Montag, 7. November 2011

Afghanistan, Irak, Libyen und jetzt der Iran?


Heute jährt sich zum 94. Mal der Tag des Beginns der Oktoberrevolution. Nach dem julianischen Kalender wurde der 25. Oktober 1917 geschrieben, daher rührt der Name der Revolution.

Zu dieser Zeit befand sich Europa im I. Weltkrieg - das Russland der Doppelherrschaft (Sowjets und Provisorische Regierung), Frankreich, England auf der einen Seite, Deutschland, Österreich-Ungarn, Bulgarien und die Türkei auf der anderen Seite.


Einen Tag, nachdem der Smolny in Petrograd (damalige Hauptstadt des Russischen Reiches) in der Hand der Bolschewiki war, wurde als erste Amtshandlung der neuen Regierung das Dekret über den Frieden verabschiedet.

Die diesbezüglichen Verhandlungen mit Deutschland sind als Frieden von Brest-Litowsk in die Geschichte eingegangen.

94 Jahre später gibt es weder die aus dem Russischen Reich durch die Oktoberrevolution hervorgegangene Sowjetunion noch die im Ergebnis des II. Weltkrieges entstandene sozialistische Staatengemeinschaft. Damit ist allerdings auch das Gleichgewicht der Kräfte sowohl in Europa als auch in der Welt abhanden gekommen und damit auch der Kampf um den Frieden.

Heute wird nicht mehr um den Frieden gekämpft, nein es scheint völlig selbstverständlich zu sein, daß ich als Kommentar heute morgen in der Mainzer Allgemeinen lesen muß: "...Dann wird es zu einem Militärschlag kaum noch Alternativen geben, will man am Persischen Golf keine unberechenbare Atommacht dulden. ...Morgen liegen die Beweise auf dem Tisch. Sind sie eindeutig, tickt die Uhr."

Es sind diese Kommentare, auch in Foren vielgelesener Onlinemagazine, die mir die Gänsehaut über den Rücken laufen lassen. Hier wird über Militärschläge debattiert als wenn es das auswärtige Abendessen übermorgen ist, werden Erfolgschancen abgewogen als hätte es nie einen 2. Weltkrieg und seine Schrecken gegeben.

Ist es wirklich schon so lange her, muß denn jede Generation der Weltbevölkerung wirklich ihren eigenen Krieg erleben?




Mittwoch, 21. September 2011

Nun also doch - die Giftspritze soll heute verabreicht werden


Einer der ersten Artikel in meinem Blog handelte von Troy Davis, dem damals 39-jährigen, der in Georgia in der Todeszelle sitzt.

Nachwievor gibt es ernste Zweifel daran, daß er den ihm zur Last gelegten Mord auch begangen hat.Mehrere Zeugen sagen aus, sioe wurden vor 20 Jahren zu ihren Aussagen gedrängt, eine Geschworene würde mit dem heutigen Wissen nicht mehr für "schuldig" plädieren.

All das macht auf den Gnadenausschuss, der am Montag tagte, keinen Eindruck. Troy Davis soll heute nacht 01.00 Uhr MESZ durch die Giftspritze hingerichtet werden.

Es geht mir hier nicht um eine Polemik gegen die Todesstrafe, auch wenn ich sie als Rache der Gesellschaft, als auch einen Mord und eben keine Strafe ansehe und es dazu viel zu sagen gäbe. Aber wenn auch nur der geringste Zweifel an der Schuld eines Verurteilten besteht, dann die Todestrafe zu vollziehen, damit stellt sich wohl eine Gesellschaft, die dieses zuläßt, außerhalb aller Rechtsstaatlichkeit.

Kleine Meldung auf der Panorama-Seite


Ja, manchmal denke ich schon, ich gehöre zu den Leuten, die ständig schreien: "früher war alles besser". Das hat allerdings weniger mit dem Begriff "früher" zu tun, als mit der Gesellschaftsordnung, in der ich aufgewachsen bin und die es eben heute nicht z. Zeit in Eueropa nicht gibt.

Und wenn ich kleine Artikel wie einen mit der Überschrift "Schüler sollen eigenes Klopapier mitbringen", ja, dann bin ich ganz schnell wieder bei früher, d. h. meiner Schulzeit, die eben mal 33 Jahre zurückliegt.

In einer Grundschule in Wittenberg (Sachsen-Anhalt) sollen die Schüler jetzt ihr eigenes Toilettenpapier mitbringen, da es immer wieder absichtlich beschmutzt wird und wiederholte Belehrungen, Informationen und Diskussionen keine Besserung gebracht haben, schreibt sinngemäß die "Mitteldeutsche Zeitung" in Halle.

Dunkel erinnere ich mich, daß die Toiletten und deren Sauberkeit bereits in den Jahren meiner Schulzeit ein absolutes Dauerthema waren. Hierbei muß allerdings berücksichtigt werden, daß in den Schulen, die ich besucht habe, Schüler zwischen 6 und 16 Jahren alt waren, also auch Kinder, die sich im "Halbstarkenalter" befanden. Neben der Tatsache, daß oft genug kein Toilettenpapier mehr da war, also eigenes in der Schultasche irgendwo schon Sinn machte, gab es bei Dummheiten auf der Toilette auch mal unschöne Folgen, wie das Putzen eben dieser. Und Putzen unter Aufsicht unseres strengen Hausmeisters Herrn Buder, zumindest die unteren Klassenchargen taten sich das eher nicht an.

Die Grundschulen in Sachsen-Anhalt bedienen die Schuljahre 1 - 4, also sind die älteren Kinder zwischen 10 und 11 Jahre alt.

Wenn allerdings eine Schulleitung einer Grundschule zu dieser Maßnahme greifen möchte, ist da eine gehörige Portion Hilflosigkeit, ja Resignation im Spiel. Ich finde es traurig, wenn Eltern und Lehrer es bei noch recht jungen Schülern nicht mehr schaffen, bestimmte Werte zu vermitteln. Es ist nur eine kleine Meldung, und nicht unbedingt die Tatsache an sich finde ich bedrückend, sondern die Begründung.


Sonntag, 11. September 2011

Der 11. September


Es gibt Bilder, die brennen sich einem ins Gedächtnis. Dazu gehört für mich nebenstehendes, dazu gehören ein ganz bestimmtes Juri-Gagarin-Foto und eben auch das der beiden rauchenden Türme des World Trade Centers.

Ich glaube, ich habe es in diesem Blog sogar schon einmal geschrieben, mit Entsetzen saß ich vor dem Fernseher und hörte Peter Klöppel zu (ja, ich habe vor 10 Jahren mitunter RTL geschaut), als in dem kleinen Bild das zweite Flugzeug in den zweiten Turm steuerte.

3.000 Menschen verloren ihr Leben, 3.000, von denen heute höchstwahrscheinlich noch viele leben würden, hätte es diese Anschläge nicht gegeben.
Eine Nation im Schockzustand, eine Nation, deren Regierung seitdem zurückschlägt - zurückschlägt.

Viele Opfer haben die ca. 3.000 vom 11.09.2001 nach sich gezogen, Im "Kampf gegen den Terror" wurde 2001 Krieg nach Afghanistan getragen, wurde 2003 der Irak angegriffen, werden Drohnen nach Pakistan geschickt und in allen diesen Ländern gibt es zivile Opfer, die wie die Opfer des 11. September unschuldig sind.

Und als wären es nicht genug Opfer (und in den besagten Ländern wird es weitere geben), meint Tony Blair inzwischen, man hätte sich mit dem Irak geirrt, nun aber wisse man, der böse Terroristenunterstützerstaat ist der Iran und deshalb kann man ja mal über militärische Maßnahmen nachdenken. Den 11. September 2001 nehmen die USA und ihre Verbündeten seitdem als Freibrief, um ihre Weltpolizeirolle nach Belieben zu festigen und auszubauen.

Wer früher durch die DDR gefahren ist, hat eine Losung sehr oft gelesen: Je stärker der Sozialismus, desto sicherer der Frieden. Mit jedem Tag der nachsozialistischen Zeit bewahrheitet sich diese Losung mehr.

PS.: Ich habe dieses Bild gewählt, weil die rauchenden Türme im Moment einfach zu oft verwendet werden.


Donnerstag, 1. September 2011

Weltfriedenstag


Mit dem 1. September verbinden sich für mich zwei Erinnerungen, zuerst war es alljährlich der 1. Schultag, der erste Tag in einem neuen Lehrjahr oder aber mit diesem Tag begann ein neues Studienjahr.

Der erste Schultag im Jahr, das war auch ein Tag mit einem Fahnenappell und Mittelpunkt dieses Apells war alljährlich der Weltfriedenstag, in der DDR seit den 50er Jahren in Mahnung an den Beginn des 2. Weltkrieges am 1. September 1939 begangen.

Kuba (Kurt Bartels) übersetzte die 1. Strophe des Liedes "Für den Frieden der Welt" in einer Zeile mit: "...denn die Brandstätten warnen und mahnen...".

Vielleicht hätten einige Brandstätten erhalten bleiben sollen als Mahnung für den Frieden, gegen den Krieg, wird doch inzwischen erstaunlich oft auch in der BRD wieder vom Krieg als politisches Mittel geredet, bestes Beispiel die Bombardierung Libyens durch die NATO.

Brauchen wir wirklich erst wieder einen großen Krieg, der auch in unsere Häuser, in unsere Familien einbricht, um uns des Schwures unserer Großeltern "Nie wieder Krieg" zu erinnern?



Samstag, 13. August 2011

Mich hat sie geschützt



Die Tatsache meiner Geburt im Dezember 1961 verdanke ich wohl auch dem Umstand der Grenzschließung "erst" am 13. August gleichen Jahres.

Viel von dem, was ich bin, was ich denke, wie ich handele wohl dem Umstand, daß sie bis zum 09. November 1989 gehalten hat.


Sonntag, 7. August 2011

Die Partei Die Linke

mag sich durch vieles auszeichnen, ganz sicher allerdings nicht durch ihre Nähe zum Kommunismus. Selbst dann nicht, wenn deren eine Vorsitzende vor Monaten das Wort Kommunismus tatsächlich mal in den Mund nahm.

Für mich zeichnet sich diese Partei nur noch durch eines aus, durch ihr Bekenntnis, sich nicht an Kriegseinsätzen zu beteiligen, das ist inzwischen der einzige Grund, warum diese Partei bei Wahlen meine Stimme erhält.

Nichtsdestotrotz verlangt der CSU-Generalsekretär Dobrindt jetzt sowohl eine schärfere Überwachung der Partei die Linke als auch die Prüfung eines Verbotsverfahrens.

