Samstag, 24. Juli 2010

Urlaub - muß mal eben sein


na denne gehts mal wieder auf Reisen, morgen in aller Frühe. Ab und zu werde ich aber auch im Brandenburgischen online sein...und so sage ich einfach tschüssing in der Heimat.

Und beim Kundigmachen über den Ort meiner diesjährigen Ferien habe ich folgendes gefunden:

Seit 15 Jahren schaue ich nun unentwegt ins heimatliche Land,
blick' über Dörfer, Städte, über weite Felder.
Hennickendorf - euch allen wohlbekannt -
gab Standplatz mir und auch zum Bau die Gelder.


Zu vieler Menschen Freude wollt' ich immer dienen,
ich wollte weiten ihren Heimatblick.
Doch leider sind nur wenige erschienen;
wir alle litten unter schwerem Kriegsgeschick.


Die Nächte waren damals voller Brandgeruch wie Feuer,
die Todesflammen schlugen, hoch zum Himmel hin.
Ich mußte zuseh'n wie des Krieges Ungeheuer
zerschlugen Deutschlands Hauptstadt, mein Berlin.


Ganz ohne Schmerzen ging es auch für mich nicht ab.
Ein Flakgeschoß zerfetzte grausam mich am Dache.
Die Wunden heilten; doch... das Geld war damals knapp.
Habt, Männer, Dank für schnelle Hilf' in eurem Fache!


Vollauf zufrieden bin ich doch noch nicht mit meinem Los!
Im Innern müsstet ihr mich reparieren lassen.
Dann könnten alle kommen - klein, und groß,
mit einem Blick die Heimat zu umfassen.


Die Kinder könnten ihrer Väter Werke schauen
Fabriken, Brüche, Lastenkähne auf den Seen -
und so erfahren, wie auch wir mitbauen
an Städten, neu, lichtvoll, bequem und schön.


Der Wandrer fände ebenfalls ersehnte Augenweide,
sein Blick glitt' über Wiesen, Wälder, Ackerland,
säh' weiße Segel, in der Ferne braune Heide
und eines Baggers starken Arm im hellen Sand.


Nun sorgt dafür, daß endlich meine Klagelieder
verstummen ganz, bei Sonne und bei Sturm!
Und dann, erlebt die Schöne Heimat wieder,
sonst bleibe ich ein aussichtsloser Aussichtsturm!


Heimatzeitung für den Kreis Strausberg
"Neuer Tag" vom 19 Januar 1956




Montag, 19. Juli 2010

Zum Glück gabs das MfS

was würden die Oberen dieses Landes machen, wenn nicht andauernd irgendwelche Wissenschaftler, Historiker oder sonst irgendwie ominöse Gestalten feststellen könnten, das MfS sei schuld an allen Unwägbar- und Grausamkeiten des kapitalistischen Lebens auf dem Gebiet der ehemaligen DDR - es müßte glatt erfunden werden. Leider kann einem bei solchem Mist das Lachen mehr als vergehen.

Der Kommentar der Jungen Welt dazu:

Wider Erwarten handelte es sich nicht um einen verspäteten Aprilscherz. Marcel Tyrell ist es ernst. Der Professor der Zeppelin-Universität Friedrichshafen hat herausgefunden, warum die Leute im Osten weniger verdienen als ihre Kollegen im Westen und warum auch die Arbeitslosenrate Ost so viel höher ist. Man hätte selbst darauf kommen können: Die Stasi ist schuld. Und natürlich das Zwangstopfen.

Wie Tyrell und sein Mitarbeiter Marcus Jacob, ein gebürtiger Ostdeutscher, genau auf ihre Daten gekommen sind, haben sie dem Focus, der am Wochenende zuerst über ihre »Studie« berichtete, zwar nicht verraten. Nichtsdestotrotz sind die Ergebnisse völlig eindeutig: Das »von Stasi-Spitzeln gesäte Mißtrauen« bremst noch heute die Wirtschaft Ost aus. Die Spätfolgen sind für »bis zu sieben Prozent der Einkommensunterschiede zwischen Ost und West« und für »fast 26 Prozent der Unterschiede bei den Arbeitslosenzahlen« verantwortlich. Auch zählten die Ossiexperten vom Bodensee aktuell nur halb so viele Organspenden in Gebieten, in denen bis vor 20 Jahren die Stasi besonders aktiv war. Nach dem Motto: Meine Leber gebe ich nicht her, sie könnte ja einem Ex-IM zum Weitersaufen verhelfen. Gemessen wurde die Stasiaktivität an der Zahl der in einem Landkreis zu DDR-Zeiten registrierten Inoffiziellen Mitarbeiter.

