den Zeiten der Sozialistischen Sowjetrepublik Moldawien als Teil der UDSSR besser lebte.

57% meinen, dass damals das Lebensniveau gewährleistet war. 55% meinen, dass es mehr Sicherheit und medizinische Fürsorge gab. 46% würden am liebsten sofort der UDSSR erneut beitreten.

Die meist gewählte Partei in den Wahlen von 2010 wird die Partei der Kommunisten sein, die in Wirklichkeit eine eurokommunistische Partei ist und auf 38,9% käme. Nach unserer Hypothese würde diese Partei noch mehr Stimmen erhalten, wenn sie eine marxistisch-leninistische Linie verfolgt.

Die Umfrage beweist erneut, was wir immer wieder äußerten. Es gibt eine sich entwickelnde immer kräftigere Tendenz zur Wiedervereinigung der sowjetischen Völker, was den Imperialisten und ihren Agenten vor Ort in Gestalt der georgischen, ukrainischen, moldawischen und baltischen Faschisten sowie nicht wenigen großrussischen Bourgeois die Haare zu Berge stehen lässt.

Quelle: La Conquista de la Civilización Socialista"

Früher hieß die Stadt Kischinjow, aber da waren ja auch noch Georgier Grusinier. Die Hauptstadt von Litauen hieß Vilnius, die von Estland Tallinn. Einige Namen haben sich geändert, andere sind zum Glück die, die ich kenne.

Wird es möglich sein, daß die Völker der Sowjetunion tatsächlich wieder zueinander finden? Wenn nicht alle, so doch einige?



Mittwoch, 18. November 2009

Tage und Nächte


Eigentlich sollte ein Artikel zu Konstantin Simonow bereits im August erscheinen. Am 28. August jährte sich sein Todestag zum 30. Mal. Da er zu meinen Lieblingsschriftstellern gehört, hatte ich mir eben zu diesem Termin den Beitrag vorgenommen.
Aber dann irgendwie auch wieder vergessen, es gab wohl andere Themen, die mich im Spätsommer beschäftigten.

Unbewußt im November greife ich regelmäßig zu einem Simonowbuch, in diesem Jahr ist es "Erinnerungen an Konstantin Simonow", diesmal kein Buch von, sondern eines über ihn.
November, ja voriges Jahr las ich um diese Zeit seine "Kriegstagebücher", im Ergebnis daraus entstand eines meiner Videos.

Heute habe ich mal überlegt, warum immer November. Vielleicht ist es einfach die Tatsache, daß ich als erstes Buch von Simonow "Tage und Nächte" gelesen habe, die Geschichte der drei Häuser in Stalingrad, mal verkürzt dargestellt. Und im November 1942, genau morgen vor 67 Jahren, begann die Offensive der Roten Armee bei Stalingrad.
Wenn auch gerade die Tagebücher ja den ganzen Krieg behandeln, ist für mich Simonow anscheinend fest mit dem Monat November verbunden.

Es gibt übrigens ein Buch von ihm, das ich nur ein einziges Mal gelesen habe, "Die Waffengefährten". Also wird es in diesem Jahr nicht bei einem Simonowbuch bleiben.

Bildnachweis: Schutzumschlag von Sibylle Juraschek "Erinnerungen an Kontantin Simonow", erschienen 1988 im Verlag Volk und Welt


Samstag, 7. November 2009

Noch ein Jahrestag


7. November - erster Sonnentag im Leben des Proletariats
(für alle, die kein russisch lesen und verstehen können)

Plakat eines unbekannten Künstlers, veröffentlicht 1920
(aus: Illustrierte Geschichte der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution, Dietz-Verlag 1977)

Dr. Richard Sorge - Kommunist, Kundschafter, Held der Sowjetunion


Heute vor 65 Jahren wurde der Kommunist und Kundschafter der Sowjetunion in Japan - Tokio - gehenkt.

Wer war Richard Sorge, einer der erfolgreichsten Kundschafter der Sowjetarmee.