Wie oft darf ich mir eigentlich anhören, neofaschistische Meinungen muß eine Demokratie (wo bitte gibt es die) aushalten, wenn es anscheinend schon wieder opportun ist, sozialdemokratische Parteien (selbst, wenn sie in diesem Spektrum noch unter linker Sozialdemokratie laufen) verbieten zu lassen.

Für alle, die ihn nicht kennen, den grundgesetzgefährdenden, nur nur ein solches Vorgehen rechtfertigt wohl einen Verbotswunsch, Programmentwurf, hier kann man ihn nachlesen.


Montag, 27. Juni 2011

Nachtrag


Nie hätte ich gedacht, daß mein doch recht persönlicher und von den einzelnen Veranstaltungen her nicht sehr umfangreicher Beitrag zum Pressefest in Dortmund soviel Reaktionen hervorruft. Aber natürlich freue ich mich darüber sehr.

Was kann ich auf die einzelnen Zuschriften antworten?
Norbert, ich selbst bin nicht Mitglied der DKP, gebe zu, die dortigen Strukturen und auch die Kämpfe der einzelnen Richtungen wenig zu kennen. Da ich mich größtenteils im Zelt der DKP Ost bzw. bei den RotFüchsen aufgehalten habe, sind mir die von Dir angesprochenen Personen nicht über den Weg gelaufen, damit meine ich nicht Steiniger, Keßler, Ganzauge, Czichon usw., denn die habe ich ganz bewußt gesucht.

Thomas, auf dem Pressefest selbst habe ich wenig von der hessischen Bezirksorganisation (nennt man das so) mitbekommen, aber in meinem Hotel haben auch Genossen aus Hessen gewohnt. Einem Ehepaar bin ich sehr dankbar, denn die haben mich mit ihrem Auto am Samstag mit auf das Gelände genommen, so daß mein kleiner Silberflitzer in der Garage stehenbleiben konnte. Ich weiß leider nicht, wie sie heißen, sonst könntest Du einen Gruß ausrichten.

Andreas, ja die Singgruppe Albatros hat mich beeindruckt, es ist irgendwie nicht alltäglich, daß sich eine Ruhrpottgruppe mit den Lieder der FDJ beschäftigt. Übrigens habe ich in meinem gestrigen Bericht ein wichtiges Lied vergessen, das Solidaritätslied. Nicht nur das Lied hat mir gefallen, sondern auch die dazugehörige Ansage.
Es war ein wunderschönes Gefühl, als sich beim Anstimmen der Nationalhymne der DDR alle Zeltinsassen erhoben haben...ja einfach nur schön.

PS: Leider hat die Telekom mal wieder mein Internet geklaut, ich bin mit einem Stick drin, der mich allerdings mehr trennt als surfen läßt. Es kann also sein, daß ich nicht sehr schnell reagieren kann und auf den heute geplanten Artikel habe ich auch nicht mehr wirklich Lust.


Sonntag, 26. Juni 2011

17. Pressefest der UZ


Da bin ich also wieder zurück. Wie schon vor 2 Jahren, habe ich das "Fest der Solidarität" der DKP in Dortmund, im Wischlinger Revierpark besucht.

Wieder waren es schöne Begegnungen, natürlich mit Anne, die mich dabei ein wenig an die Hand nimmt, ich kenne dort ja kaum einen.

Am meisten hat uns das Programm im Zelt "Roter Brandenburger" angesprochen, so haben wir auch dort die meiste Zeit verbracht. Hätte es nicht den ganzen gestrigen Tag geregnet, wären wir sicher mehr auf dem Freigelände rumgelaufen, so saßen wir zumeist eben im Zelt.

Zwei Diskussionen hatten mir es besonders angetan. Bereits am Freitag abend, ich kam gerade so zum Beginn hin, haben Eberhard Czichon und Wiljo Heinen über die Notwendigkeit, eine neue Thälmann-Biografie zu schreiben, diskutiert. Es ginge nicht darum, die Thälmann-Biografie, die 1980 im Dietz-Verlag erschienen ist, zu widerlegen, sondern sich dort befindliche Lücken zu füllen. Ausgehend von dem Ziel, eine Geschichte der KPD zu schreiben, haben Heinz Marohn und Eberhard Czichon während der Vorarbeiten erkannt, daß sie diese Arbeit nicht mehr schaffen würden und sich dann auf den Thälmann-Report konzentriert.
Von mir wäre hier anzumerken, daß sich hoffentlich ein linker Verlag mal der Neuauflage der 8-bändigen "Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung" annimmt, es erscheint mir persönlich für die Auseinandersetzung junger Sozialisten und Kommunisten mit der Geschichte sehr sehr wichtig.

Die Gruppe Albatros (den Namen haben sie sich nach einem Lied von Karat gegeben) überraschte dann bereits am Freitagabend mit FDJ-Liedern. Es war schön, mal wieder Lieder wie "Der Zug fährt auf stählernen Gleisen", "Hab'n Se nich noch Altpapier" u.a. lautstark mitzusingen, Anne und ich erwiesen uns dabei als erstaunlich textsicher. Nochmal durften wir Albatros am Samstag erleben, beides Mal beendeten sie ihr kurzes Programm mit unserer Nationalhymne, erstens heute hochaktuell und davon abgesehen - ein wunderschönes Lied.

Überhaupt war der Freitagabend der Abend des Singens, kurz bei Jane Zahn vorbeigeschaut und lautstark in "Bella ciao" eingestimmt, weitergewandert zu Achim Bigus in den Jugendtreff der SDAJ, wo wir gleich nochmals "Bella Ciao" anstimmen konnten. Seine musikalische Reise ging vor allem durch Lieder des spanischen Bürgerkrieges.

Am Samstag haben wir als erstes den RotFuchs-Stand in der Eishalle besucht, ein Schwätzchen mit Klaus Steiniger und den Genossen vom Stand, waren der richtige Auftakt für den Diskussionstag.

Die zwei Stunden mit Heinz Keßler, Hans Bauer, Dr. Seltsam und Günter Ganzauge vergingen wie im Flug. Vorgestellt wurde das Buch von Keßler und Streletz "Ohne die Mauer hätte es Krieg gegeben". Da sich in Kürze der Tag der Grenzschließung zum 50. Mal jährt, steht uns dort medial bestimmt einiges ins Haus. Der 91-jährige Heinz Keßler strahlte eine Kraft aus, die mir wahnsinnig imponiert hat. In vollkommen freier Rede beantwortete er die ihm gestellten Fragen. Auch Günter Ganzauge, der die Informationsstelle der Grenztruppen am Brandenburger Tor geleitet hat (daß es sowas gab, war mir übrigens völlig unbekannt) hat mir in der Diskussion gefallen. Er sprach u.a. vom Eintrag Gorbatschows in das Gästebuch der Informationsstelle und wie sehr sich diese Verlautbarung doch von dem unterschied, was der Herr später nach der Vereinnahmung meiner Heimat von sich gab.

So sind zwei Tage wieder Geschichte, die mir viel gegeben haben, die ich nicht missen möchte und die mich schon jetzt den Entschluß fassen lassen: in zwei Jahren bin ich wieder dabei, auf ein Neues, Anne!!!

Bildnachweis: J. B., 25.06.2011, v.l.n.r. auf dem Podium, soweit zu erkennen: Bauer, Keßler, Ganzauge, Dr. Seltsam


Donnerstag, 26. Mai 2011

Der Profit muß eben stimmen

Immer wenn die Riege um die Sprechblase im Hosenanzug zu denken anfängt, sträuben sich mir schon mal vorsichtshalber die Haare. Zumeist wohl aus gutem Grund.

Seit vorgestern denken die nun darüber nach, den am Hungertuche nagenden Stromkonzernen die Brennelementesteuer zu erlassen. Schließlich müssen die Konzerne ja auf die Gewinne aus der einkassierten Verlängerung der Atomkraftlaufzeiten verzichten.

Ich gebe zu, ich brauche immer ein paar Stunden, über solche Neuigkeiten nachzudenken. Die Zeit ist schnellebig und vieles schnell vergessen.
Aber dann fiel mir wieder ein, die Brennelementesteuer mag ja ein Deal im 5. Hinterstübchen mit den Konzernen gewesen sein, allerdings ist sie nun mal Teil des Sparpaketes, beschlossen am 01.09.2010 und nachzulesen in verlinkter Tabelle unter dem Punkt "Beteiligung der Unternehmen". Die Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke wurde am 06.09.2010 beschlossen.

Danach sollten die Energiekonzerne völlig unabhängig von der Brennelementesteuer eine Abgabe für den Ausbau von erneuerbaren Energien leisten, nachzulesen bei n-tv im entsprechenden Artikel vom 06.09.2010.

Stelle nur ich mir jetzt die Frage, wer will uns da eigentlich für dumm verkaufen?


Bildnachweis: von den Grünen in Niedersachsen geklaut



Samstag, 21. Mai 2011

Es gibt

schon Nachrichten, die hauen Dir eben im ersten Moment einfach in den Magen. Sie kommen irgendwo aus heiterem Himmel und Du bist ihnen erst einmal schutzlos ausgeliefert.

Eigentlich sollte die Woche (vier Tage war ich in Erfurt zu einer Tagung) gestern nur entspannt auslaufen, aber gestern Punkt 11.00 Uhr war das Wochenende einfach gelaufen.

Mag sein, daß es nach und für Basel III sinnvoll ist, beide Förderinstitute zusammenzuschließen, doch so eine Nachricht aus dem Nichts tut einfach im ersten Moment weh.


Sonntag, 15. Mai 2011

Es ist gut so


24 Stunden lang habe ich mich über die Nachricht geärgert, daß Täve nicht in die sogenannte "Hall of Fame" aufgenommen wurde. Geärgert, weil der Friedensfahrtsieger, der Weltmeister und Medaillergewinner zweier Olympischer Spiele keine Beachtung gefunden hat.

Aber Leute, was soll Täve in einer solchen Halle der Deutschen Sporthilfe? Gerade Täve, populärster Sportler der DDR, kann wohl auf eine solche Ehrung verzichten. Hat er Unterstützung durch diese Einrichtung erhalten? Nein, er war Sportler in der DDR und hatte neben seinem Fleiß, seinem Talent die Unterstützung seiner Familie, seiner Trainer, seiner Freunde und eben jenes jungen Staates, der heute so geschmäht und kriminalisiert wird.

Als ich aus Klaus Huhn's Artikel in der Jungen Welt erfuhr, wer denn so in der Deutschen Sporthilfe etwas zu sagen hat, kam ich eben zu dem Schluß, es ist gut so!!!