Die Thüringer Landeszeitung fragte beim Prof nach, was sich mit den Daten zu Organspenden, zur geringen Mitarbeit in Vereinen und der schlechten Wahlbeteiligung beweisen lasse. Tyrell: »Unsere Ergebnisse zeigen eindeutig: Das Gift des Kraken Stasi wirkt noch heute in der Gesellschaft in Ostdeutschland weiter, wird weitergegeben von Generation zu Generation.« 20 Jahre Erfahrungen mit der Bundesrepublik sind da doch glatt zu vernachlässigen – Erfahrungen mit konkreter Benachteiligung, mit Ohnmacht gegenüber »Arbeitgebern« und ihren Lobbyisten in der Politik, mit Bevormundung und Enteignung.

(jf)


Sonntag, 18. Juli 2010

Meine Erinnerung an Günter Görlich


Es ist noch kein Jahr her, da habe ich eines seiner Bücher zum Aufhänger eines Blogeintrages gemacht.
Am 14. Juli 2010 ist der Schriftsteller Günter Görlich im Alter von 82 Jahren verstorben. Günter Görlich, das sind lieb- und teuergewordene Bücher: Der Fremde aus der Albertstraße, Den Wolken ein Stück näher, Eine Sommergeschichte, Eine Anzeige in der Zeitung, Die Chance des Mannes, Das Liebste und das Sterben sind die, die mir auf Anhieb einfallen, ohne irgendwo nachgeschaut zu haben.

Natürlich noch eines: Heimkehr in ein fremdes Land, in dem Görlich in autobiographischen Zügen den Weg eines jungen deutschen Soldaten über 4 Jahre in den Kriegsgefangenenlagern Sibiriens, über den schweren Anfang im zerstörten Berlin bis zu dem Moment, wo der Romanheld seinen Platz in der jungen DDR gefunden hat, zeichnet.

Warum ich für diese Auflistung nicht nachschauen muß? Alle diese Bücher stehen in meinem Bücherschrank, keines davon habe ich nur einmal gelesen. Im Frühjahr erst habe ich wieder zu "Das Liebste und das Sterben" gegriffen.

Seine Bücher wurden verfilmt, eine Szene aus "Den Wolken ein Stück näher" mit Kurt Böwe als Lehrer sei hier vorgestellt:


video


Als ich die Nachricht vom Tode Günter Görlichs gestern in der Jungen Welt las, war es erst einmal ein Schock. Immer, wenn jemand geht, der, wenn auch nicht persönlich, so doch durch sein öffentliches Schaffen, mein Leben mitgestaltet hat, ist es, als würde damit ein Stück Heimat wegbrechen.

Das ist nicht so, ich weiß, niemand kann mir die Bücher, niemand die Erinnerungen nehmen und niemand kann mich davon abhalten, im ersten Arbeiter- und Bauerstaat auf deutschem Boden die bessere, die friedlichere, die gerechtere Gesellschaftsordnung zu sehen.

Bildnachweis: picture alliance/DPA

Samstag, 17. Juli 2010

Heute mal Werbung


Eben stand ich noch auf dem Balkon und dachte, was macht eigentlich das doofe DRA, nie sieht man zu ordentlichen Fernsehzeiten richtig gute Filme der DEFA oder des DDR-Fernsehens und damit meine ich jetzt nicht die jährlich einmal ausgestrahlten obligatorischen 4 Folgen von "Zur See". So sehr ich Horst Drinda auch in der Rolle des Kapitäns Karstens geliebt habe, so sehr weiß ich, daß es wichtigere Filme mit ihm gibt, die nie zur besten Sendezeit gezeigt werden.

Nein, ich meine u. a. Filme wie "Die besten Jahre" mit Horst Drinda in der Hauptrolle, ich meine "Krupp und Krause", Filme wie "Hans Beimler - Kamerad", "Die große Reise der Agathe Schweigert" und und und.

Und kaum war ich wieder am PC, kam der Newsletter von der Buchredaktion. Zumindest kann man "Krupp und Krause", den hervorragenden Fünfteiler aus dem Jahr 1969 mit Günter Simon in der Hauptrolle ab dem 16. September 2010 kaufen.

Noch mal zurück zum DRA, die könnten einen eigenen Sender aufmachen und ihre gehorteten DEFA- und DDR-Fernsehfilme allabendlich zeigen, ich bin ziemlich sicher, es gäbe genug Menschen, die angewidert vom hiesigen Fernsehprogramm genau auf diese Sparte ausweichen würden.


