Sonntag, 18. März 2012

Freiheit, oder auch "Und wieder 48"


Lied vom Volksfreund

Da hat mal einer einen Tanz gewagt,
zur rechten Zeit das rechte Wort gesagt
bei uns mit Schwing und mit Schwung.
Das klang in die Ohren wie ein Totentanz
der Junker, Kanzler und der Hochfinanz,
ja das hatte mal Schwing und mal Schwung.

Bei uns im tollen 48er Jahr
der junge Schlöffel ein Student wohl war,
das ist hundert Jahre her.
Die deutsche Einheit sagte der,
kommt nicht von Preußens Schießgewehr,
nicht aus der Knechtschaft,
die uns kein Recht schafft,
sie kommt vom freien Volke her.

Die Junker, Kanzler und die Hochfinanz,
die litten keinen deutschen Freiheitstanz,
bei uns keinen Schwing, keinen Schwung.
Wer 1848 gut studiert, hat 1948 schnell kapiert,
ja, wer bremst denn den Schwing und den Schwung.

Im diesem März wie einst im tollen Jahr,
als der Schlöffel ein Student wohl war,
das ist hundert Jahre her.
Die deutsche Einheit sagte der,
kommt nur vom freien Volke her,
wenn frei von Knechtschaft,
das Volk sein Recht schafft,
brauchts keine hundert Jahre mehr.

Dieses Lied stammt aus dem Film "Und wieder 48", der 100 Jahre nach der Märzrevolution bei der DEFA entstand.

Dieses Jahr ist kein runder Feiertag oder so und daß ich ausgerechnet gestern abend mal wieder diesen Film gesehen habe, ist jetzt nicht meinem Geschichtsbewußtsein geschuldet, sondern eher dem so oft miesen Fernsehprogramm an Samstagen.
Nur dann klingelte es natürlich: 18. März. Und an dieses Datum zu erinnern ist für mich der bessere Aufhänger für diesen Tag, an dem just zu dieser Stunde eine Schauspielerei im Reichstagsgebäude beginnt, die sich mit Worten wie Demokratie und Freiheit schmückt.

Schlöffel und seine Mitstreiter hatten genau diesem Begriffen etwas anderes gemeint, als das, was sich in dem Staat BRD gerade abspielt. Wenn Friedrich Engels sagte, diese 1848er Revolution ist unvollendet, so sind wir seit der Einverleibung meines Staates in die kapitalistische BRD wieder auf genau diesem geschichtlichen Stand.

Ein wenig Geschichte:
Als Märzrevolution wird die erste Etappe der Revolution 1848/49 bezeichnet. Sie begann am 27. Februar 1848 in Baden unter dem Eindruck der französischen Februarrevolution und breitete sich in der ersten Märzhälfte über alle süd-, südwest, mittel- und norddeutschen Staaten aus. Insgesamt gab es 36 deutsche Kleinstaaten.
Höhepunkt und Abschluß waren am 13. März die Wiener und am 18. März die Berliner Märzrevolution.
Kennzeichen waren erfolgreiche revolutionäre Aktionen der Arbeiter, Handwerker, Kleinbürger, Bürger und Bauern, die die Reaktion überall zu erheblichen Konzessionen zwangen, sie aber nicht vernichteten. Ergebnisse der Märzrevolution waren Freiheiten entschieden demokratischer Natur und der Übergang der unmittelbaren Macht in die Hände der großen Bourgeosie. Es war nicht gelungen, die Märzrevolution mit dem Übergnag der Macht in Volkes Hände abzuschließen.

Ein aus damaliger Sicht wenn auch kurzlebiger Triumpf war die Verneigung des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm IV. vor den Märzgefallenen, als der Trauerzug am 19. März 1848 das Schloß in Berlin passierte (übrigens ist diesem Geschehen im Film "Und wieder 48" eine Szene gewidmet). Der Maler Adolph Menzel, mir vor allem bekannt durch das Gemälde "Das Eisenwalzwerk", schrieb damals dazu:

“So oft nun ein neuer Zug Särge vorbeikam, trat der König barhaupt heraus und blieb stehen, bis die Särge vorüber waren. Sein Kopf leuchtete von ferne wie ein weißer Flecken. Es mag wohl der fürchterlichste Tag seines Lebens gewesen sein.“


Bildnachweis: Gemälde von 1848, des zeigt jubelnde Revolutionäre nach Barrikadenkämpfen am 18. März 1848 in Berlin auf der Breiten Straße




Montag, 12. März 2012

Programmhinweis


Meist werden wir ja von den öffentlich-rechtlichen und noch weniger von den privaten Fernsehsendern mit niveauvollem Programm verwöhnt.

Deshalb für heute abend ein kleiner Tip, arte zeigt den Konrad-Wolf-Film "Sonnensucher", der sich mit der SDAG Wismut und dem Uranabbau in der jungen DDR auseinandersetzt. 1958 gedreht, wurde er 1972 veröffentlicht. Ich kann mich nur dunkel daran entsinnen, ihn gesehen zu haben... also ists Zeit für eine Auffrischung der Erinnerung, zumal ich neben dem Interesse für den Inhalt auch Geschonnenk, Simon, Christian d. Ä und Agnes Kraus sehr gern gesehen habe.
Achso, Christian d. Ä. ist natürlich Norbert Christian.

Bildnachweis: Szenenfoto aus "Sonnensucher" Mit Erwin Geschonnek

Donnerstag, 8. März 2012

Internationaler Frauentag



Meinen herzlichen Glückwunsch an alle Frauen und Mädchen zum Internationalen Frauentag.