Bildnachweis: http://www.historisches-bevensen.de/blog/images/Taeve_Schur_Doppelbild.jpg


Samstag, 14. Mai 2011

Von nix 'ne Ahnung,

aber davon eine Menge.

Nachdem ich pünktlich zum Schnelldurchlauf des Eurovision Song Contest den Fernseher eingeschaltet habe, will ich doch glatt meine Wertung hier abgeben. Wie gesagt, von derzeitiger Mainstreammusik und ein wenig rechts und links daneben, habe ich null Ahnung, deshalb würde ich eh nur viermal Punkte vergeben:

1. Platz: Finnland
2. Platz: Ukraine
3. Platz: Frankreich
4. Platz: Dänemark.

Tja, irgendwie bin ich nicht von dieser Welt, denn mehr gefiel mir im Schnelldurchlauf nicht.

Sonntag, 8. Mai 2011

Tag der Befreiung


Oft habe ich sie gelesen, die "Kriegstagebücher" von Konstantin Simonow, in denen er seine Erlebnisse als Frontkorrespondent schildert.

Auch die Geschehnisse des 8. Mai 1945 finden sich im 2. Band, war er doch Augenzeuge der Kapitulation in Berlin-Karlshorst.

Momente einige Stunden vor dem historischen Ereignis beschreibt er so:

"Wir verbrachten einige Tage in Berlin und fühlten täglich deutlicher, daß die Kapitulation Deutschlands vor der Tür stand. Schon kursierten Gerüchte, die der Wahrheit mehr oder weniger nahe kamen, und dann wurden spätabends alle in Berlin arbeitenden Korrespondenten, soweit sie irgendwie erreichbar waren, kurzfristig zum Stab der Front bestellt. Wir hatten die Stadt verlassen und befanden uns auf halbem Wege zum Stab, als wir plötzlich ein rasendes Feuer Feuer hörten und sahen. Ringsum erhellten Leuchtspurgeschosse und Granaten den Horizont. Da wußten wir, der Krieg war zu Ende. Nichts anderes konnte dieses Feuerwerk bedeuten. Und plötzlich fühlte ich mich elend. Ich schämte mich vor meinen Begleitern, mußte aber schließlich doch aussteigen. Ich verspürte ein krampfhaftes Zucken in der Kehle und in der Speiseröhre, der Speichel lief mir zusammen, bitterer Geschmack, Galle. Ich weiß nicht, wovon. Wahrscheinlich von der Anspannung der Nerven, einer Überlastung, die sich in dieser unangenehmen Weise äußerte. Während der ganzen vier Kriegsjahre war ich in jeder Lage bemüht gewesen, mich zu beherrschen und das war mir wohl auch gelungen, doch hier, in diesem Augenblick, als ich begriff, daß der Krieg aus war, erschütterte mich etwas und die Nerven versagten. Meine Genossen lachten nicht und spotteten nicht, sie schwiegen."

Quelle: Kriegstagebücher, Zweiter Band 1942 - 1945, Verlag Volk und Welt, 1. Auflage 1979, S. 694


Dienstag, 3. Mai 2011

Der neue RotFuchs ist da


und ja, es erfüllt mich mit Stolz, daß es einer meiner Blogbeiträge in ihn hineingeschafft hat. Nicht als Leserbrief, sondern als richtiger Beitrag.

Trotzdem muß ich eine kleine Kritik loswerden. Natürlich können die Redakteure Beiträge aus meinem Blog, die es ihnen wert erscheinen, im RF veröffentlicht werden.
Nur, eine kleine Information wäre nicht schlecht, es ist schon etwas peinlich, wenn mir zu einem Beitrag, wie gestern geschehen, gratuliert wird und ich nichts von der Veröffentlichung weiß. Bei mir kam der RF nämlich erst heute.

Ich freue mich doch, wenn hier ab und zu auch die Macher des RotFuchses reinschauen, das ist doch eine Anerkennung, über die Frau sich freut.

Bildnachweis: Herresbach, www.comixfuzzy.de

Sonntag, 1. Mai 2011

1. Mai - Kampf- und Feiertag der Werktätigen


Rote Nelke

Millionen
haben sie Jahr für Jahr
in den Mai getragen.
Generationen
wachten, daß sie nicht welke.
Trotzig funkelte sie in schlechten Tagen,
leuchtend erstrahlte sie in guten Tagen,
immer aber blühte sie wunderbar,
die rote Nelke.

Millionen
haben sie Jahr für Jahr
in den Mai getragen,
junge Bekenner
an riemengesicherter Mütze,
eisgraue Männer
am zerbeulten Revers
des Arbeitslosenjacket,
Frauen mit kühnen
Augen, die nicht fürchtend die Spitze
des Bajonetts
am Gewehr
der Grünen.

Einige
gab es im Lande,
die holten sie Jahr für Jahr
als Dreck
und Schande
mit dem Maiertag war,
aus tiefem Versteck
für Minuten ans Licht,
dann trugen sie ihre Farben
in dem von Kummer und Darben
gezeichneten Gesicht.
Die russischen Brüder
erschlugen
den braunen Tod.
Nun trugen
Millionen wieder
ihr helles Rot
aus tiefer Nacht
in das Maienlicht
und geben acht,

daß sie nicht
noch einmal welke:
trotzige, liebliche,
heimliche, flammende
Nelke.

Hasso Grabner

gefunden in: Der Sputnik ist unser Zeichen, Der Kinderbuchverlag Berlin, 2. Auflage 1964

Bildnachweis: Herresbach, www.comixfuzzy.de

Donnerstag, 21. April 2011

Vereinigungsparteitag SPD - KPD (II)


Schon gestern erwähnte ich das "Protokoll des Vereinigungsparteitages der SPD und KPD", in dem alle Reden, die am 21. und 22. April 1946 im Admiralspalast gehalten wurden, dokumentiert sind.
Da immer wieder aus heutigen SPD-Kreisen von Zwangsvereinigung die Rede ist, interessieren mich naturgemäß die Rednerbeiträge, die von Genossen der SPD aus den Westzonen gehalten wurden.

Achtung sehr lang,was der Genosse Held aus Bayern zu sagen hatte:

"Herr General! Meine Herren Offiziere der Militärregierung! Genossinnen und Genossen! Wir sind aus Bayern trotz aller Schwierigkeiten, die uns bereitet wurden, hierher geeilt, um in diesem historischen Augenblick mit dabei zu sein, und wir grüßen euchvon ungezählten braven Parteigenossen der SPD, deren geheime Sehnsucht die baldige Einigung der Arbeiterklasse ist. Trotz aller Widerstände der Parteibürokratie haben wir am vorigen Sonntag in Erlangen auf dem Parteitag des Landesverbandes Bayern der SPD erreicht, daß wir hierher fahren durften.

Wir haben zwar keinen Auftrag, hier zu sprechen, wir sind nicht beauftragte Delegierte; man stellte es nach bürgerlichem Muster darauf ab, ob wir in einem solchen historischen Augenblick auch einen legitimen Auftrag haben; aber in revolutionären Zeiten - und ich kann Ihnen beweisen, wie revolutionär die Verhältnisse in Bayern sind - kommt es nicht auf einen legitimen Auftrag, sondern auf die Berufung an.

Wer von dem Atem der Revolution erfüllt ist, wer da will, daß aus dem Trümmerhaufen Deutschland ein neues Deutschland entstehe, der ist berufen, für dieses neue revolutionäre Deutschland zu sprechen. Das sage ich allen Schumacherlingen und Finsterlingen auf der anderen Seite.

Auf dem Parteitage in Erlangen am 13. und 14. April 1946 ist es geschehen, daß man die Einigung mit der KPD ablehnte. Aber es spielte ein sehr merkwürdiger Trick dabei eine Rolle: In einer geschlossenen Delegiertenversammlung am ersten Tage, am Sonnabend voriger Woche, hat ein Genosse bei einem Antrag des Bezirkes Franken zur Presse vorgeschlagen, die Abstimmung und die Erörterung der Einigungsfrage auf den nächsten Tag zu verschieben, und dieser Antrag ist einstimmig angenommen worden. Dann wurden dieser Genosse und andere Genossen dazu bestellt, in der Nähe von Erlangen in Versammlungen zu sprechen. Während die Genossen abwesend waren, hat man in geschlossener Sitzung die Einigung abgelehnt, so daß keinerlei Opposition zu Worte kommen konnte. Am nächsten Tage standen die Genossen, die zur Einigungsfrage sprechen wollten, vor fertigen Tatsachen. Es war so, daß die offene Versammlung an diesem Tage eine Diskussion nicht wünschte, weil die Zeit zu weit fortgeschritten war. Trotzdem hat man es nicht gewagt, auf dem Parteitag zu sagen: Wir lehnen die Einigung ohne weiteres ab. Man hat beschließen müssen, das endgültig die Mitglieder zu bestimmen haben.

In den Ortsgruppen wird die Entscheidung fallen, und da will ich euch eine Stichprobe darüber geben, wie die Lage ist. Auf dem Unterbezirksparteitag in Regensburg vom 1. März d. J. ist Genosse Buch vom Parteivorstand Zeuge einer denkwürdigen Sitzung gewesen. Er war in Frankfurt gewesen und kam mit den Beschlüssen von Frankfurt zurück, wo Dr. Schumacher es mit seinen Anhängern durchgesetzt hatte, daß erstens die Einigung abgelehnt wurde und zweitens jeder, der zum Parteitag fahren würde, ohne weiteres ausgeschlossen sei. Da hat ein Genosse in jener Unterbezirkstagung in Regensburg am 1. März 1946 den Antrag gestellt, weil er diese Resolution Schumachers nicht gutheißen konnte, sie abzulehnen, um den Weg zur weiteren Verhandlung nicht zu versperren. Einmütig wurde damals diese Resolution angenommen und es wurde einmütig beschlossen, daß über diese Resolution vom 1. März in den Ortsgruppen die Entscheidung getoffen werden sollte. Nur hat die Parteibürokratie diese Resolution nicht an die Ortsgruppen weitergegeben und sie ist nicht zur Abstimmung gekommen.