Wie verkommen

Immer öfter würgt mich der Ekel:

Arbeitslose Pädagogen sollen Hartz-IV-Kinder betreuen

Die Bundesregierung erwägt, Langzeitarbeitslose in der Betreuung von Kindern einzusetzen. Hintergrund ist ein Vorschlag von Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, bei einem Treffen mit Vertretern aus Ministerien für Soziales und Familie.

Dabei ging es unter anderem um die Frage, wie man dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den Hartz-IV-Bezügen für Kinder gerecht werden könne, ohne den Bundeshaushalt allzu sehr zu strapazieren.

Das Gericht hatte die Bundesregierung Anfang Februar aufgefordert, die Regelsätze für Kinder neu zu berechnen und mehr für deren Bildung zu tun.

Alt regte daher bei dem Hintergrundgespräch an, arbeitslose Musiker, Sportlehrer oder Sozialpädagogen dazu zu bewegen, ehrenamtlich mit Kindern zu arbeiten. Die Hartz-IV-Empfänger könnten zum Beispiel mit den Kindern Fußball spielen, Musikkurse anbieten oder Nachhilfe geben; das sei ein "Win-win-Geschäft", da auch die Arbeitslosen wieder sinnvoll beschäftigt seien.

Alts Vorschlag werde derzeit, wie viele andere, im Ministerium diskutiert, sagt ein Sprecher des zuständigen Bundes sozialministeriums. Die Idee würde zum Plan von Ministerin Ursula von der Leyen (CDU) passen, Hartz-IV-Kindern kostenlose Sport- oder Nachhilfeangebote zu machen. Eine Erhöhung der Regelsätze lehnt von der Leyen ab.


Diesen Artikel fand ich eben im SpOn unter exklusive Vorabmeldungen für den Print-Spiegel 29/10.
Da haben die Arbeitslosen aber Glück, daß sie wieder sinnvoll beschäftigt werden, höchstwahrscheinlich für die 900,- EUR aus der Bürgerarbeit.

Wie schrieb mein Kommentator vom neuen Schlagwort: "Es geht um den Niedriglohnsektor und dessen Ausbau."


Freitag, 16. Juli 2010

ja mei, habt's was anderes erwartet?


Die Wahl in NRW ist vorbei, also konnte es mit den Grausamkeiten unserer lieben Regierung losgehen.

Am 7. Juni 2010 beschließt Merkels Regierung das große Sparpaket und natürlich trifft es am härtesten die Hartz-IV-Empfänger. Das Elterngeld, das auf Wunsch von Schröders Vorgängerin im Amt der Familienministerin v. d. Leyen erst 2007 eingeführt wurde, fällt für Hartz-IV-Bezieher weg. Vor Einführung des Elterngeldes gab es das Erziehungsgeld.

Noch während der Fußball-WM, welcher Durchschnittsdeutsche interessiert sich da für Politik, hatte der nette Dr. Philipp Rösler ein Häppchen für uns. Ab Januar 2011 steigen die Kassenbeiträge für gesetzlich Versicherte wieder. Der dabei anfallende AG-Beitrag von 7,3 % wird auf dieser Höhe festgeschrieben, weiteren Finanzbedarf dürfen sich die Krankenkassen über Zusatzbeiträge ohne Limit nach oben bei ihren Versicherten holen.

Heute ist bekanntgeworden, daß Schröder gar noch einen draufpacken möchte, für Aufstocker soll das Elterngeld gekürzt werden. Aufstocker, das sind Menschen, die sehr wohl arbeiten, in Minijobs, ja auch in 40-Wochenstunden-Arbeitsverhältnissen, die aber einfach in dieser reichen BRD ihre Arbeitsleistung nicht so vergütet bekommen, daß sie davon leben können und somit zusätzlich ALG II beantragen müssen.

Von dieser Regierung war nichts anderes zu erwarten und wer sich jetzt wundert, ist irgendwo selbst schuld.
Spannender ist die Frage, wann sich denn ein wirklich ernsthafter Widerstand in der Bevölkerung regt.

Mittwoch, 14. Juli 2010

Ein ordentlicher Landregen hätte es auch getan


so ist es eher stürmisch und Regen wird es eher keinen geben. Aber vielleicht kann ich ja auch singen "Wind komm, bring den Regen her".

Bildnachweis: S.E., 14.07.2010, 19.47 Uhr


Samstag, 10. Juli 2010

Wir haben kein Geld und

deshalb geben wir es den anderen. Und das geht in Hessen so:

Hessen hat also kein Geld. Damit ist das Bundesland auf der ebsch Seit nicht allein, das geht vielen so, warb doch das Land Berlin vor einigen Jahren mit dem Slogan: Berlin - arm, aber sexy. Und natürlich muß gespart werden. Wo spart man in diesem Staat immer gut? Klar an der Bildung.