"Getarnt als Korrespondent der 'Frankfurter Zeitung' baute R. Sorge im Dienst der Sowjetunion seit 1933 in Tokio ein nachrichtendienstliches Netz auf und entwickelte Beziehungen zur deutschen Botschaft und zu Botschafter Ott, für den er ein unentbehrlicherBerater wurde und über den er die Politik der Nationalsozialisten mitbestimmte.
Im Oktober 1941, nachdem er die Sowjetunion vom geplanten Angriff der Deutschen informiert hatte, wird Sorge von den Japanern enttarnt und zum Tode verurteilt. Die Sowjetunion verleugnete ihn. 1944 wird Richard Sorge in Tokio gehenkt...
Der Mann Richard Sorge bleibt ein Rätsel. In der historischen Person aber treffendie ideologischen und moralischen Antagonismen des 20. Jahrhunderts aufeinander. Der britische Meisterspion Kim Philby bewunderte ihn als den 'einzigen moralisch nicht angreifbaren Spion'. Sorges Schicksal wird in exemplarischer Weise zum Spiegel unseres Jahrhunderts, das Margret Boveri das Jahrhundert des Verrats genannt hat."

So steht es im Klappentext des Buches "Richard Sorge - Der Mann mit den drei Gesichtern" von Robert Whymont.

Vielleicht habe ich einen falschen Eindruck, denn nach der Lektüre von "Dr. Sorge funkt aus Tokyo" von Julius Mader, Gerhard Stuchlik und Horst Pehnert hat mich o. g. Werk bis zu der Seite, an der ich nicht mehr weitergelesen habe (Seite 235 von 511, das Lesezeichen ist noch drin), sehr enttäuscht. Ich persönlich hatte den Eindruck, daß man sich mehr mit dem Alkoholkonsum und den Frauenbekanntschaften R. Sorges befaßte, als das es um die Kundschaftertätigkeit ging.

Neben der Information über den genauen Angriffstermin der faschistischen Wehrmacht konnte Richard Sorge der Sowjetunion ebenfalls mitteilen, daß Japan in absehbarer Zeit keinen Angriff auf die SU vorsah, so daß die Sowjetunion in der Lage war, sich auf die Westfront zu konzentrieren.

1964 wird Richard Sorge posthum der Titel "Held der Sowjetunion" verliehen. In Moskau gibt es in der 141. Schule seit 1967 ein "Richard-Sorge-Museum", daß 2007 nach einer Runderneuerung zum 40-jährigen Bestehen neu eröffnet wurde.

In Berlin-Friedrichshain gibt es eine Richard-Sorge-Straße, unweit der ehemaligen Bersarinstraße, in Dresden wurde ein Straße gleichen Namens nach dem Anschluß der DDR umbenannt. Weitere Straßen und Oberschulen mit seinem Namen gab es in Jena, Magdeburg und Chemnitz.

Heute an seinem 65. Todestag denken wir auch an den 92. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution, die den Staat hervorbrachte, für den Richard Sorge sein Leben nicht nur einsetzte, sondern auch gab.

Bildnachweis: DDR-Briefmarke aus dem Jahr 1976

Freitag, 30. Oktober 2009

Ljonka und all die anderen


Urlaubszeit ist Lesezeit. Auch in der Heimat habe ich mir dieses Vergnügen gegönnt und weil ich natürlich meinen Bücherschrank nicht mitgeschleppt habe, habe ich mich mit denen bei meiner Verwandtschaft begnügt.

Und weil es dort eben rumstand, war die "Schkid - Republik der Strolche" mal wieder an der Reihe. Schkid bedeutet Schkola imeni Dostojewskowo oder zu deutsch Schule namens Dostojewski. Der Roman wurde von zwei Insassen dieser Schule geschrieben. Die Schule wurde 1919 gegründet, um im vom Bürgerkrieg gebeutelten Sowjetrussland der Straßenkinder Herr zu werden.

Jankel und Ljonka beschreiben ihren Weg vom Halunken, vom Dieb bis hin zu jungen Menschen, die ihren Weg in der gerade erst gegründeten Sowjetunion gehen werden. Es werden uns die anderen Insassen wie Japs, Zigeuner und viele andere, aber auch die Phropheten genannten Lehrer nahegebracht. Zuviel will ich nicht erzählen, ist ja ein Buchtip von mir. Es liest sich auch für einen Erwachsener sehr gut und kann bei booklooker relativ preiswert erstanden werden. Ich jedenfalls kann es für lange Winterabende nur empfehlen.

Das Buch wurde 1966 verfilmt. Diesen Film habe ich leider nicht gesehen, Hoffnung, daß er nochmals im Fernsehen kommt, habe ich nicht.