Gestern habe ich einen denkwürdigen Augenblick auf dem Parteitag der SPD erlebt. Es gab da einen Streit über die Parteistatuten, ob die Ortsgruppe das Fundament der Partei sein sollte oder die Betriebsgruppe. Ich wünschte - und ich habe das auch gestern gesagt - die Parteigenossen in Bayern hätten erlebt, daß wirkliche Demokratie auf dem Parteitag der SPD herrschte. Das war ein historischer Augenblick. Da konnte man sehen, daß in Berlin die Mitglieder nicht mundtod gemacht sind. Statt die Resolution vom 1. März in den Ortsgruppen zur Abstimmung zu bringen, hat man sich Herrn Dr. Schumacher nach Bayern verschrieben. Herr Dr. Schumacher hat vor allen Dingen damit einen Clou in seinen Reden zu erzielen versucht, daß er Angriffe auf eine Siegermacht erhob, indem er sagte: "Die Kommunistische Partei ist abhängig von einer Siegermacht, und die SPD steht unter dem Krallengriff der KPD". Nun, das ist sogar dem Dr. Hoegner zuviel gewesen. Auf dem Parteitag in Erlangen hat er erklärt - ich habe seine Rede in genauer Abschrift mitgebracht -: 'Ich halte es für äußerst gefährlich, bei unseren Auseinandersetzungen mit anderen deutschen Parteien die eine oder andere Siegermacht Siegermacht anzugreifen.. Sozialdemokraten dürfen sich dazu nicht hergeben. Der innerpolitische Kampf ist vielmehr auf der innerpolitischen Ebene auszugechten.'

Aber dann hat Genosse Dr. Hoegner etwas hinzugesetzt, was auch außenpolitisch ausgerichtet war. Der Kern seiner Ausführungen hat dazu geführt, daß mir Schuppen von den Augen gefallen sind und ich hierhereilen mußte, um für die Einheit der Arbeiterklasse einzutreten um Deutschland willen.

Dr. Hoegner hat daran erinnert, daß manche europäische Staaten befürchten müßten, daß ein geschlossenes Deutschland wieder zur Herrschaft komme, daß die geschlossene Volkskraft Deutschlands, die in drei Kriegen über Europa hergefallen sei, im Ausland einen solchen Mißkredit genieße, daß man eine geschlossene Volkskraft Deutschlands vermeiden müsse. Daraus hat er entwickelt, deshalb seien die englischen Gewerkschaften für die Dezentralisierung der Gewerkschaften. Wie die Engländer darüber denken, das habt ihr, Genossen der SPD, vorgestern in der denkwürdigen Erklärung der vielen Labour-Abgeordneten und der vielen Gewerkschaftsführer auf dem Parteitag der SPD erlebt. Darum fordert Dr. Hoegner ein förderalistisches Deutschland, einen deutschen Bundesstaat, ja einen deutschen Staatenbund, wie es wortwörtlich hier in der 'Süddeutschen Zeitung', aber auch in einer Rede auf dem Erlanger Parteitag heißt.

Wißt Ihr, was das bedeutet?
Ein Aufgeben der großen Traditionen unserer Partei, ein Zurück in der gesamten geschichtlichen Entwicklung bis 1806 und noch früher.

Ich habe eben gesagt: Da fielen mir die Schuppen von den Augen. Man hat mit dem Erlanger Parteitag die Katze aus dem Sack gelassen. Man hat zwar erklärt, wir wollen ein freies, einheitliches Deutschland, aber hinzugesetzt, mit weitestgehenden Freiheiten für das Eigenleben der Länder. Das bedeutet Wiederholung der Zustände in Bayern, wie wir sie beim Emporkommen eines Adolf Hitlers hatten. Das bedeutet die Gefahr, daß ein Hitler-Epigone, ein kleiner Hitler, ein Demi-Hitler, ein Viertel-Hitler hernach in den Ländern geschützt wird und dem Reich Knüppel zwischen die Beine geworfen werden, wie wir es erlebt haben. Es bedeutet also einen Rückfall in die traurigste Vergangenheit der Weimarer Republik, wo die Reichsexekutive immer wieder versuchte, einen Staatenlosen außer Landes zu bringen, aber die Münchner Polizeibürokratie immer dazwischensprang und sagte: 'Den Mann rührt ihr nicht an, Adolf Hitler, Heil Hitler!'

Wir wissen ja, wieviel Heil das für das deutsche Volk gebracht hat. Nur ein einziger sprach auf dem Erlanger Parteitag gegen Hoegner. Er konnte sich aber gegen die Kreise, die hinter Hoegner stehen, nicht durchsetzen. Ich selbst habe hier vor Euch gesagt: Es sind mir die Augen von den Schuppen gefallen. Ich bin in der Einigungsfrage aus einem Saulus zu einem Paulus geworden. Habe ich vorher noch gezweifelt, so erkläre ich hiermit: Ich bekenne als Paulus, daß es ohne die Einheit Deutschlands, ohne die Einheit der Arbeiterklasse keine deutsche Zukunft gibt. Im Gegensatz zu den Tendenzen, ein aufgelockertes Deutschland zu schaffen, sage ich, ohne ein geschlossenes Deutschland gibt es keinen Wiederaufbau im sozialistischen Sinne. Ohne ein geschlossenes Deutschland gibt es keine Ausrottung von Kapitalismus, Militarismus und Nazismus. Ohne ein geschlossenes Deutschland gibt es keine einheitliche Meinung in den Kulturfragen, kein einheitliches Eintreten für die Gemeinschaftsschule. Ohne ein geschlossenes Deutschland gibt es am Ende wieder Hader und Zerwürfns, vor allem in konfessionellen Fragen, gibt es wieder das ganze Elend der Kleinstaaterei. Uns alle muß der Wille zur deutschen Einheit beseelen, zur deutschen Zukunft, der Wille zum Wiederaufbau Deutschlands aus dem Trümmerhaufen, zu einem sozilistischen Deutschland, in dem alle anpacken, alle für einen da sind, in dem gearbeitet wird am gemeinsamen Werke und jeder nach seinem Verdienst und der Bedeutung seiner Leistung für die Gesamtheit bewertet wird.

Dieses neue Deutschland muß getragen werden von den enschlossensten Kräften der deutschen Arbeiterschaft. Wo sind denn die entschlossenen Kerle. Vor vierzehn Tagen hatte ich ene Unterhaltung mit der Militärregierung in Bayern. Ich habe den Herren gesagt: Die ganze gegenwärtige deutsche Demokratie ist belämmert. Sie fragten: warum? Darauf habe ich geantwortet: Weil es keine Kerle gibt. Aber wir, in der geschlossenen einigen deutschen Arbeiterklasse, das sind Kerle!

Und nun erkläre ich den vielen Genossen da draußen, die nicht wissen, wohin sie gehören, die nicht wissen, ob dieser Parteitag, ob der gestrige Parteitag der SPD zu Recht bestehen: Hier ist meine Mitgliedskarte der SPD. Auf ihr steht 'Sozialdemokratische Partei Deutschlands'. Diese Mitgliedskarte haben wir von der Partei in Berlin, vom Zentralausschuß empfangen, und wir halten den Zentralausschuß auch für berechtigt, diesen Parteitag einzuberufen und auf Grund demokratischer Beschlüsse zu entscheiden. Wir als Demokraten haben uns dem Mehrheitsbeschluß, dem einstimmigen Beschluß des Parteitages zu unterwerfen.

Nun werden wir hier das historische Ereignis erleben, daß die Arbeiterklasse geeint sein wird. Aber wir müssen daran denken, daß auf der anderen Seite Leute herumlufen und immer wieder spalten, die die Spaltung zu verewigen trachten. Wie sollen wir sie überzeugen? Da sage ich, kein Bruderkampf, nur vorbildliches Wirken! Zeigt hier, wo ihr die Einheit der Arbeiterklasse schafft, was ihr leistet, zeigt, daß ihr Sozialisten seid, daß ihr mustergültig aufbaut, daß hier die Maschinen wieder gehen und daß von hier aus die Zonengrenzen fallen, damit ein einheitliches Deutschland entstehe und es all den Finsterlingen nicht mehr möglich ist, sich hinter den Zonengrenzen zu verkriechen und Spaltungspolitik zu treiben. Von eurer vorbildlichen Haltung, von eurer Demokratie, von eurem Sozialismus wird es abhängen, daß von unten auf in den Westzonen die Vereinigung zuerst in den Betrieben, dann in den Ortsgruppen und dann in dem ganzen Gebiet erfolgt.

Es lebe die eine einheitliche, freiheitliche deutsche Republik unter der Führung einer geeinten Arbeiterklasse!"


Quelle: Protokoll des Vereinigungsparteitages der SPD und KPD. Verlag JHW Dietz Nachf. Berlin 1946, S. 37 - 43


Mittwoch, 20. April 2011

Vereinigungsparteitag SPD - KPD (I)

Morgen vor 65 Jahren begann der Vereinigungsparteitag von SPD und KPD im Admiralspalast (Staatsoper) in Berlin. Im Protokoll (erschienen 1946 im Verlag JHW Dietz Nachf. Berlin) hat der Vorbesitzer dieses Buches ein Gedicht eingeklebt. Es wurde 1963 im ND veröffentlicht, das entnehme ich dem Artikel auf der Rückseite. Mir hat es gefallen und wenn es auch nur einen indirekten Bezug zum Vereinigungsparteitag hat, möchte ich es doch an den Anfang meiner geschichtlichen Würdigung des Geschehens vor 65 Jahren stellen.


Seht, welche Kraft

Ich hatte einmal Angst vor'm Weiterleben!
Was ich besaß, war zerstört und fort.
Da sprach ich nach, was ich hörte hier und dort:
"Die oben solln uns Brot und Obdach geben!
Erst Brot! Dann will ich graben, bauen, weben!"
Und - "Sozialismus" war für mich ein leeres Wort.

Dann sah ich Trümmerfrauen Steine tragen,
sah Kinder ziellos durch die Straßen geh,
sah Männer an blockierten Rädern wieder drehn
und sah die Besten hungernd Brücken schlagen.
Da mußte ich mich endlich selber fragen:
Bist Du denn kraftlos? Willst Du abseits stehen?

Ich nham den Spaten und ich drosch die Ähren,
ich sah, nicht hilflos ist, wer Freunde hat!
Welch Glück: Mein Kind lag warm und wurde satt.
Ich lernte und sprach kaum noch vom Entbehren,
und eines Tages durfte ich die Kinder lehren!
Ein Schritt voran war jedes Buch und jedes Blatt.

Seht, welche Kraft liegt nun in unseren Händen!
Und was sie zeugt gehört nun dir und dir und mir:
der Stahl, der Acker, Baum und Buch und Tier.
Kein Herr darf uns der Arbeit Frucht entwenden
und niemand kann mit falschen Glanz uns blenden.
Wir schützen unser Haus! der Staat sind wir!

Ursula Burmeister, Lehrerin, Falkenhain

Ich hoffe, ich schaffe es, einige Rednerbeiträge aus dem "Protokoll" morgen und übermorgen zu veröffentlichen. Für mich, die ja erst später geboren wurde, sind sie zumindest sehr interessant.