Bisher haben wir Kolleginnen von der Gewerkschaft Ver.di immer ein Blümchen geschenkt bekommen. Ein Kollege sollte die frischen Blumen frühmorgens von der Geschäftsstelle in Mainz ab und verteilte sie bei uns.


Dieses Jahr kam leider nur eine Email. Die Blümchen, die Ver.di jedes Jahr an diesem Tag spendiert hat, sind dem Rotstift zum Opfer gefallen. Die Gewerkschft Ver.di in Rheinland-Pfalz muß sparen.


Okay, kein Blümchen.

Dienstag, 28. Februar 2012

Hä????


Was fällt Euch zu "Kleine Riesen" ein. Mir spontan Kinder, Kindervereine, Kindersportmannschaften na usw. usf. Dazu braucht es keine Kreativität, das ist für meine Begriffe einfacher deutscher Sprachgebrauch. Und so wäre mir nie in den Sinn gekommen, daß sich seit 2008 eben nicht mehr jeder Kindergarten so nennen darf.


2008 hat ein Ehepaar in Esslingen sich für ein biliguales Konzept für Kindergärten entschieden und damit eine private Kindergartenkette gegründet. Sehr löblich, zumal es ja erwiesen ist, daß gerade Kinder in ganz jungem Alter Fremdsprachen schneller erlernen als Jugendliche bzw. Erwachsene. Das löblich meinerseits bezieht sich nur auf das Konzept, weniger auf die dort zu entrichtenden Gebühren.


Soweit so gut, hätte sich dieses Ehepaar den Namen "Kleine Riesen" nicht markenrechtlich schützen lassen. Mal davon abgesehen, daß fast überall z. B. auf der Webseite die engliche Übersetzung "Little Giants" verwendet wird, hat genau dieser markenrechtliche Schutz natürlich Folgen.


Ein Kindergarten in Atens (Stadtteil im niedersächsischen Nordenham) mußte sich aufgrund einer Abmahung des Esslinger Ehepaars bereits umbenennen in "Atenser Butscher".

Ich habe jetzt kurz gegoogelt, wie viele Kindergärten es in der BRD gibt, die den Namen "Kleine Riesen" tragen. Allein auf der ersten Seite sind es einige. Vielleicht sollte man in einem Jahr mal schauen, wieviele "Kleine Riesen" es noch gibt.


Könnte man jetzt noch sagen, diese Kindergärten treten mit dem geschützen Namensträger in Konkurrenz, wird es bei dem nächsten Beispiel schon etwas grotesk.


In Wildetaube (einem kleinen Ort in Ostthüringen) gibt es einen Kindergarten, der heißt "Die wilden Tauben". Eigentlich kein Problem. Aber dieser Kindergarten hat auch noch drei Gruppen. Und diese Gruppen führen, wie in vielen anderen Kindergärten, interne Namen. Eine Gruppe heißt Sternengruppe, es gibt die Grünschnäbel und eben die kleinen Riesen. Nun hat eine Zeitung über eine Initiative dieser kleinen-Riesen-Gruppe berichtet und so kam die Kunde (Internet machts möglich) wohl auch nach Esslingen. Was folgte? Naklar, eine Abmahnung. Heute veröffentlicht SpOn ein Interview mit der Geschäftsführerin der Little Giant-Kette.


Jetzt kenne ich mich im Markenrecht ja nicht aus, aber eine interne Kindergartengruppe in einem anders benamsten Kindergarten in einem kleinen Dorf kann doch nun wirklich keine Konkurrenz für eine vor allen in Städten beheimatete Kindergartenkette sein.


Das sind die Momente, in denen ich mich frage: wo leb ich eigentlich.


Bildnachweis: Holger Zaumsegel/OTZ

Mittwoch, 22. Februar 2012

Überwachung? Aber nicht doch.

Daß vor 3 Wochen das Luftverkehrsgesetz vom Bundestag so nebenbei in 3 Lesungen (irgendwie sind Lesungen heute nicht mehr Lesungen, sondern Schriftungen) geändert wurde, ist den Medien so ziemlich in die letzte oder vorletzte Seite gerutscht.

Ist ja auch nicht schlimm, da wurde halt noch der Wulff gejagt (das haben wir inzwischen erfolgreich erledigt) oder Assad mit Krieg gedroht (da sind wir noch mächtig bei und haben gleich mal den Iran wieder miteinbezogen).

All das ist natürlich wichtiger, als die Bevölkerung umfassend darüber zu informieren, worin denn die Änderungen bestehen. U. a. heißt es nämlich darin, daß bemannte und unbemannte Luftfahrtgeräte gleichberechtigt am Luftverkehr teilnehmen. Mit dem Gesetz wird also die Voraussetzung geschaffen, daß neben völlig normalen Flugzeugen auch Drohnen über Deutschland fliegen können.

Drohnen? Wozu braucht man Drohnen? Wie gesagt, daß Gesetz wurde vor ca. 3 Wochen verabschiedet. Heute meldet der Spiegel, die Bundesregierung plant, die Drohnenflotte auszubauen. Diese Drohnen kann man zum Bevölkerungsschutz einsetzen. Ein ironisches Schmunzeln entlockte mir die Nutzung bei Wildtierzählungen und Erntevorhersagen.

Derzeitig werden wie allerdings durch die jeweiligen Landespolizisten zur Überwachung der Proteste gegen Castortransporte bzw. zur Überwachung von Fußballspielen.

Da ist es doch man gut, daß wir mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Bundespräsidenten bekommen, der in der Telekommunikationsdatenspeicherung keinen Beginn eines Überwachungsstaates sieht. Mit Drohnen hat der sicher auch kein Problem. Komisch, seine eigene Überwachung sah er wohl nicht ganz so locker.