Leonid Pantelejew oder eben Ljonka begegnete mir in meiner Kindheit noch desöfteren. Bücher wie "Der tolle Ritt" oder "Ljonka" (handelt vor seiner Zeit in der Schkid) waren im Deutschunterricht auf dem Plan.

Grigori Bjelych (Jankel) ist leider bereits 1938 verstorben, aber auch er hat vor seinem Tod in der Sowjetunion einige Erzählungen veröffentlich. Der Eulenspiegelverlag notiert ihn mit folgenden: »Der Weißgardist«, »Das Haus der fröhlichen Bettler«.


Donnerstag, 24. September 2009

Der kommunistische Sonnabend


Vor 90 Jahren, allerdings im April, wurde in Moskau der erste kommunistische Sonnabend, der Subbotnik, durchgeführt. Subbotnik leitet sich aus dem russischen Wort für Sonnabend Subbota ab.

Ausgangspunkt für diesen ersten Subbotnik am 12. April 1919 war eine Außerordentliche Sitzung des Stadtsowjets, in der Lenin auch über die Hungersituation in dem von den Bolschwiki kontrollierten Gebiet Rußlands sprach. Er sagte u. a.

"Nur die Arbeiter, die die ganze Last der Zerrüttung Rußlands zu ertragen hatten und eben dadurch große Erfahrungen erwarben, nur diese Arbeiter, nur diese unsere Vorausabteilungen können uns helfen!"

Zwei Tage, nachdem Lenin die die Moskauer Arbeiter aufgerufen hatte, dem zerrütteten Verkehrswesen zu helfen und damit gegen den Hunger zu kämpfen, setzte sich im Depot der Eisenbahnlinie Moskau-Kasan eine Parteizelle unter der Leitung des Schlossers I. J. Burakow zusammen und beschloß, eine Woche später, am 12. April nach der normalen Schicht eine weitere, freiwillige, unentgeltliche Schicht von 10 Stunden zu absolvieren. An diesem allerersten Subbotnik nahmen außer den 4 Genossen der Parteizelle noch weitere 9 Genossen und zwei Parteilose teil. Es gelang ihnen, in dieser Schicht 3 Lokomotiven zu reparieren.

Vier Wochen später, am 10. Mai, wurde auf der Moskau-Kasaner Eisenbahn der erste Massensubbotnik durchgeführt. An ihm nahmen bereits 205 Menschen teil. Sie reparierten in 1014 Überstunden 4 Lokomotiven und 16 Waggons. 9300 Pud (1 Pud = 16,38 kg) Materialien wurden ein- und ausgeladen.

Trotz dieser Leistungen und trotz der Warnung bzw. Festellung Lenins "Die Arbeitsproduktvität ist in letzter Instanz das allerwichtigste, das ausschlaggebenste für den Sieg der neuen Gesellschaftsordnung...Das ist ein sehr schwieriges und sehr langwieriges Werk, aber man hat damit begonnen und das ist eben das allerwichtigste..."

Letztendlich und trotz immenser Fehler in der UdSSR und den anderen sozialistischen Ländern ist wohl genau das der Grund unserer jetzigen Niederlage gewesen. Es wird aber wieder Menschen geben, die sich entschlossen gegen die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen stellen, die erneut den Versuch unternehmen werden, eine bessere Gesellschaft zu schaffen, eine, in deren Mittelpunkt der Mensch und nicht das Kapital steht.

Zitate aus: "W.I. Lenin, Werke Bd. 29 S. 416f, Berlin 1961ff (Dietzverlag)
Foto und Qelle: "Das russiche Wunder" 3. Auflage Verlag Kultur und Fortschritt 1963


Montag, 22. Juni 2009

Und auch das darf nicht vergessen werden


"MOSKAU, 22. Juni (RIA Novosti). Der russische Präsident Dmitri Medwedew hat am Montag, dem Gedenk- und Trauertag für die im Großen Vaterländischen Krieg Gefallenen, einen Blumenkranz am Ewigen Feuer am Grabmal des Unbekannten Soldaten in Moskau niedergelegt.

Der Gedenkzeremonie zum 68. Jahrestag des Beginns des Großen Vaterländischen Krieges wohnte der moldawische Präsident Vladimir Voronin bei, der zu einem Arbeitsbesuch in der russischen Hauptstadt weilt.