Ein Tag im Spreewald


Immer wenn ich zu Hause bin, versuche ich, einen Tag für die Umgebung zu nutzen. Das ist der Tag, an dem ich mir den Enkel meiner Schwester ausborge und dann gehts los in die Umgebung. Mal in den Berliner Tierpark, mal in die Therme von Bad Saarow und gestern eben in den Spreewald.

Das Wetter hat prima gepaßt und die Kahnfahrt von Lübbenau nach Lehde war wunderschön. Irgendwann während meiner Schulzeit führte mich schon mal ein Wandertag auf diese Fließlandschaft, aber die Erinnerungen sind eher wage.

Somit konnte ich gestern meine Kenntnisse über den Spreewald, die Entstehung und Entwicklung dieses Gebietes aufbessern und nebenbei noch die Seele baumeln lassen.

Übrigens, wen es nicht unbedingt in die Weite zieht, wer gern wandert oder auf dem Fahrrad unterwegs ist und wer nicht unbedingt den Komfort großer Ferienhotels braucht, für den ist der Spreewald sicher ein prima Urlaubstip.


Montag, 11. April 2011

Vor 35 Jahren,

am 11. April 1976 erhielten die Schüler und Schülerinnen der 8. Klassen der 9. POS "Nikolai Bersarin" die Jugendweihe. Vor 35 Jahren wurden wir also in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen.

Ach und damit keiner googeln muß, Nikolai Bersarin (1904 - 1945) war 1945 der 1. Stadtkommandant in Berlin. Leider verunglückte er im Juni 1945 bei einem Motorradunfall tödlich.

Aber zurück zur Jugendweihe und ihre Folgen. Die Feierstunde im Klubhaus "Peter Edel" war schon ein Ereignis, aber schließlich, soviel Wahrheit muß sein, wurde das geprobt. Dazu hat die Schulaula in der Woche davor hergehalten, und während es da noch sehr lustig zuging, war es am Sonntagmorgen dann wirklich feierlich.

Der Nachmittag wurde, zumindest in unserem Jahrgang mit den Familien verbracht, eine gemeinsame Feier haben wir nicht zustande gebracht.

Dem Tag der Jugendweihe vorausgegangen waren die Jugendstunden. Da gab es interessante, zum Beispiel der Besuch des Hohenschönhauser Widerstandskämpfers Stahl oder der Besuch im Obersten Gericht. Das hatte schon was. Die eher uninteressanten sind mir nicht in Erinnerung geblieben.

Der darauffolgende Montag war frei, aber am Dienstag begann der Spaß. Jeder Lehrer befragte uns als erstes, wie wir es denn mit dem "Sie" als Anrede hielten. Unheimlich gönnerhaft kamen wir uns vor, den meisten Fachlehrern zu erklären, es dürfe selbstverständlich beim "Du" bleiben.
Dann gabs natürlich auch die Lehrer, die gar nicht erst fragten, sondern uns weiter duzten. Die meisten kannten uns ja inzwischen auch jahrelang. Wirklich eingebürgert hat sich das "Sie" erst ab der 9. Klasse und auch das nur bei neuen Fachlehrern.

Alles in allem war das ein Tag, an den man sich gern auch nach 35 Jahren erinnert.

Montag, 4. April 2011

Weiter diskutieren?

Selten hat ein Beitrag in diesem Blog, noch dazu ein so kurzer, so viel Diskussion hervorgerufen. Ich halte dieses Thema für weiter diskussionswürdig und würde dafür extra einen Blogeintrag mit einem Intro machen.

Dazu brauche ich dann aber schon die Mitarbeit der Diskutierenden, irgendetwas zum Selbstzweck...neee. Sollten Blogleser an einer solchen Diskussion interessiert sein, reicht einfach ein Kommentar in diesem Eintrag.

Sonntag, 27. März 2011

Im Moment,

ich gebe es zu, ist da nur Enttäuschung. Nichts LINKS - weder in Rheinland-Pfalz noch in Baden-Württemberg. Man kann es wohl nicht anders sagen, in der Landespolitik ist die Linke noch nicht angekommen.

Vielleicht kann ich mich morgen freuen, daß es in Stuttgart für eine Ablösung von Mappus gereicht hat, daß es wohl eine Regierung von Grüne und SPD gibt...aber dazu braucht es wohl noch einige Stunden.

Mittwoch, 23. März 2011

Am Sonntag ist Wahltag


und während die Landtagswahl in Baden-Württemberg fast zur Schicksalsfrage für die BRD und die CDU erklärt wird, geht die Rheinland-Pfalz fast unter.

Ehrlich, ich hätte ja auch nichts dagegen, wenn in Stuttgart Mappus abgewählt werden würde, nur glauben kann ich es noch nicht. Aber es geht eben in Mainz auch um einiges. Bis zur Hamburg-Wahl war Rheinland-Pfalz das einzige Bundesland, das die letzten 5 Jahre mit absoluter Mehrheit von der SPD regiert wurde. Der Landtag bestand, welche Seltenheit heute, aus drei Parteien, der SPD, der CDU und der FDP. Vor 5 Jahren kamen die Grünen mit 4.6 % nicht rein, die Linke stellte sich damals als PDS hier noch nicht zur Wahl und die damalige WASG erreichte 2,4 % der Wählerstimmen.

Das Wahlprogramm des Landesverbandes beinhaltet natürlich bundespolitische Themen, wie einen Mindestlohn von 10 EUR in der Stunde. Die Tariftreue bei Aufträgen der öffentlichen Hand, die Schule für alle nach skandinavischem Vorbild (man traut sich natürlich nicht nach DDR-Vorbild zu schreiben), die Herabsetzung von Hürden für Volksinitiativen, ein Nachtflugverbot für den Flughafen Hahn sind Dinge, die im Bundesland umgesetzt werden können.
Bereits vor dem Fukushima-Unglück stand hier auf den Wahlplakaten: "Strom zu sozialen Preisen ohne Atomkraft". Alles in allem ein Programm, für das sich zu kämpfen lohnt, damit die 5-Prozent-Hürde am Sonntag genommen wird.


Dienstag, 22. März 2011

Karl-Eduard ist schuld

Da war er weg am heutigen Tag, mein Blog. Ich bekam einen riesigen Schreck, ging mal schnell mein Sündenregister durch, welches Bild habe ich wie nicht ordentlich nachgewiesen, ohje, da gibts wohl viele. Nur, daran lag es nicht.

, es lag an youtube. Neben einigen anderen Videos hatte ich dort Ausschnitte aus einem Film von Karl-Eduard von Schnitzler gezeigt, 7 Minuten von 90. Ich glaube zwar nicht, das dem DRA da Einnahmen entgehen, aber das Video wurde gesperrt und da dieser Verein, ups Deutsches Rundfunkarchiv, schon zwei Videos (eines über Ernst Thälmann, eines mit dem Pitti-Platsch-Lied) hops genommen hat, war heute mein ganzer Kanal auf youtube fällig.
Hm, das wurmt schon, über eine Million Zugriffe, das tut weh.

Auf jeden Fall ist es mir gelungen, wenigstens den Blog zu retten, mein neuer youtube-Kanal wird auch nicht mit diesem Blog verbunden sein, denn ich kann nicht garantieren, das ab und zu das DRA was gegen meine Veröffentlichungen hat.

Freitag, 18. März 2011

140 Jahre Pariser Kommune


Chronologie der Pariser Kommune 1871

18.03. Revolution in Paris. Das Zentralkomitee (ZK) der Nationalgarde übernimmt die politische Macht.
19.03. Erste Proklamation des ZK setzt Wahlen für die Kommune für Paris fest.
20.03. Der Beginn von sozialen und politischen Maßnahmen des ZK für die arbeitende Bevölkerung: Stundung von Mieten, Einstellung der Versteigerung nichteingelöster Pfänder in den Leihhäusern.
23.03. Abschaffung des stehenden Heeres. Die Verteidigung der Kommune führt ein Volksheer, dem alle Männer von 19 bis 40 Jahren angehören.
26.03. Wahlen zur Kommune
27.03. Aufstellung einer Armee in Versailles zum Kampf gegen das revolutionäre Paris.
28.03. Festliche Proklamierung der Kommune auf dem Platz vor dem Stadthaus. Das ZK übergibt die Macht an die Kommune.
29.03. Erste Dekrete der Kommune: Erlaß der während des Krieges angelaufenen Quartalsmieten, Bildung des Kommunekommissionen.
02.04. Die Versailler Regierung unter Thiers eröffnet den militärischen Bürgerkrieg gegen die Kommune.
02. - 04.04. Dekret über die Trennung der Kirche vom Staat. Dekret über die Einziehung des Vermögens der Mitglieder der Versailler Regierung.
06. - 08.04. Aufruf der Kommune an die Bevölkerung im übrigen Frankreich.
16.04. Dekret über die Übergabe der von den Besitzern verlassenen Werkstätten an Arbeitergenossenschaften.
17.04. Beginn der Offensive der Versailler Truppen
22.04. Errichtung eines Revolutionstribunals.
23. - 25.04. Dekret über die Beschlagnahme von leeren Wohnungen der Bourgeoisie.
26.- 30.04. Manifest der Kommune an die Landbevölkerung. Verbot der Nachtarbeit für die Bäckergesellen.
04. - 07.05. Verbot von sieben in Paris herausgegebenen konterrevolutionären Zeitungen. Dekret über die unentgeltliche Rückgabe verpfändeter Gegenstände im Wert bis zu 10 Francs. Manifest des Frauenverbandes mit dem Aufruf zur Verteidigung von Paris und Hilfeleistungen für die Verwundeten.
09.05. Festsetzung der Brotpreise.
10. - 12.05. Dekret über die Festlegung von Minimallöhnen und über die Überweisung aller Lieferaufträge der Kommune an die Werkstätten der Arbeitergenossenschaften.
13.05. - 20.05. Dekret über die Übergabe von Saboteuren an das Kriegsgericht. Außerordentliche Versammlung der Pariser Sektion der I. Internationale zur Erörterung der Verteidigung von Paris.
15.05. Aufruf der Kommune an die Städte Frankreichs um Hilfe für das revolutionäre Paris.


Chronik des Entscheidungskampfes zwischen der Pariser Kommune und der Konterrevolution

21.05. Die Versailler dringen in Paris ein.
22.05. Barrikadenbau und Vorbereitung zum Straßenkampf.
23.05. Schwere Straßenkämpfe in Paris. Massenerschießung von gefangenen Kommunarden auf offener Straße
25.05. Aufruf an die Versailler Soldaten, an die Seite der Revolution und des Volkes zu treten.
27.05. Erbitterte Kämpfe auf dem Friedhof Père Lachaise.
28.05. Gegen 11.00 Uhr fällt die letzte Barrikade der Kommune in Paris. Massenerschießungen, -verhaftungen, Repressalien der Versailler gegen die Pariser Bevölkerung.