So also auch in Hessen. Im Frühjahr dieses Jahres wurde in Hessen für und mit den 12 staatlichen Universitäten, Fachhoch- und Kunstschulen ein Hochschulpakt für die nächsten 5 Jahre beschlossen. Damit würden die Bildungseinrichtungen Planungssicherheit erhalten, wurde das Ganze schöngeredet.
30 Mill. EUR sollen jährlich im Grundbudget eingespart werden, weitere 20 Mill. EUR aus dem Grundbudget in das Erfolgsbudget verschoben werden.

Gegen diesen Hochschulpakt formierte sich Widerstand, nicht nur Studenten demonstrierten, nein auch die Rektoren wollten bei der ersten Zusammenkunft diesen Pakt nicht unterschreiben.
Aber was wäre unsere Politik, wenn sie nicht auch da Mittel und Wege finden würde. Eine kleine Erpressung hier, schöne Worte da. Zum UNterschreiben fand sich ja dann auch ein Termin.
Urs Meier würde wohl sagen: "Schlußendlich müssen 30 Mill. EUR jährlich gepart werden".

Soweit, so schlecht, man kann nur Geld ausgeben, was man hat und eben Geld hat Hessen angeblich nicht. Hessen hat kein Geld?

Da macht es dann besonderen Spaß, knappe zwei Monate zu lesen, daß die Privathochschule EBS in diesem Jahr mit ca. 30 Mill. EUR gesponsert wird. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Und während in der Landeshauptstadt staatliche Schulen vor sich hingammeln, kann sich Wiesbaden selbstverständlich ebenfalls an der Finanzierung der EBS beteiligen. So kann man seinen Bildungsauftrag natürlich auch verstehen.



Und manchmal paßt es eben


Mit der Post kam eben "Unsere Buchredaktion empfiehlt" und was finde ich auf Seite 42? Ein neues Buch von Wolfgang Held und genau in meiner damals viel geliebten Knabes Jugendbücherei erschienen. Die gestern erwähnten Kinderbücher wurden auch dort verlegt.

Ehrlicherweise habe ich nicht gewußt, daß es diesen Verlag noch gibt. Im Onlineangebot sind u.a. oben genanntes Buch, "Rebell auf der Karlsschule" (ein Buch über Friedrich Schillers Jugendjahre) und "Knurks hat doch ein Herz". Wer kannte damals nicht das Märchen vom Nußknacker Knurks.

Sehr umfangreich ist das Angebot nicht, aber ich hoffe sehr, daß sich in der Sparte JUgendbücher in den nächsten Jahren noch was tut.

Bildnachweis: Produktbild auf der Buchredaktion


Freitag, 9. Juli 2010

der 9. Juli


erinnert mich jedes Jahr an Katrin. Katrin war meine beste Freundin von 1971 bis 1976 und Katrin hat am 9. Juli Geburtstag. Damals war Katrin stolz darauf, gemeinsam mit Willi Stoph Geburtstag zu haben, somit hat sich auch dessen Geburtstag in mein Gedächtnis gegraben.

Katrin war mir damals in vielen Dingen ein Vorbild. Schulisch immer besser als ich selbst, war sie ein Mädchen, an dem ein waschechter Bengel vorbeigegangen ist. So wollte ich auch sein. Immer Nietenhosen (so hießen in der DDR Jeans), während meine Mutter mich bis zu einem bestimmten Alter immer mal in einen Rock zwängte, sportlich eine Kanone und halt so ziemlich alles, was ich sein wollte. Gemeinsam waren wir 1973 am Frauensee und gemeinsam nahmen wir an den X. Weltfestspielen teil.
Die Anfänge meines geschichtlichen Interesses verdanke ich Katrin, wollte sie doch damals Etnographin wie Liselotte Welskopf-Henrich werden. Bis dahin kannte ich nicht mal diesen Begriff. Unsere Wege trennten sich, als sie 1976 auf die EOS kam und ich auf der POS verblieb.

Wie stolz wäre sie damals gewesen, hätte sie gewußt, daß mit ihr gemeinsam der Autor eines ihrer Lieblingsbücher Geburtstag hat. "Petrus und die 3 PS", ein Mädchenbuch, daß allein aufgrund dieser Einordnung nur Katrins Verachtung hervorgerufen hätte. Aber in diesem Buch wird ein Mädchen beschrieben, auf das kein Mädchenbild paßte. Das Buch fand Gnade bei ihr und damit bei mir.