Zugegen waren auch der Vorsitzende des Föderationsrates Sergej Mironow, der Staatsduma-Vorsitzende Boris Gryslow, der Vizepremier Sergej Sobjanin, Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow, der Vorsitzende des Verfassungsgerichtes Valeri Sorkin sowie leitende Mitarbeiter anderer Ministerien bzw. Behörden, Staatsbeamte und Veteranen.

Die Zeremonie der Kranzniederlegung endete mit einem feierlichen Vorbeimarsch von Einheiten der Moskauer Stadtgarnison."


aus Rianovosti von heute


Dienstag, 16. Juni 2009

Wenn es schon

wieder ein Video ist, so ists doch immerhin eines von mir. Mein Kopf ist heute abend auch zu leer, um hier noch irgendetwas Kluges zu schreiben. Außerdem habe ich diesen Film lange gesucht, auf deutsch ist er natürlich immer noch nicht zu haben, aber russisch kann ich ihn immerhin wieder sehen.

Ja, die literarische Vorlage war lange mein Lieblingsbuch und so habe ich 1974 nicht nur begeistert den Film geschaut, sondern auch jeden Artikel, der damals in der Jungen Welt erschienen ist, gesammelt. Hätte ich sie nur aufgehoben. Aber wer denkt schon an solche Kleinigkeiten wie einen Rückwärtssalto, wenn er die erste eigene Wohnung bezieht.




Dienstag, 12. Mai 2009

Wieder ein 60.



Heute vor 60 Jahren wurde die Blockade Westberlins durch die Sowjetunion beendet.
Entsprechend war dies natürlich Thema Nr. 1 in den Medien. Leider habe ich bei der ganzen Aufarbeitung heute nicht ein einziges Wort über den Grund dieser Blockade gehört, aber vielleicht waren das auch nur die falschen Sender. Grund für die Blockade war die Währungsunion in den 3 Westzonen vom 19. Juni 1948, die die sowjetische Besatzungszone in arge Bedrängnis brachte, so daß am 24. Juni 1948 die Blockade Westberlins begann.
Man muß diese Entscheidung der SU nicht gutheißen, nein, ich glaube sogar, sie war ein großer Fehler. Nicht nur, daß sie sich dadurch viele Sympathien, die sie im Verlauf des 2. Weltkrieges international errungen hatte, verspielte. Nein, sie gab der Gegenseite ein Argument in die Hände, das ja nun sichtbar auch noch 60 Jahre später wirkt.
Heute wurde mir tatsächlich im Radio erzählt, daß die Amerikaner bei Errichtung der Luftbrücke nicht nur die westberliner Bevölkerung im Blick hatte, sondern ihr natürlich auch die Bewohner Ostberlins und der "Zone" am Herzen lagen. Fragt sich nur, wie dazu KgU, Ostbüro der SPD usw. passen.
Über diese Seite der demokratischen Westmächte und der BRD einschließlich Westberlins kann man sich ausführlich in dem Buch "Im Visier die DDR" informieren.

Freitag, 8. Mai 2009

Es ist nicht mehr aktuell,


dieses Gedicht, ich habe es aber immer noch gern und langweile Euch auch nur mit den ersten vier Strophen.


Die Unterschrift vom Roten Platz

In Moskau auf dem Roten Platz,
dem Platz der Maiparade,
da steht ein deutscher Hosenmatz
und futtert Schokolade.

Der Hosenmatz heißt Michael,
er lehnt an einem Zaune,
er sieht sich um und macht kein Hehl
aus seiner Ferienlaune.

Sein Vater einst vor Moskau stand
als Feind,verflucht, vor Jahren,
als die Faschisten in das Land
eingefallen waren.

Er, dessen Vater Söldner war-
wie viele andere Väter-,
steht hier als Freund, den Wind im Haar
kaum zwanzig Jahre später.

Worte: Manfred Streubel in "Reise im Raketentempo"

Heute ist der Tag der Befreiung und was immer uns die Zeit seit 64 Jahren gebracht hat mit unserem fleißigen Dazutun, auch heute noch gilt für mich: Dank Euch, Ihr Sowjetsoldaten.