Soweit einige Einzelheiten der revolutionären Tage in Paris vor 140 Jahren, die ich meinem eigenen Geschichtsbuch der 8. Klasse (Erscheinungsjahr 1973) entnommen habe.

Die Pariser Kommune, die völlig unorthodox aus den Wirren des deutsch-französischen Krieges 1870/71 und dem im Januar mit Bismarck geschlossenen Waffenstillstand entstand, war zuerst eine spontane Gegenwehr der Menschen in Paris gegen die im Vorfrieden mit Preußen dem französischen Volk auferlegten 5 Milliarden Francs Kriegsentschädigung.
Nahezu unblutig wurde an eben jenem 18. März in Paris die politische Macht erobert.

Es gab keine einheitliche Partei, es gab kein Programm mit dem die Bevölkerung einen entschlossenen und energischen Kampf führen konnte. Eher zufällig war der Nationalgarde und ihrem ZK die Führung zugefallen.

Mit ihrem Entstehen bereits zum Scheitern verurteilt, schätzte sie Karl Marx dennoch positiv für den weiteren Kampf der Arbeiterklasse für ihre Befreiung ein. Sie war "die erste Revolution, in der die Arbeiterklasse offen anerkannt wurde als die einzige Klasse, die noch einer gesellschaftlichen Initiative fähig war, anerkannt selbst von der großen Masse der Pariser Mittelklasse - Kleinhändler, Handwerker, Kaufleute -, die reichen Kapitalisten allein ausgenommen." "Sie war wesentlich eine Regierung der Arbeiterklasse..."
aus Karl Marx: Der Bürgerkrieg in Frankreich. In: MEW, Bd. 17, Berlin 1962, S. 342 und S. 344.

Am 25. Mai 1871 sagte August Bebel vor dem Reichstag:
"Meine Herren, mögen die Bestrebungen der Kommune in Ihren Augen auch noch so verwerfliche oder ... verrückte sein, seien Sie fest überzeugt, das ganze europäische Proletariat und alles, was noch ein Gefühl für Freiheit und Unabhängigkeit in der Brust trägt, sieht auf Paris. Meine Herren, und wenn auch im Augenblick Paris unterdrückt ist, dann erinnere ich Sie daran, daß der Kampf in Paris nur ein kleines Vorpostengefecht ist, daß die Hauptsache in Europa uns noch bevorsteht und daß ehe wenige Jahrzehnte vergehen, der Schlachtruf des Pariser Proletariats 'Krieg den Palästen, Friede den Hütten, Tod der Not und dem Müßiggange!' der Schlachtruf des gesamten europäischen Proletariats werden wird."
Zitiert nach: Geschichte der Deutschen Arbeiterbewegung. Bd. 1, Berlin 1966, S. 593


Donnerstag, 10. März 2011

Klar,


warum sollen denn die "Nichtstuer" nun auch noch Lotto spielen. Von der Kindergelderhöhung waren sie schließlich auch schon ausgeschlossen, da fällt so ein wenig Lottoverbot für Hartz-IV-Empfänger doch doch gar nicht mehr auf. Außerdem ist in dem Bedarf ganz sicher kein Geld für Glücksspiel vorgesehen, also da können wir doch die gerichtliche Keule schwingen.

Ich spare mir den bekannten Satz mit dem Essen.

Westlotto wird allerdings gegen diese einstweilige Verfügung kurzfristig Widerspruch einlegen.

Danke für den Tip.

Mittwoch, 9. März 2011

Flugverbotszone über Libyen?


England und Frankreich fordern sie seit Tagen, CDU-Politiker Philipp Mißfelder gab gestern die bisherige deutsche Zurückhaltung auf und heute bitten Staaten der arabischen Liga den Westen um Hilfe bei der Installierung einer kontrollierten Flugverbotszone über Libyen.

Was muß ich mir darunter vorstellen. Nach allem, was ich bisher in den Nachrichten gesehen habe, befindet sich Libyen im Bürgerkrieg, Gewalt auf der einen als auch auf der anderen Seite. Mit Gewißheit ist anzunehmen, daß die Gewalt der regierungstreuen Truppen umfassender härter ist, haben sie doch die Mittel einer Armee zur Verfügung.

Auf der anderen Seite ist der Luftraum über Libyen Hochheitsgebiet des Staates Libyen. Dieser Staat, mag er auch von einem Diktator regiert werden, hat keinem anderen Staat den Krieg erklärt.
Ich meine mich zu erinnern, daß in einem Bürgerkrieg lt. Völkerrecht keinem anderen Staat eine Einmischung erlaubt ist bzw. nur, wenn die Regierung eines sich im Bürgerkrieg befindlichen Staates um Hilfe bittet. Eine Einmischung zugunsten der Aufständigen verbietet meines Wissens nach das Völkerrecht.

Schlittern die NATO, die UNO und die internationale Staatengemeinschaft in den nächsten kriegerischen Konflikt?
Angesichts der toten Kinder der vorigen Woche in Afghanistan nach einem NATO-Bombenangriff, angesichts der ein paar Tage vorher gefallenen BW-Soldaten wird mir Angst und Bange.

Dienstag, 8. März 2011

Schon wieder herzlichen Glückwunsch


Meinen herzlichsten Glückwunsch zum heutigen Internationalen Frauentag allen Mädchen und Frauen.

Einen Dank an M. M., bei dem ich sowohl das gestrige als auch das heutige Eintragbild freundschaftlich geklaut habe.

Hm, was schreibe ich nun zum heutigen Tag. Oft lese ich, es ist der 100. Frauentag in Deutschland. Meine Geschichtsdaten sagen mir, daß im August 1910 in Kopenhagen die Internationale Sozialistische Frauenkonferenz die Begehung eines solchen Frauentages ohne Festlegung eines besonderen Datums einmal jährlich zu begehen.
In den USA wurde 1908 von der Sozialistischen Partei Amerikas beschlossen, einen Kampftag für das Frauenstimmrecht zu begehen. Dieser Tag wurde 1909 bereits zu einem großen Erfolg, der dazu führte, daß im Februar 1910 ein weiterer Kampftag organisiert wurde.

Damit kam diese Idee auch in Europa an, nach dem Beschluß 1910 wurde in Dänemark, Österreich-Ungarn, Deutschland und in der Schweiz gefeiert. Dieser Tag wurde im Gedenken an die Märzgefallenen der 1848er Revolution in Deutschland gewählt, zumal auch die Pariser Kommune im März (1871) begonnen hatte.

Wann es denn der "8. März" wurde, ist lt. Wikipedia umstritten. Aber wie auch immer, wir blicken auf 100 Jahre Frauentag zurück, wenn es auch ganz sicher noch nicht der 100. begangene Frauentag ist.

Quelle: Quelle meiner geschichtlichen Ergüsse ist in diesem Fall wirklich mal Wikipedia, bist ich zu Ende woanders gesucht habe, ist der Tag vielleicht vorbei



Montag, 7. März 2011

Zum 65. Geburtstag


"Wir sind die Fans von Egon Krenz, seid nicht traurig, jetzt kommt Aurich"
aus meiner Zeit in der FDJ

Es gibt sie noch, die FDJ und deshalb können wir nicht nur an den 65. Jahrestag ihrer Gründung erinnern, sondern dürfen ganz offiziell zum 65. Geburtstag gratulieren.

Am 07. März 1946 wurde die FDJ als einheitliche, sozialistische Massenorganisation gegründet, damals noch in allen Besatzungszonen. Sie ging aus den 9 Monate vorher gegründeten antifaschistischen Jugendausschüssen hervor. Die FDJ setzte in der Vergangenheit die fortschrittlichen Traditionen der deutschen Jugendbewegung, insbesondere der Arbeitjugendbewegung, fort.

In der DDR hatte sie sich zum Ziel gesetzt, alle Jugendlichen zu bewußten Kämpfern für Frieden und Sozialismus zu erziehen, am sozialistischen Aufbau teilzunehmen, den Marxismus/Leninismus zu verbreiten (FDJ-Studienjahr, Abzeichen für "Gutes Wissen") sowie die Entwicklung und Organisation einesr vielseitigen Freizeitgestaltung (Jugendklubs).
Die FDJ gab die Tageszeitung "Die junge Welt" raus, die zumeist besser zu lesen war als das ND.
Sie war auf allen Gebieten und an der Leitung des Staates beteiligt, der Vorsitzende der FDJ war Mitglied des Staatsrates. Kann man sich heute irgendwie nicht mehr wirklich vorstellen, war aber so.

In der BRD wurde die FDJ 1951 verboten.

Seit 1948 ist die FDJ MItglied des Weltbundes der Demokratischen Jugend und war Gastgeberjugendorganisation der 3. Weltfestspiele 1951 und der 10. Weltfestspiele jeweils in Berlin.

Mit der Einverleibung der DDR durch die BRD stand die FDJ vor einem riesigen Dilemma. Sie wurde nicht nur ihrer staatlichen Unterstützung beraubt, sondern verlor sowohl Mitglieder in hohem Maße als auch ihre materielle Grundlage. Jugendklubs, Jugendobjekte, Friedenskampf, Solidarität mit unterdrückten Völkern und vieles mehr, was in der DDR mit Hilfe der FDJ organisiert wurde - all das war auf einmal falsch, wurde und wird verdammt und kriminalisiert.

Die FDJ hat es geschafft, auch 21 Jahre nach der Annexion zu bestehen. Einen herzlichen Glückwunsch zum 65. Geburtstag.




Auf den Straßen, auf den Bahnen

Lied von der blauen Fahne

Auf den Straßen, auf den Bahnen,
seht ihr Deutschlands Jugend ziehn.
Hoch im Blauen fliegen Fahnen,
blaue Fahnen nach Berlin.
Links und links und Schritt gehalten.
laßt uns in der Reihe gehn.
Unsre Fahnen sich entfalten,
um im Sturm voran zu wehn.

Hebt die Fahnen, laßt sie schweben,
singt ein neues Fahnenlied!
Wir sind Deutschlands neues Leben,
und der Friede mit uns zieht.
Macht des Friedens, Du wirst siegen,
ziehst in alle Herzen ein!
Blaue Fahnen werden fliegen,
hoch im blauen Himmelsschein.

Aus dem Blauen strahlt die Sonne,
und sie leuchtet Deutschland, dir.
Links und links, singt die Kolonne,
Freie Deutsche Jugend, wir.
Laßt uns neu die Heimat bauen,
laßt uns fest zusammenstehn!
Blaue Fahnen hoch im Blauen
werden über Deutschland ziehn.