Die nächsten Bücher von Wolfgang Held fand ich dann schon ohne Katrin. In "Zwirni träumt vom Weltrekord" wird der Weg Roland Matthes' vom 12-jährigen Nichtschwimmer zum Weltrekordler beschrieben, in "Mücke und sein großes Rennen" ist die Friedensfahrt Mittelpunkt des Geschehens.

Heute kann Wolfgang Held auf 80 Jahre zurückblicken und auch mit seinen Romanen "Die gläserne Fackel" und "Visa für Ocantros", seinen Filmen "Das Licht der schwarzen Kerze", "Die gläserne Fackel" oder "Zweite Liebe ehrenamtlich" änderte sich nichts an meiner Begeisterung.

Deshalb unbekannter Weise meinen herzlichen Glückwunsch an den heutigen Jubilaren.


Immer mal wieder ein neues Schlagwort


in diesen Wochen heißt es Bürgerarbeit. Bürgerarbeit - soll es lt. Arbeitsministerin von der Leyen bei der Altenpflege geben, auch Laub fegen kann als Bürgerarbeit verrichtet werden und Jugendliche kann man auch in Bürgerarbeit trainieren.

Bürgerarbeit sollen Langzeitarbeitslose 30 Stunden die Woche für 900 EUR pro Monat leisten. Langzeitarbeitslose, die u. a. wegen geringer Bildung auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance haben. Am 15. Juli sollen die ersten Hartz-VI-Empfänger also in ihr halbjähriges Vorbereitungsprogramm starten und danach oben beschriebene Arbeiten erledigen. Selbstverständlich ist die Maßnahme nicht freiwillig, bei Nichtbeteiligung kann es zu Kürzungen der Transferleistungen kommen.

Jetzt bekommen also die 1-Euro-Jobber eine Schwester namens Bürgerarbeit und dort kann man ein paar Cent mehr verdienen und ja, es handelt sich um eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit. Die Arbeitgeber erhalten von der Agentur für Arbeit für jeden Bürgerarbeitenden 1.080 EUR, 180 EUR sind als Zuschuß zur Rentenversicherung gedacht. Dazu wird die Maßnahme durch einen Coach begleitet.

Jeder Bürgerarbeitende wird drei Jahre unterstützt und dann, hofft Frau v. d. Leyen, findet dieser auf dem 1. Arbeitsmarkt eine Stelle.

Hat eigentlich die Politik noch nicht begriffen, daß es aufgrund der Technisierung, der Automatisierung der Arbeit nicht mehr für jeden in diesem Lande eine Arbeitsstelle geben wird, von deren Entlohnung gelebt werden kann?

Und was soll bitte einen 3 Jahre lang laubfegenden Bürgerarbeiter befähigen, dann auf dem 1. Arbeitsmarkt vermittelbar zu sein. Wird in 3 Jahren Laubfegen zu einer ordentlich bezahlten Arbeit?
Kann in 3 Jahren jemand vom Vorlesen leben? Was also soll der Quatsch?

Wieder wird sich eine Armenindustrie auf diese Beschäftigungsverhältnisse einstellen und wieder wird am Ende nichts anderes rauskommen als empörte Berichte darüber bei report, fakt oder frontal21.

Schön, daß wir mal drüber gesprochen haben.



Mittwoch, 7. Juli 2010

Zwei Frauen - Olga und Ruth


Ruth Ursula Beurton - der Name kein Begriff? Ruth Ursula Kuczynski? Vielleicht helfen die Namen "Sonja" oder Ruth Werner weiter.

Heute vor 10 Jahren ist Ruth Werner im Alter von 93 Jahren versorben - Kommunistin, Kundschafterin, Antifaschistin.

Als sie 1950 in die DDR kam, hatte sie bereits in China, in der Mandschurei, in Polen, in der Schweiz und in England für die sowjetischen Nachrichtendienst als Kundschafterin gearbeitet, war Oberst und ihr wurde vom Michail Kalinin ihr erster Rotbannerorden verliehen. Erfolgreich hat sie mit Richard Sorge, mit Sandor Rado, mit ihrem Mann Len Beurton (Spanienkämpfer) und mit Jim Foote (wechselte später die Seiten) zusammengearbeitet. Nie wurde ihr Sender entdeckt, nie ihr Code entschlüsselt.

1950 dann der Neuanfang. Zuerst arbeitete sie im Amt für Information (kurioserweise hat die langjährige Kundschafterin einen Panzerschrank damals nicht verschlossen und erhielt eine Parteistrafe wegen ungenügender Wachsamkeit), dann nach nahegelegter Kündigung bei der Kammer für Außenhandel. Bis zu diesem Zeitpunkt wußte in der DDR außer Wilhelm Kling (Widerstandskämpfer und ihr erster Vorgesetzter) niemand von ihrer Tätigkeit für die Sowjetunion.