Dienstag, 20. Januar 2009

"Puntia, der Partisanenhund" von Günter Feustel

Dort wo hinter dem Dorf Denica die Wege in die Berge der Hohen Tatra führen, liegt inmitten hoher Fichten ein kleiner Friedhof. Und die Pioniere aus Denica pflegen die Gräber und erzählen die Geschichten von den Helden, die hier unter den riesigen Kronen der Waldbäume den ewigen Schlaf halten. Es sind Partisanen aus der Bärenhöhle, die die Befreiung ihrer Heimat vom deutschen Faschismus nicht mehr erlebten.

Ganz am Ende des kleinen Friedhofs, ein wenig abseits, liegt ein großer Feldstein, auf den die Jungen des Dorfes das Wort "Puntia" geschrieben haben. Und von ihnen erfuhr ich auch die Geschichte von Puntia - die Geschichte des Partisanenhundes.

Das war im Jahr 1944. Das Dorf Denica war von deutschen Panzern besetzt, seitdem die meisten Männer des Dorfes in die Berge zu den Partisanen gegangen waren. Und in den Häusern lebte die Angst vor den deutschen Soldaten in der grauen SS-Uniform mit dem Totenkopf. Die Bewohner von Denica horchten in die Nacht hinaus, wenn die Schüsse in den Bergen hallten. Und ihr Haß gegen die faschistischen Soldaten wuchs.

Wenn die Kinder des Dorfes an dem Platz vor der Schule vorbeikamen, sahen sie zu Boden. Denn zwischen den Panzern und den Lastwagen ging Jan herum - einer von ihnen. Lachend und pfeifend holte er für die Soldaten Wasser, putzte ihre Kochgeschirre und Stiefen und bekam dafür Brot. Und neben Jan lief ein Hund - ein großer, zottiger schwarzer Hund - wie ein Schatten. Jan nannte ihn Puntia.

Jan legte oft seinen Arm um den Hals des Hundes, wenn sie abends vor der Tür ihrer Hütte sßen und in die untergehende Sonne schauten. Jan und sein Hund Puntia waren gute Freunde. An einem Abend, als Jan und Puntia vor der Hütte saßen, kam Frantisek die Dorfstraße herunter. Er blieb vor Jan stehen. Stumm sah er Jan und Puntia an. Dann spie Frantisek Jan vor die Füße und sagte: "Pfui, Du Verräter! Dein Bruder ist in den Bergen, und Du treibst Dich bei den Deutschen herum!" Puntia war aufgesprungen und und knurrte böse. "Komm her, Puntia!" rief Jan. Und er nahm den großen Hund am Nackenfell und ging mit ihm schweigend in die Hütte hinein. Es war Nacht geworden. Der Mond steckte tief in den dunklen Wolken am Himmel. Dunkel stand der Wald auf den Bergen. Und in den Hütten von Denica war das Licht erloschen.

Da stand Jan auf. Er hängte einen alten Mantel vor das kleine Fenster der Hütte. Jan zündete einen Kerzenstumpf an und schrieb auf einen kleinen Zettel: "Morgen früh acht Uhr neuer Militärtransport auf der Straße nach Bernicek." Sorgsam faltete Jan den Zettel zusammen. "Puntia, komm her!" flüsterte er. Sofort stand der schwarze Hund neben dem Jungen. Jan schon den Zettel in eine kleine Hülse, die der Hund am Halsband trug. "Komm!" rief Jan leeise. Vorsichtig öffnete der Junge die Tür der Hütte und spähte in die Nacht hinaus. Man höerte nur die Schritte der deutschen Wache auf der Dorfstraße knirschen. Jan und Puntia schlichen hinter den Gärten von Denica entlang, bis die schwarzen Schatten des Waldes die beiden verschluckte hatten. Nahe am Bach duckte Jan sich auf den Boden. "Los, Puntia, lauf zu Antonin!" Der Hund spitzte die Ohren. Jan nahm den zottigen Kopf des Tieeres und legte sein Wange auf die Hundestirn. "Und grüße Antonin!" Der Partisan Antonin war Jans Bruder.

Und Puntia nahm den Weg in die Berge - so sicher, als würde er über die Dorfstraße von Denica laufen, um nach einem Knochen zu succhen. Als der Morgen über den Hütten von Denica erwachte und die Nebel noch in den Kronen der Bäume hingen, zerrissen einige dumpfe Schläge die Stille. Fernes Gewehrfeuer knatterte. Und die Leute von Denica sahen besorgt durch die kleinen Fenster ihrer Hütten hinauf in die Berge.