Worte: Johannes R. Becher
Musik: Hanns Eisler (1949)





Samstag, 5. März 2011

Es gibt Dinge,


die sind einfach nur peinlich. Dazu gehört sicher, daß ein Vater seinem 39-jährigen Sohn eine Torte mit dessen Abbild bringt. Den dazugezuckerten Satz kann jeder selbst lesen. Dieses Präsent war Teil der Guttenbergdemonstration in Guttenberg, an der immerhin lt. Agenturberichten 2.000 Menschen teilnahmen.
Oberpeinlich wirds allerdings, wenn man sich dabei auch noch so öffentlichkeitswirksam ablichten läßt. Hat irgendetwas vom Vater, der wegen seines unverstandenen Sohnes in die Schule zum Direktor rennt.

Wenn dann Väterchen Enoch noch äußert, er habe einen derartigen Geifer und Jagdrausch seit 1945 nicht mehr erlebt, muß ihm wohl entfallen sein, daß er 1945 das Licht dieser Welt noch gar nicht erblickt hatte. Dieses bereits damals schon nicht mehr adlige Ereignis fand erst 1946 statt.

Bild: dpa, gefunden natürlich auf bild.de



Dienstag, 1. März 2011

Erst einmal weg

und das ist gut so. Guttenberg ist heute also zurückgetreten mit einer Rede, die Nahestehende vielleicht zu Tränen rührte, die aber eigentlich bereits sein Wiederkommen beinhaltete. Schließlich verbreitete der Plagiator vom Dienst ja die Mär seines Opfertums.

Ein Opfer der Medien, der Öffentlichkeit oder in Anlehnung an Goethe, die Geister, die er rief (wenn er wohl auch nur nach BILD und Bunte rief, lange jedoch machten alle Mainstreammedien die Hofberichterstattung mit), wurde er nicht mehr los. Der Wortlaut seiner Erklärung findet sich hier.
Kein Unrechtsbewußtsein, nachwievor will dieser Menn vermitteln, er hätte nicht bewußt getäuscht, irgendwie müssen ihm diese Vielzahl an kopierten Stellen unter der Hand in die Doktorarbeit gewandert sein. Und schließlich, der Arme, hat er doch auf den Doktortitel verzichtet.

Guttenberg weg und nochmals, ja, das ist gut so. Daß sich die Politik des nächsten Verteidigungsministers von der seines Vorgängers unterscheidet, das jedoch sollte nicht angenommen werden. Denn, auch wenn sie Guttenberg mal so zwischendurch verkündete, die Bundeswehrreform, die Abschaffung der Wehrpflicht, der Aufbau einer Berufsarmee, all das wird von dieser Regierung getragen und ist keinem einzelnen Minister zuzuschreiben.

Grüße für alle jene


"Glückwunsch allen, denen es noch etwas bedeutet, in der Nationalen Volksarmee der DDR gedient zu haben!!!"

Besser kann man es wohl nicht ausdrücken, deshalb klaue ich genau dieses Zitat unter dem Video "Es lebe das Brot" für meinen heutigen Eintrag. Vielen Dank, B.

Tag der NVA - am 1. März - genau weiß ich nicht, ab wann dieser 1. März der Ehrentag war, aber das am 18. Januar 1956, also vor 55 Jahren, die Volkskammer das "Gesetz über die Schaffung der Nationalen Volksarmee und des Ministeriums der Nationalen Verteidigung" verabschiedet hat, dieser Fakt findet sich in der "Geschichte der DDR".

Damit begann die Aufstellung und die Entwicklung von Einheiten, Truppenteilen, Stäben und Schulen der NVA. Weiter wörtlich "Mit der NVA enstand das Kernstück in der Organisation der Landesverteidigung. Am Vorabend des 1. Mai 1956 leistete das erste Regiment den Schwur auf den Arbeiter- und Bauernstaat."

Somit existierte die NVA 34 Jahre - wichtig und gut für die Sicherung des Friedens in Europa. In diesem 36 Jahren hat die NVA weder ein anderes Land bombardiert noch zu kriegerischen Zwecken betreten.
Wie lange es nach dem Wegfall des sozialistischen Lagers gedauert hat, bis die Bundeswehr an einem völkerrechtwidrgen Krieg gegen einen anderen Staat teilgenommen hat, brauche ich wohl nicht zu erwähnen.

Quelle des Zitats: "Geschichte der DDR", VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1981

Montag, 28. Februar 2011

Zum 90. die herzlichsten Grüße


Willi Sitte wird heute 90 Jahre alt. Die herzlichsten Glückwünsche und dem Jubilar ein gutes 91. Lebensjahr.

Wann immer sich bestimmte Jahreszahlen, Geburtstage runden, überlege ich mir, haben sie für Dich eine Rolle gespielt, kannst Du etwas damit verbinden.

Wann genau Willi Sitte in Form seiner Gemälde in mein Leben getreten ist, weiß ich nicht mehr genau. Aber es könnte schon sein, daß es mit dem vor Eröffnung des Palastes der Republik im Jahr 1976 war, als sein Wandbild "Die rote Fahne - Kampf, Leid, Sieg" in den Medien der DDR vorgestellt wurde. Von Malerei verstand ich sicher mit meinen 14 Jahren nichts, bis dahin wußte ich nur mit Gewißheit, das "Die Wolgatreidler" von Ilja Repin und "Eisenwalzwerk" von Adolph Menzel geschaffen wurden. Schulstoff Zeichnen halt.

"Die rote Fahne - ..." begeisterte mich von Anfang an, immer wieder und als Berlinerin war ich über Jahre hinweg mindestens einmal monatlich im Palast, stand ich vor diesem Werk und schon sehr zeitig wollte ich genau von diesem Gemälde einen Kunstdruck besitzen. Aber während hier die vor zig Jahren aufgeblockten Spitzwege hängen, habe ich den Kauf bei Sitte irgendwann aus den Augen verloren. Schade!

Aber eines hat dieses Bild bewirkt, daß ich mich für bildnerische Künste zu interessieren begann. Interessieren? Vielleicht zu hoch gegriffen, aber anschauen, meine eigenen Gedanken machen, ja, das begann mit "Die rote Fahne - Kampf, Leid, Sieg".

Bildnachweis: "Die rote Fahne - Kampf, Leid, Sieg", Willi Sitte, aus "Der Palast der Republik", VEB E.A.Seemann Verlag Leipzig 1979

Freitag, 25. Februar 2011

Dagegen sind manche


Einfälle richtig sympathisch. Leider ist dieser anscheinend auf nicht viel Gegenliebe gestoßen, ansonsten hätte der OB von Mainz Jens Beutel wohl keine Strafanzeige gestellt. Ich konnte mir beim Lesen des Artikels ein Grinsen trotzdem nicht verkneifen.

Und es ist wohl schon fast bemerkenswert, daß in Mainz ab und zu über die Berechtigung einer "Hindenburgstraße" nachgedacht wird.

Daß die Neue Synagoge nun schlecht in eben einer solch benamsten Straße stehen kann, ist den Stadtoberen denn aber doch aufgegangen. Schließlich wurde der Platz vor der Synagoge kurz vor deren Eröffnung am 03.09.2010 namentlich von der Hindenburgstraße getrennt und heißt heute Synagogenplatz.

Bildnachweis: Linus Wolf


Genial oder einfach nur zum k.tzen

Auch eine Form von Diskreditierung. Man lade einfach in eine Talkshow (gestern bei Maybrit Illner) Michel Friedman ein und lasse ihn als Kritiker von Karl Theodor von und zu Guttenberg auftreten.


Sonntag, 20. Februar 2011

"Macht keinen guten Mann kaputt"


Nehmen wir uns also nochmal den Satz Franz Josef Wagners vor: "Macht keinen guten Mann kaputt."

Wer ist Karl Theodor Freiherr von und zu Guttenberg denn nun. Bis ins Jahr 2009 war er den meisten Bundesbürgern, obwohl bereits seit 2002 im Bundestag vertreten, sicherlich wenig bekannt.

Eben habe ich in einem Forum gelesen, er wäre keine Quotenfrau, sinngemäß. Aber irgendwie ist er eben doch eine Quotenfrau. Als im Februar 2009 Michael Glos etwas eingeschnappt von seinem Amt als Wirtschaftsminister zurücktrat und der unbekannte Guttenberg ihm nachfolgte, wurde mir zum ersten Mal bewußt, daß es wirklich weniger um Eignung als auch um Bundesländer und deren in Berlin vertretenen Minister ging. Noch deutlicher allerdings trat dieser Umstand 2009 beim Rücktritt Franz Josef Jungs und der Installierung von damals Kristina Köhler (heute Schröder) zutage, daß es wohl jemand aus Hessen sein mußte, da eben Jung auch aus Hessen stammt.

Kehren wir zurück zu dem im Februar 2009 ernannten Wirtschaftsminister Karl Theodor Freiherr von und zu Guttenberg zurück.
Das erste, was den Medien an Leistungsbereitsschaft auffiel, war sein etwas zusammengeschwurbelter Lebenslauf. Panorama zeigte dies bereits in einem Beitrag vier Tage nach seinem Amtsantritt.
Was bleibt von seiner Zeit als "guter" Mann und Chef des Wirtschaftsressorts der BRD? Da wäre wohl die Opel-Rettung und sein Gebaren dabei zu nennen. Von seinem Trip im März 2009 in die USA bleiben vor allem Pressefotos, irgendwelche Vereinbarungen sowohl mit der US-Regierung als auch mit dem Mutterkonzern GM zählen jedoch nicht zu seinen Mitbringseln. Schön, daß wenigstens die mitreisenden 38 Journalisten ihren Flug bezahlten und somit die Kosten-Nutzen-Rechnung der Regierungsmaschine stimmte.
Später war der Wirtschaftminister vehement gegen die Opel-Rettung, er drohte in der Rettungsnacht am 30.05.2009 wohl seinen Rücktritt an, aber ganz so schnell schießen weder Preußen noch Franken. Die Politikerkarriere des "guten" Mannes wäre dann auch arg kurz gewesen.

Sommer 2009. Nicht nur in der BRD ist das Entsetzen über den von einem deutschen Oberst angeordnete Bombenangriff auf zwei geklaute Tanklaster der Bundeswehr groß. Der zu diesem Zeitpunkt verantwortliche Verteidigungsminister (Himmelkrüzitürken, gibbet auch einen anderen Vornamen als...) Franz Josef Jung wird nach, vorsichtig ausgedrückt, unglücklichem Krisenmanagement aus der Schußlinie genommen und übernimmt nach Bildung des neuen Kabinetts das Arbeitsministerium, während Guttenberg nun für das Verteidigungsministerium Verantwortung trägt.