Seit 1956 arbeitete Ruth Werner dann als freiberufliche Schriftstellerin.

Und da kommen wir zum zweiten Namen, zu Olga. Eines ihrer besten Bücher schieb Ruth Werner über Olga Benario-Prestes. Vieles haben beide Frauen gemeinsam. Sie sind beide in relativ wohlhabenden Elternhäusern aufgewachsen und fanden trotzdem früh ihren Weg in den Kommunistischen Jugendverband Deutschlands und später in die KPD. Beide waren aktiv in ihren jeweiligen Organisationen tätig, Olga befreite 1928 (zwanzigjährig) ihren damaligen Lebensgefährten Otto Braun aus dem Berliner Moabiter Gefängnis.

Es könnte sein, daß sich beide Frauen in China kennengelernt haben. Leider erwähnt Ruth Werner in "Sonjas Rapport" nur Otto Braun mit dessen Lebensgefährtin und keinen genauen Namen.
Andere Kommunisten kannten sowohl Ruth als auch Sonja, entweder aus Berlin, China oder Brasilien. Sabo (Elisabeth) und Arthur Ewert, das deutsche kommunistische Ehepaar war mit Ruth in China und später mit Olga in Brasilien. Im Auftrag der Kommunistischen Internationale geht Olga 1934 mit Luis Carlos Prestes, um den bewaffneten Widerstand gegen Vargas vorzubereiten. Nach dem Fehlschlag dieser Aktion wurden sowohl Prestes, Olga als auch Sabo und Arthur Ewert festgenommen.
Olga und Sabo wurden 1936 in das faschistische Deutschland ausgeliefert, eine geplante Flucht während der Überfahrt gelang nicht.

All das ist nachzulesen in dem wunderbaren Buch Ruth Werners, die wohl wie keine andere befähigt war, genau dieses Buch zu schreiben, glich sich der Lebensweg, der Lebenstraum, der Wunsch nach Kindern auch während dieser schweren Zeiten sehr auffällig. Breiten Raum widmet Ruth Werner der Fürsorge und später Sorge um das im faschistischen Kerker geborene Kind, Anita Leocadia, von Olga Benario und Luis Carlos Prestes.

Und während es Ruth Werner mit ihren Kindern vergönnt war, nach 1945 am Neuaufbau ihrer Heimat mitzuarbeiten, ging Olgas letzter Weg 1942 in die Gaskammern von Bernburg.

Der letzte Abschnitt des Buches:

"Dort stiegen sie aus und betraten durch eine kleine zweite Tür ein Gebäude. Als ihnen im Vorzimmer des Arztes befohlen wurde, die Kleidng abzlegen, gelang es Olga, nur noch schnell das Stück Papier mit der unvollendeten Reiseroute in den Saum zu schieben. - Und sie hätte doch so gern ihre letzte Aufgabe bis zu Ende erfüllt."

Bildnachweis: Ruth Werner fotografiert von Gabriele Senft




Montag, 5. Juli 2010

Международная организация помощи борцам революции (МОПР)


Für alle, die kyrillische Buchstaben nicht kennen, die Überschrift heißt wörtlich übersetzt "Internationale Hilfsorganisation der Kämpfer für die Revolution" oder einfach nur MOPR.

1925 wurde in Elgersburg von Wilhelm Pieck ein Kinderheim mit eben dem Namen MOPR eingeweiht.

„Es muss rühmlichst anerkannt werden, dass sich eine gemeinnützige Gesellschaft gefunden hat, die bereit ist, den unterernährten und erholungsbedürftigen Kindern armer Familien eine Erholungsstätte zu geben…“

Unter diesen Aufruf der Ortsgruppe Elgersburg der Roten Hilfe Deutschlands setzten kurz vor Ostern 1925 weit über hundert Elgersburger Frauen und Männer, von Clara Brehm bis Ida und Anna Will und von Franz Bergmann bis Hermann Zink ihre Unterschrift. Sie verlangten von der Thüringer Landesregierung zu genehmigen, dass, in dem von der Roten Hilfe Deutschland im Februar 1925 gekauften Heim in idyllischer Lage, ein Kinderheim eröffnet werde.

Anfang April zogen die ersten Kinder, noch vor der offiziellen Eröffnung des Heims, ein. Es erhielt den Namen MOPR, der Organisation der Internationalen Roten Hilfe. Acht von ihnen kamen aus Thüringen, Marie Heinkel und Ida Wicklein aus Sonneberg, Paul Link aus Manebach und Curt Röser aus Eisfeld, Kurt Hellmann aus Ilmenau und Erich Märker aus Greiz.