Die Soldaten liefen auf dem Dorfplatz aufgeregt hin und her. Panzer rollten die Dorfstraße hinunter. Offiziere schrien Befehle. Jan und Puntia standen neben der Feldküche. Jan hatte einen langen Stiefel auf seinen Arm gezogenund polierte mit einer Bürste das schwarze Leder. "Warum schießen sie?" fragte er den Soldaten an der Feldküche. "Weil diese Banditen - diese Partisanen die Straße gesprengt haben und einen Munitionstransport dazu!" "Ach - so!" sagte Jan. Und bürstete ruhig weiter über das schwarze Leder.

Gegen Mittag kamen die Panzer in das Dorf zurück. Die Wachen am Dorfrand wurden verstärkt. Und es hieß unter den Soldaten, daß die Partisanen auf dem Dorf Denica Nachrichten erhalten würden. Die SS-Soldaten durchwühlten die Hütten - sie durchsuchten die Ställe und verhörten die Männer und Frauen. Aber sie fanden nichts.

Jan und seein Hund lebten weiter bei den deutschen Soldaten. Und die Jungen von Denica machte einen Bogen um Jan und warfen mit Steinen nach Puntia. So vergingen die Tage.

Eines Abends stand Jan an einem Baum gelehnt neben dem Wachzelt. Er spielte auf einer Weidenflöte ein ales slowakisches Volkslied. Da schrillte das Feldtelefon. Und während Jan die Augen schloß, als würden die Töne der Weidenflöte ihn ganz gefangenhalten, lauschten seine Ohren gespannt zum Wachzelt hinüber. Und er prägte sich alle Worte ein, die er hörte, ganz fest. Jan spielte auf seiner Weidenflöte die traurige Melodie vom Herbst in den Bergen. Als die Nacht kam, schrieb Jan die Worte auf einen winzigen Zettel und schob ihn in die kleine Hülse am Halsband des Hundes. Und wieder lief Puntia hinaus in die Nacht - hinauf in die Berge zu der Höhle der Partisanen.

Der Morgen graute über Denica. Da zerriß wütendes Hundegebell die Stille. Jan sprang zum Fenster und guckte hinaus. Da sah er, wie zwei Soldaten den wütenden Puntia am Halsband zur Schule zerrten. Jan schloß für einen Moment die Augen. "Puntia!" flüsterte er leise. Und Tränen tropften aus seinen Winpern. Plötzlich hielt sich Jan am Fenster fest und preßte die Stirn gegen die kalte Scheibe. Und er sah, wie einer der Soldatenvorn auf das Halsband deutete, dort, wo die kleine Blechhülse in dem Halsband steckte. Einer der Offiziere nahm die Hülse und holte einen Zettel hervor. Jan flüsterte noch einmal: "Puntia - mein Puntia!"

Dann griff er nach seiner Jacke und öffnete leise die Tür zum Garten. Vorsichtig kroch Jan durch Gemüsebeete bis zu den Gebüschen der Haselsträucher. Und dann lief er wie gehetzt durch den Wald, hinauf zu den schützenden Bergen. Als der Tag zur Neige ging, standen die Posten der Partisanen am Eingang der Schlucht, die zur Bärenhöhle führte. Dicht neben Antonin lag Jan. Und sein Herz klopfte, wenn ein Zweig knackte oder wenn hoch oben in den Kronen der Waldbäume ein Eichhörnchen raschelte. Antonin legte seinen Arm um Jans Scchultern. Und so lagen die beiden und sahen hinunter ins Tal, wo die Dächer des Dorfes Denica von der Abendsonne beschienen wurden.

Plötzlich klangen Schritte vom Tal herauf. Man hörte leise Stimmen. Antonin entsicherte sein Gewehr. Er kroch vorsichtig auf einen der Felsen hinauf, die hoch über dem Weg standen. Unter, wo der Pfad den Wald verließ, stand ein großer, schwarzer Hund. Er hob den Kopf und zog witternd die Luft ein. Es war Puntia, der Partisanenhund. Jan wollte aufspringen und nach dem Hund rufen. Da drückte ihn Antonin fest in die Mulde zwischen den Felsen. Und jetzt sah es Jan auch - hinter Puntia tauchten deutsche Soldaten auf. Sie hielten den Hund an einem langen Lederriemen.

