Mittwoch, 20. April 2011

Vereinigungsparteitag SPD - KPD (I)

Morgen vor 65 Jahren begann der Vereinigungsparteitag von SPD und KPD im Admiralspalast (Staatsoper) in Berlin. Im Protokoll (erschienen 1946 im Verlag JHW Dietz Nachf. Berlin) hat der Vorbesitzer dieses Buches ein Gedicht eingeklebt. Es wurde 1963 im ND veröffentlicht, das entnehme ich dem Artikel auf der Rückseite. Mir hat es gefallen und wenn es auch nur einen indirekten Bezug zum Vereinigungsparteitag hat, möchte ich es doch an den Anfang meiner geschichtlichen Würdigung des Geschehens vor 65 Jahren stellen.


Seht, welche Kraft

Ich hatte einmal Angst vor'm Weiterleben!
Was ich besaß, war zerstört und fort.
Da sprach ich nach, was ich hörte hier und dort:
"Die oben solln uns Brot und Obdach geben!
Erst Brot! Dann will ich graben, bauen, weben!"
Und - "Sozialismus" war für mich ein leeres Wort.

Dann sah ich Trümmerfrauen Steine tragen,
sah Kinder ziellos durch die Straßen geh,
sah Männer an blockierten Rädern wieder drehn
und sah die Besten hungernd Brücken schlagen.
Da mußte ich mich endlich selber fragen:
Bist Du denn kraftlos? Willst Du abseits stehen?

Ich nham den Spaten und ich drosch die Ähren,
ich sah, nicht hilflos ist, wer Freunde hat!
Welch Glück: Mein Kind lag warm und wurde satt.
Ich lernte und sprach kaum noch vom Entbehren,
und eines Tages durfte ich die Kinder lehren!
Ein Schritt voran war jedes Buch und jedes Blatt.

Seht, welche Kraft liegt nun in unseren Händen!
Und was sie zeugt gehört nun dir und dir und mir:
der Stahl, der Acker, Baum und Buch und Tier.
Kein Herr darf uns der Arbeit Frucht entwenden
und niemand kann mit falschen Glanz uns blenden.
Wir schützen unser Haus! der Staat sind wir!

Ursula Burmeister, Lehrerin, Falkenhain

Ich hoffe, ich schaffe es, einige Rednerbeiträge aus dem "Protokoll" morgen und übermorgen zu veröffentlichen. Für mich, die ja erst später geboren wurde, sind sie zumindest sehr interessant.


Kommentare:

Nadja Norden hat gesagt…

Liebe Kampfgenossin Jette,
Danke sehr. Das Gedicht nehme ich, wenn wir zurück zu Hause sein werden, bestimmt über in meinem Blog. Ich kann es nicht mit Sicherheit behaupten, aber es kommt mir bekannt vor. „Der Staat sind wir!“ in 1963 entsprach es noch vollauf der Wahrheit.
Wir hatten mehrere Bekannten mit den Namen : „Burmeister“, aus Sachsen!
Kuriosum: Durchs Reisebüro „Belgien-UdSSR Tourismus“ erfuhr ich von eine Sonja BURMEISTER im ungarischen staatlichen Reisebüro in Budapest. Vielleicht eine von uns die dorthin geheiratet hat? Das wußte ich schon gerne.
Sehr liebe Grüße,
Deine Freundin
Nadja

Nadja Norden hat gesagt…

Liebe Kampfgenossin Jette,
Es hat mich nicht losgelassen, habe jegoogelt und tatsächlich: es gibt so ein Buch „Seht, welche Kraft! Die SED – Tradition, Gegenwart, Zukunft“. Dietz Verlag 1971. Lohnt sich bestimmt!
Ganz liebe Grüße,
Deine Nadja