Donnerstag, 1. Oktober 2009

Den Wolken ein Stück näher

Ich bin ob des Wahlergebnisses für die FDP, ich gebs zu, immer noch sprach- und ratlos und so erscheint heute ein Beitrag, den ich schon vor Wochen geschrieben habe. Er gefällt mir nicht mal zu 100 %, weil es mir hier nicht gelingt, klar auszudrücken, was mir bei diesem Beitrag eigentlich wichtig ist.

Bücher gehören zu meinem Leben, irgendwie schon immer. Vielleicht, weil es zu meiner Kinder- und Jugendzeit kein RundumdieUhr-Fernsehen gab, vielleicht, weil die DDR ein Leseland war, vielleicht auch nur, weil meine Mutter uns über den Vorankündigungsdienst (VD) immer mit guten Büchern versorgt hatte.

Und Lesen, das war etwas, darüber konnte man sich unterhalten, über Bücher wurde gesprochen. In der Zeit, in der nebenstehendes Buch geschrieben und gelesen wurde, war die Wahrscheinlichkeit sehr sehr groß, daß es der eine oder andere Freund tatsächlich auch gelesen hatte.

Heute habe ich sicherlich mehr Auswahl an Büchern, ich weiß nicht, wie oft in der Woche es zig Neuerscheinungen gibt und es gibt auch genug davon, jeder könnte es sich kaufen oder leihen oder oder oder.

Nur eines ist relativ unwahrscheinlich, daß ich mich über ein neu gekauftes, ein geliehenes Buch mit jemanden aus meiner Nähe unterhalten kann und da kann ich wahrlich nicht behaupten, die Menschen um mich rum würden nicht lesen. Nein, kaum sitzt man im Bus, wird auch schon da Buch gezückt und die Heimfahrt wird lesend verbracht. Heute stand in meiner Zeitung, daß auch Sarah Palin im Oktober ein Buch, ihre Memoiren, veröffentlicht. Die Frau ist 45 Jahre alt, wer bitte braucht der ihre Memoiren. Aber auch bei dem Geschäft geht es um Masse, nicht um Klasse.

Mit dem Fernsehen das gleiche, ein Gespräch über TV-Ereignisse gibt es nicht mehr, weil Dein Zimmerkollege gerade eine Kochsendung gesehen hat, während Dir die Kiezgeschichten wichtig waren, eine Kollegin von gegenüber mußte den Auswanderern zusehen.

Alle freuen sich über die Freiheit anzuschauen, was ihnen gefällt, nur die zwischenmenschlichen Beziehungen leiden meiner Meinung sehr darunter.
Frage an Euch, welches TV-Ereignis oder welche Neuerscheinung bei Büchern hat als letztes eine Diskussion außerhalb des Familienkreises hervorgerufen. Bei mir war es "Nur eine Tablette" oder so, den Film hatten außer mir doch tatsächlich noch 2 andere Kolleginnen gesehen.



Kommentare:

neanada hat gesagt…

Oh, liebe Jette, die Frage musst du anders stellen: Worüber, wenn nicht über's Wetter, über Baustellen oder Sonderangebote unterhält man sich denn überhaupt noch außerhalb des Freundeskreises?
Anders kann ich dir deine Frage leider nicht beantworten.
Die Vielfalt an Themen (bei denen eben leider Masse statt Klasse vorherrscht) entzweit uns aufgrund der dadurch fehlenden Berührungspunkte.
Ich war früher auch eine Leseratte. Heute fühle ich mich in Bücherläden oft verloren. Es gibt sooo viele Bücher - aber welche davon sind wirklich gut? Du glaubst es vielleicht nicht, aber 3/4 meines Bücherschranks sind voll mit alter DDR-Literatur. Übrigens auch Marx, Engels und Lenin. Gestern habe ich "Meyers Jugendlexikon" ausgegraben - meine Güte! Was wir damals alles wussten/wissen durften!!!

Nadja Norden hat gesagt…

Meine liebe Jette,
Nein, da hast Du dir ganz klar ausgedrückt. Mir gefällt diesen Beitrag besonders, spricht mir wirklich aus dem Herzen. Ich will es dann auch in meinem Blog übernehmen. Ich nehme gerne Beiträge von Freundinnen über, das erfreut sie und bereichert meinem Blog.
Nun aber zur Sache: Tatsächlich war die DDR ein Leseland, ein Bildungsland. Auch wenn wir relativ wenig verdienten aber ich war fast jeden Tag in der Buchhandlung „Ulrich von Hütten“ in Frankfurt (Oder) und bei Fahrten nach Berlin, Dresden oder Leipzig ging mehr Zeit drauf in den Büchergeschäfte dann sonstige Läden. In der Stadtbibliothek war ich auch wie ein Kind vom Hause. Und wie wahr! In der DDR hat man sich lebhaft über unsere Lektüren unterhalten, gar diskutiert. Es gibt im „freien“ Westen zwar auch Möglichkeiten dazu, aber das kann man kaum vergleichen mit bei uns.
Beim Umzug haben wir über 750 DDR Titeln im Container nach Belgien mitgenommen. Die, von unseren Zollorganen genehmigte, Liste habe ich immer noch. In den ersten Jahren daβ ich hier war, besuchte ich noch die Büchermesse in Brüssel. Da ging das Geld nach dem Stand vom Buchexport Leipzig, wo man „Bückware“ angeboten bekam, um jeden Bücherliebhaber in der DDR neidisch zu machen. Ein Beispiel nur das „Sächsische Wörterbuch“…Ich höre auf, weil ich im Schwärmen komme, mich stundenlang über Leseland DDR unterhalten konnte.
Ich schrieb es schon mal das Fernsehen ist bei mir im Hause nicht vorhanden. Aber ich erinnere mich lebhaft wie unsere Sendungen auf Arbeit diskutiert wurden. Es war auβerdem interessant zu erfahren wer (und besonders wieviel) „West“ guckte. Ich gebe zu, eine Hetzsendung wie „Kennzeichen D“ ‚muβte’ man ‚umgekehrt’ gucken, die meisten Bürger, auch Genossen, wollten „vergleichen“. Das war eben Teil von der Befehdung der DDR durch den Klassenfeind. Wobei die Qualität der Sendungen doch weit überwiegend auf unsere Seite war.
Bis zum nächsten Mal grüβt ganz lieb
Deine Freundin
Nadja

Nadja Norden hat gesagt…

Neanada,
Mir geht es ganz ähnlich. Ich kaufe, wenn möglich, noch immer alte DDR Bücher dazu. Auf dem Gebiet der Gesellschaftswissenschaften habe ich eine wirklich wertvolle Kollektion von den Büchern die in den revisionistischen Jahren nicht mehr beliebt waren, so auch die dreizehnbändige DDR Ausgabe der Werke von J.W. STALIN.
Trotz Internet bin ich eine DDR Leseratte geblieben. Ich lade Dir übrigens ein auch meinem Blog zu besuchen. Eine Begrüβung erfreut immer.
GLG,
Nadja