Damit erbt er auch die Verantwortung für die Aufklärung des Luftangriffs auf die zwei entwendeten Tanklaster mit zivilen Opfern und spricht nur Tage nach seinem Amtsantritt und sicherlich auch nicht genügender Kenntnis von militärischer Angemessenheit. Das war zwar nicht klug, aber im Dezember ruderte der Bildsonnyboy ja auch entsprechend zurück.
Infolge der Kunduzaffäre und der etwas verworrenen Informationspolitik wurden der Generalinspekteur der Bundeswehr Schneiderhan und der Staatssekretär Peter Wichert entlassen. Tja, leider gibt es auch dazu irgendwie unterschiedliche Versionen. Ein weiterer General durfte dann Anfang März 2010 in den zeitweiligen Ruhestand.

Immer wieder wird auch kolportiert, der "gute" Mann sprach als erster von Krieg in Afghanistan. Nein, genau das tat er nicht. Er hat zwar immer mal das Wort "Krieg" in den MUnd genommen, aber er selbst sagte nie, die Bundeswehr befinde sich ihm Krieg, siehe Interview für die Bildzeitung am 03.11.2009, veröffentlicht auf der Webseite der Bundesregierung:

"Bild: Werden Sie - wie Ihre Soldaten – "Krieg" nennen, was sich in Afghanistan abspielt?

zu Guttenberg: Ich will ganz offen sein. In Teilen Afghanistans gibt es fraglos kriegsähnliche Zustände. Zwar ist das Völkerrecht eindeutig und sagt: Nein, ein Krieg kann nur zwischen Staaten stattfinden. Aber glauben Sie, auch nur ein Soldat hat Verständnis für notwendige juristische, akademische oder semantische Feinsinnigkeiten? Und: Manche herkömmliche Wortwahl passt für die Bedrohung von heute nicht mehr wirklich. Ich selbst verstehe jeden Soldaten, der sagt: In Afghanistan ist Krieg, egal, ob ich nun von ausländischen Streitkräften oder von Taliban-Terroristen angegriffen, verwundet oder getötet werde". Der Einsatz in Afghanistan ist seit Jahren auch ein Kampfeinsatz, Wenigstens in der Empfindung nicht nur unserer Soldaten führen die Taliban einen Krieg gegen die Soldaten der internationalen Gemeinschaft."

Im April hört sich das nicht mehr ganz so sicher an, aber was bitte ist umgangssprachlicher Krieg? Die Stelle wörtlich:

»Auch wenn es nicht jedem gefällt, so kann man angesichts dessen, was sich in Afghanistan, in Teilen Afghanistans abspielt, durchaus umgangssprachlich – ich betone umgangssprachlich – in Afghanistan von Krieg reden.«

Am 7. November 2010 verunglückte eine Kadettin der Bundeswehr auf dem Tradionsschiff "Gorch Fock" beim Training tödlich. Bereits 2008 machte das Segelschulschiff Schlagzeilen, als eine Offiziersanwärterin während ihrer Seewache und unter nie ganz geklärten Umständen von Bord ging. 2008 und das sei hier angemerkt, trug Karl Theodor von und zu Guttenberg dafür keine Verantwortung. Warum aber nach einem zweiten tödlichen Unfall, eben jenem am 07.11.2010 die "Gorch Fock" nicht sofort zur Heimreise aufgefordert wurde, hm, mir ist das unverständlich. Ironie on: Hat die Bundeswehr eigentlich keine Berufsgenossenschaft? Ironie off.
Erst nachdem die Presse darauf aufmerksam machte, erging im Januar diesen Jahres der Befehl zur Umkehr des Schiffes und veranlaßte über den Generalinspekteur der Marine die Absetzung des Kapitäns Norbert Schatz. Schon 2008 fuhr die "Gorch Fock" unter dem Kommendo von Kapitän Schatz, eine Suspendierung bis zur Klärung der Todesumstände beim Unfall im November 2010 hätte für mich Sinn gemacht, eine Abberufung im Februar 2011 wirft mehr Fragen auf als sie klärt.

Da fällt mir gleich noch ein: Wie lang braucht eigentlich eine Segeljacht, um von Argentinien nach Kiel zu kommen. Schließlich hat doch der Verteidigungsminister am 04. Februar 2011 verfügt, "dass sie sofort und auf direktem Weg nach Deutschland zurückkommen soll."

Zwischen dem Tod der jungen Bundeswehrangehörigen und der medialen Aufmerksamkeit für das etwas merkwürdige Krisenmangement ihres obersten Vorgesetzten wurden wir noch Zeuge einer Adventstalkshow mit Kerner und Ehefrau Stephanie von und zu Guttenberg, bei der es massenhaft von den Medien Kritik hagelte. In Umfragen der Bildzeitung allerdings fanden 78 % der Abstimmenden diesen PR-Besuch angemessen.

Und dann wäre da noch die Geschichte mit den geschenkten 398 Mill. Vertragsstrafean die EADS für den Militärtransporter A400M, 7 Flugzeuge weniger fürs gleiche Geld.

Ich weiß, ich habe einige Meilensteinchen in der Ministerkarriere von und zu Guttenbergs hier nicht erwähnt, u. a. die Einführung einer Berufsarmee in Deutschland oder die sinngemäße Äußerung, daß natürlich auch für wirtschaftliche Interessen militärische Einsätze eine Option sind. Ich hoffe, ich konnte trotzdem deutlich machen, warum ich Bildsonnyboy nicht nur nicht gut finde, sondern ihn eher als eine Katastrophe einschätze.

Bildnachweis: dpa


Samstag, 19. Februar 2011

Manchmal lohnt es sich,

in der Bildzeitung nachzulesen. Am 27.08.2009 schrieb DER Kolumnist dieses Staates folgendes:

"Lieber falscher Dr. Schmidt

Sich einen falschen Busen oder falsche Haare auf die Glatze einpflanzen zu lassen, ist nicht unmoralisch. Sich ein falsches Gehirn einpflanzen zu lassen, muss per Gesetz bestraft werden. Ein Doktortitel ist kein Busen, kein Facelifting und keine Straffung des Popos.

Der Doktortitel war einmal das Edelste der forschenden Studierenden. Wenn der Doktortitel heute verramscht wird, dann müssen wir uns nicht wundern, wenn Nobelpreise andere kriegen. Der Doktortitel war früher ein Juwel, er ist heute Blech. Er ist für Geld zu kaufen.

Ihr Franz Josef Wagner"


Zurecht prangerte der an, und bei Franz Josef Wagner kann man wohl selten die Worte 'zu Recht' gebrauchen, daß der akademische Grad des Doktors mit einer solchen Vorgehensweise seine Honoration verliert, er zum Ramschwerk verkommt. Tja, so war das 2009. Seit dem 15.02.2011 ist die journalistische Welt der BRD schockiert, entsetzt, ja die Artikel weisen auch Häme auf, was ist passiert?


Ein anscheinend linksstehender Professor der Rechte hat die Dissertation des Sonnyboys der Bildzeitung, mit bürgerlichem Namen Karl Theodor von und zu Guttenberg, rezensieren wollen und da fielen ihm einige Unregelmäßigkeiten auf, die wohl dem Doktorvater und der Prüfungskommission der Uni in Bayreuth entgangen sind.

Roland Preuß von der SZ sprach am 16.02.2011 von "Summa cum laude - mehr als schmeichelhaft". Seither werden immer mehr (inwieweit seriös ist noch fraglich) plagiatsverdächtige Stellen in der Dissertation vom Verteidigungsminister der BRD entdeckt. Inwieweit noch etwas, Karl Theodor wirklich zuschreibbares und akademische Grade würdiges von der vorliegenden Schrift übrigbleibt, muß nun die Uni Bayreuth prüfen. Vielleicht hätte Karl Theodor mal ein Werk seines Großvaters lesen sollen, Valli weist in seinem Blogeintrag darauf hin.


Aber trotzdem wollen wir mal unseren Kolumnisten von der Dreckschleuder der BRD nicht außer Acht lassen, der hat nämlich in den vergangenen anderthalb Jahren seine Meinung etwas geändert, wo kämen wir hin, wenn die Bildzeitung ihren Sonnyboy verlöre, deshalb schrieb Franz Josef Wagner am 17.02.2011 folgendes:


"Lieber Dr. zu Guttenberg,

worum geht es bei den Plagiatsvorwürfen um Ihre Doktorarbeit? Um die Reinheit der Wissenschaft? Oder darum, einen Superstar zu entzaubern?

Ihre Beliebtheit im Polit-Barometer ist titanisch. Sie werden Lichtgestalt genannt. Die Deutschen erwarten, dass Sie höhere Aufgaben übernehmen – Ministerpräsident von Bayern, Kanzler von Deutschland.

Die Plagiatsvorwürfe sollen Sie zu einem Taugenichts reduzieren, einem Abschreiber, einem Betrüger.

Ich lebe seit 20 Jahren in der Berliner Republik, in dem Sumpf der Eifersucht. Wer hat das bessere Foto in der Zeitung? Wer war im „Morgenmagazin“ bei ARD, ZDF, wer bei Anne Will? Wer bei Plasberg?

Wer sah besser aus als ich?

Immer sah Guttenberg besser aus als alle anderen. Ich glaube, das war der Moment, wo die Jagd auf Guttenberg begann.

Hat er als Schüler geklaut? Hat seine Frau ein uneheliches Kind? Hat er die Steuer beschissen?

Aaaha, endlich die Doktorarbeit. Die Jäger haben ein Schussfeld. Sie können schießen.

Ich habe keine Ahnung von Doktorarbeiten. Ich flog durchs Abitur und habe nie eine Universität von innen gesehen. Also, ich kann von außen sagen: Macht keinen guten Mann kaputt. Scheiß auf den Doktor.

Herzlichst, Ihr Franz Josef Wagner"


Diese Gegenüberstellung beider Zitate findet sich auch im Bildblog, daß habe ich aber erst gemerkt, als ich nach den Zitaten von Wagner googelte.


Manchmal gebe ich zu, bin ich einfach blauäugig. Seit von und zu in Ministerwürden ist, hat er keine gute Figur abgegeben, aber nie im Leben hätte ich geglaubt, daß ein Mensch, der bereits mit seiner Geburt zu den Bevorzugten dieser bürgerlichen Gesellschaft (das werfe ich ihm nicht vor, dafür kann er nichts) gehört, dem dadurch alle Türen offen stehen, zu solch billigen Mitteln greift, einen Doktortitel zu erlangen.