"Such Puntia - such Jan!" Deutlich konnte Jan den Befehl der deutschen Soldaten hören. Sie werden die Höhle finden, durchzuckte es Jan. Sie werden alles finden, was zu den Partisanen gehört - sie werden alle erschießen. Jan starrte auf Puntia. Puntia stand da und sog die Luft durch die Nase. Er hob den Kopf und jaulte.

Jan legte seine Hand auf Antonins Schulter und seine Finger krallten sich fest, als suchten sie eine Stütze.

"Du ... mußt ... ihn ... erschießen!" flüsterte Jan.

Antonins Augen wurden schmal. Er zog Jan an sich. Dann duckte sich Jan tiefer in die Mulde und hielt sich die Ohren zu. Ein Schuß fiel. "Puntia"! flüsterte Jan. "Mein Puntia!"

Antonin zog den Jungen zurück in das Gewirr der Felsen. Und als die Schüsse der faschistischen Soldaten wild und ungezielt zwischen den Bergen verklungen waren, hatten Antonin und Jan die Bärenhöhle erreicht. Stumm setzte sich Jan auf das Lager des Bruders. Er bedeckte sein Gesicht mit beiden Händen und zwischen den Fingern tropften Tränen auf den Boden der Höhle. Und niemand von den Männern, die um Jan standen, lächelte.

Als die deutschen Faschisten aus Denica und den Bergen der Hohen Tatra vertrieben waren, kamen auch Antonin und Jan zurück zu ihrer Hütte. Und alle Jungen aus Denica gaben Jan die Hand.

Und Jan lächelte wieder.

Aus: "Die Reise im Raketentempo", Verlag Junge Welt Berlin, 1967




Mittwoch, 19. November 2008

Kalenderblatt: 19. November 1942

Heute vor 66 Jahren begann um 8.50 Uhr früh der Angriff der Südwest- und der Donfront weit hinter Stalingrad.
Die Stoßgruppierungen beider Fronten sollten sich entsprechend dem Angriffsplan bei Kalatsch vereinigen und damit die Einschließung der dort operierenden Kräfte der Hitlerwehrmacht vollenden.
Im Ergebnis dieses Angriffs wurden die 6. Armee unter Paulus, Teile der 4. Panzerarmee - insgesamt 22 Divisionen mit über 300.000 Mann bei Stalingrad eingeschlossen. Während dieser Gegenoffensive der Roten Armee wurden außerdem die 3. rumänische Armee zerschlagen und die 3. rumänische Armee aufgerieben.

Mit der vollständigen Kapitulation der 6. Armee 2. Februar 1943 (der südliche Teil kapitulierte bereits am 31.01.1943) wurde die Wende des Krieges eingeleitet und mit der Schlacht am Kursker Bogen die folgende Niederlage Hitlerdeutschlands endgültig eingeleitet.

Quelle: Geschichte des Zweiten Weltkrieges 1939 - 1945, 1. Band, Deutscher Militärverlag Berlin 1961


Mittwoch, 29. Oktober 2008

90 Jahre Komsomol


Heute vor 90 Jahren wurde der Всесоюзный ленинский коммунистический союз молодёжи, der Komsomol (Wortzusammensetzung: „Kommunistitscheski Sojus Molodjoschi“) gegründet.

Der Komsomol leistete in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens Herausragendes, besonders im Bürger- und Interventionskrieg und im Großen Vaterländischen Krieg. Seine Mitglieder standen an den entscheidenden Brennpunkten des sozialistischen Aufbaus.

Zu seinen Aufgaben gehörte die Anleitung der sowjetischen Pionierorganisation.

Zu seinen Projekten gehörten die Subbotniks, die auch jedem DDR-Bürger gut bekannt sind (vielleicht sollte man sie wieder einführen), Bau von Magnitogorsk und Komsomolsk am Amur so wie der Bau des Schiffes "Leninskij Komsomol".

Im Laufe seiner Existenz wurde er mehrfach mit dem Leninorden und dem Rotbannerorden der Arbeit ausgezeichnet.
Er war Bruderorganisation der Freien Deutschen Jugend.

1991 wurde er unter Jelzin verboten und aufgelöst, jedoch besteht er in Russland, Belarus und der Ukraine weiter. In Russland existiert außerdem noch die unabhängige Zeitung "Komsomolskaja Prawda".