Seit Ostern fanden anfangs gut 30, später über 60 Kinder für jeweils vier bis sechs Wochen eine liebevolle solidarische Betreuung im Heim. Unter ihnen auch Kinder aus Österreich und aus Bulgarien.

Zur feierlichen Eröffnung des Kinderheims lud der Bezirksvorstand der Roten Hilfe Thüringen Freunde aus dem ganzen Land ein. Mehr als 2 000 kamen. Zu Fuß, mit der Bahn, auf Fahrrädern oder mit Fuhrwerken. Mit Gesang, Musik, mit roten Fahnen und Wimpeln. Sie geleiteten die Kinder in ihr zeitweiliges Zuhause und nahmen selbst das Haus in Augenschein.
Zitat: Rote Hilfe Südthüringen

Im März 1933 wurde im faschistischen Deutschland die Rote Hilfe verboten, das Verbot bedeutete das Ende des MOPR-Heimes in Elgersburg. Im Mai 1933 wurde in Iwanowo bei Moskau ein Internationales KInderheim der MOPR fertiggestellt. In den 30iger und 40iger Jahren bot dieses Heim vielen deutschen Emigrantenkindern ein Zuhause.

Die aktuelle Ausgabe des RF (Link auf der rechten Seite) hat zum MOPR-Heim in Elgersburg einen Artikel veröffentlicht. Und genau dieser Artikel rief in mir wieder liebgewonnene Erinnerungen wach.

Zu DDR-Zeit war das MOPR ein Ferienheim und 1977 durfte ich dort mit meinen Eltern und Geschistern einen Sommerurlaub verbringen. Die obigen Fotografien stammen aus meinem Jugendfotoalbum, die Fotos werden dem geschichtsträchtigen Ort sicher nicht gerecht.

Zur gleichen Zeit wie wir waren auch einige Genossen der SEW (Sozialistische Einheitspartei Westberlins) mit ihren Kindern dort, um ihrem Erholungsurlaub zu verbringen und damals habe ich sie um zwei Dinge beneidet: um das Scrabble-Spiel, das ich noch nicht kannte, aber schnell erlernte und um eine Harpo-LP. Den fand ich damals doch so toll und die Quartett-Scheiben gab es noch nicht. Heute ist Moviestar der Klingelton meines Handys.

Neben Ausflügen nach Stadt-Ilm mit dem Fahrrad, neben den Besuchen des Waldschwimmbades, gehörte eben auch die gemeinsame Abendgestaltung zu den Höhepunkten dieses Urlaubs. Die aber wohl stärkste Erinnerung habe ich an die dort nachmittags verzehrte beste Schwarzwälder Kirschtorte meines Lebens.

Literaturhinweis von Manfred zum Thema:
Tomin, Walentin "Aufbruch bei Nacht"
Neues Leben, Berlin , 1980


Es tut weh

wenn es der Landesverband der PdL Rheinland-Pfalz innerhalb weniger Tage sogar zweimal schafft, mit Negativ-Schlagzeilen in die Junge Welt zu kommen.
Schließlich ist Berlin weit weg und wenn man in der Hauptstadt schon merkt, daß hier einiges falsch läuft - prost Mahlzeit.

Nächstes Jahr finden hier in Rheinland-Pfalz Landtagswahlen statt und sicher hat die PdL Chancen, auch in Mainz in den Landtag zu ziehen. Allerdings helfen die Querelen um und nach der Listenverabschiedung eher nicht, sich als ernsthafte Oppositionspartei zu etablieren.

Bleibt zu hoffen, daß linke Wähler ebenso vergeßlich sind, wie die, die trotz ständigem Sozialabbau immer wieder CDU und SPD wählen.


Sonntag, 4. Juli 2010

Bewährungsstrafe für einen Polizisten


In der Sylvesternacht 2008 wurde in Schönfließ (liegt bei Berlin) der kriminelle Dennis J. von Polizistenkugeln tödlich getroffen.

Gestern fiel nun gegen den Beamten das Urteil: Zwei Jahre auf Bewährung.

Wer sich nicht mehr an den Fall erinnern kann, hier die Chronologie:

Spiegel vom 01.01.2009
Spiegel vom 02.01.2009
Spiegel vom 07.01.2009
Spiegel vom 12.01.2009
Spiegel vom 13.01.2009
Tagesspiegel am 12.04.2010
Spiegel vom 03.07.2010

In meinem Geschichtsunterricht nannte man so etwas Klassenjustiz. Ich bin aber auch in einem "Unrechtsstaat" groß geworden und stehe vor den gerichtlichen Urteilen des Rechtsstaats BRD mitunter nur mit Entsetzen.

Nachbemerkung: Nein, Dennis J. war keine Stütze dieser Gesellschaft und für seine Straftaten hätte er, haftempfindlich oder nicht, hinter Gitter gehört, aber eben hinter Gitter, nicht auf den Friedhof.


Alle vier Jahre hochaktuell


Niederlage

Ein stolzes Volk ist seines Ruhms beraubt,
Genauer:
das ganze Volk verbirgt sein Haupt
in tiefer Trauer
Nie ward es von solchem Schicksalsschlag
getroffen.
Es weint, es klagt. Und niemand mag
mehr hoffen.
Nichts hilft, daß es einst der Großen viel
geboren.
Es hat im letzten Fußball-Länderspiel
verloren.

Rudi Strahl


Das Gedicht fand ich übrigens in "Unser Lesebuch Klasse 8" Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin 1979



Samstag, 3. Juli 2010

Mittelalter BRD 2010


Die römisch-katholische Kirche als Träger sozialer Einrichtungen darf als Mitarbeitern kündigen, die ein zweites Mal heiraten, so jedenfalls sah es am Donnerstag das LAG Düsseldorf, da diese Mitarbeiter damit gegen die katholische Glaubens- und Sittenlehre verstoßen. Damit stärkte das LAG das im GG festgeschriebene weitgehende Selbstbestimmungsrecht der katholischen Kirsche.

Im konkreten Fall eines Krankenhauses sah das LAG Düsseldorf die Kündigung als ungesetzlich an, da ähnliche Vorfälle bei diesem Träger in der Vergangenheit nicht mit arbeitsrechtlichen Sanktionen belegt wurden. Damit sei gegen das Gleichbehandlungsgesetz verstoßen worden.

Ich gebe es zu, manchmal komme ich mir in diesem Staat vor wie im Mittelalter. Eine Kündigung wegen einer zweiten Ehe? Wo leben wir denn?

Träger dieses Krankenhauses ist also die RKK, aber finanziert das Ganze auch die Kirche und ihre Mitglieder durch die Kirchensteuer, um dieses Selbstbestimmungsrecht auch irgendwie zu untermauern?
Nein, wohl eher nicht. Beim Googeln, um ja nichts falsches zur Finanzierung kirchlicher sozialer Einrichtungen zu schreiben, fand ich folgenden Artikel.

Das sind genau die Momente, in den ich mich ernsthaft frage, in welcher Gesellschaft bin ich eigentlich gelandet, in der ein Landesarbeitsgericht befinden kann, solche Kündigungen sind rechtens. Eigentlich denke ich noch was ganz anderes, aber...

Bildnachweis: Kath. Kirche in S.-E.



Freitag, 2. Juli 2010

He, den finde ich gut

den Artikel und natürlich besonders das Bild in ihm.

Es gibt sicher besser formulierte Artikel, ausrecherchierte Kommentare in der Bloggerszene zum Thema Bundespräsidentenwahl im Jahr 2010, aber dieser Hinweis auf den 1. und einzigen Präsidenten der DDR gefällt mir am besten.


Donnerstag, 1. Juli 2010

Vor 20 Jahren


an diesem 1. Juli fand in der DDR die Währungsunion statt. Von gestern auf heute hatten alle DDR-Bürger die D-Mark in der Hand und die überwältigende Masse meinte wohl, nun im Paradies zu sein. Wurden die Schaufenster doch bunter und ja, wurde der Markt der DDR mit Waren überschwemmt, die man in diesem Lande sonst nur aus dem Intershop kannte.

Was vielen damals nicht bewußt war, daß sie mit dieser gewollten D-Mark ihren eigenen Arbeitsplätzen das Wasser abgruben. Wie sollte eine Wirtschaft, der es zu diesem Zeitpunkt nicht gut ging, diesen Kaltstart überleben, wenn aus Westen auf einmal die Überproduktion (auch noch schön bunt) auf allen Ladentheken lag.

Heute, 20 Jahre später, haben die neuen Bundesländer die höchsten Arbeitslosenzahlen, ist in ihnen der ärmste Kreis zu finden, mußten viele Menschen ihre Heimat verlassen, um überhaupt Arbeit zu finden.

Und viele, die Karl-Eduard von Schnitzler mit seiner Sendung "Der Schwarze Kanal" getreu westdeutscher Vorgabe als Sudelede beschimpften, mußten am eigenen Leib erfahren, wie recht er mit seiner Kapitalismuskritik, natürlich bezogen auf den damaligen 2. deutschen Staat, hatte.