Donnerstag, 3. Februar 2011

Wenn es nicht so traurig wäre,


könnte man sich wohl kaputtlachen. Unter der Überschrift "Schnee verhindert Unterricht" meldet die Mainzer Allgemeine Zeitung, daß heute im Frauenlob-Gymnasium der Stadt der Unterricht ausfallen muß.

Schnee? Also in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch hat es sowohl in der Stadt Mainz als auch im Landkreis geschneit. Ich nehme an, damit war meine nächste Umgebung nicht allein betroffen, es wird wohl auch anderswo mal mehr, mal weniger Schnee vom Himmel gefallen sein.

Hier jedenfalls waren es maximal 5 cm und auch wenn ich nicht weiß, ob das onige Foto tatsächlich am gestrigen Tag geknipst wurde, so wie dort könnte die gefallene Schneemenge auf dem Schulhof tatsächlich ausgesehen haben.

Auch wenn das Schneeräumgerät seit Dezember 2010 defekt ist, stellen sich mir einige Fragen:

Gibt es an der Schule keinen Hausmeister, der den Mittwoch dazu nutzen konnte, den Schulhof so vom Schnee zu räumen, daß heute der Schulhof ohne Gefahr zu betreten gewesen wäre? Wohlbemerkt, es hat seit gestern morgen nicht mehr in Mainz geschneit.

Gibt es an der Schule keine Schneeschieber und keine Klasse, die freiwillig gemeinsam am Mittwoch nach dem Unterricht in einer halben Stunde den Hof hätten freischieben können?

Ist die Stadt tatsächlich nicht in der Lage, kurzfristig Abhilfe zu schaffen?

Ich selbst bin von 1968 - 1978 in Berlin in die Schule gegangen. Was den Schneefall betrifft, denke ich, daß Mainz und Berlin sich nicht viel nehmen, in Berlin eher mehr Schnee fällt. Auch gab es ganz sicher kein wie auch immer geartetes Schneeräumgerät, von Besen und Schneeschiebern abgesehen.
Ich kann micht nicht erinnern, daß wir ein einziges Mal wegen Schneefalls (und wir reden hier nicht von ländlichen Regionen, sondern von Städten) Unterrichtsausfall hatten.

Allerdings hatten wir einen Hausmeister, der auch im Schulgebäude wohnte. Herr Buder führte ein strenges Regime und wenn der Schneefall wirklich eine Unfallgefahr bedeutet hätte, okay, dann wäre in einer DDR-Schule wohl an eine obere Klasse die Weisung ergangen, eine Unterrichtsstunde für die Räumung zu opfern. Wobei ich im Rückblick annehme, das hätte unser Herr Buder auch allein geschafft.

Eine Stunde für eine Klasse - kein völlig sinnlos ausgefallener Unterrichtstag für ein ganzes Gymnasium.

Bildnachweis: Sascha Kopp in AZ vom 03.02.2011

Dienstag, 1. Februar 2011

Gefunden


Winterlandschaft 1990


Kleines Land, weithin verschneit.
Die Stille gefriert unterm Mond.
Schnee deckt ein Leichentuch,
schön anzuschaun.
Stöhnen die Bäume?
Bebt die Erde?

Ich geh durch die Nacht, höre
die gierigen Krähen und sehe
den Anblick des Engels
im Schnee.

Wer starb hier?
Ich nicht ...
doch mein Land.


Gefunden habe ich das Gedicht in der Veröffentlichung "DDR - Realität und Hoffnung" vom GNN-Verlag, die gerade erschienen ist.

Es ist der 6. Band des Projektes "Als Zeitzeugen erlebt - Spuren der Wahrheit". 2003 erschien der 1. Band mit dsem Titel "Vereinnahmung der DDR", 2005 folgte "Bewahrenswertes DDR-Erbe", 2007 "DDR-Erfahrungen für eine sozialistische Zukunft. Der 4. Band lautete 2008 "DDR - unauslöschbar". Ein Jahr später der 5. Band "Vermächtnis DDR" und eben seit kurzen der 6. Band.

Christa Kozik
, am 1. Januar dieses Jahres 70 Jahre alt geworden, dürfte so ziemlich vielen Menschen, die in der DDR geboren und aufgewachsen sind, durch ihre Bücher bzw. Szenarien für Filme bekannt sein, gehören doch dazu "Philipp, der Kleine", "Der Engel mit dem goldenen Schnurrbart", "Ein Schneemann für Afrika", "Moritz in der Litfaßsäule" oder auch "Die Hälfte des Lebens".

Bildnachweis:
/ © goes / Christa Kozik, am 15.6.06 in Göttingen bei Autogrammen für Kinder, auf www.goest.de


Freitag, 28. Januar 2011

Der 27. Januar


ist seit 1996! (man sollte wohl sagen erst) in der BRD ein nationaler Gedenktag. Es ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, so lautet offiziell sein Name.

Daß ich einen Tag zu spät mit meinem Blogbeitrag zu diesem Thema bin, hat mit der gestrigen Veranstaltung zu tun, die ich besucht haben. Der VVN-BdA Mainz hatte eingeladen, um an den jüdischen Mainzer Alfred Epstein zu erinnern.

Alfred Epstein wurde 1903 in Mainz geboren und verstarb nach einem interessanten und ereignisreichen Leben 1991 ebenfalls in Mainz.

Er war Jude, er war politisch aktiv und mußte 1933 nach Hitlers Machtantritt aus Deutschland fliehen. Einige Stationen seines Lebens wurden für die Ausstellung "Trotz alledem", die im vergangenen Jahr in Mainz im Haus der Jugend zu sehen war, zusammengetragen. So war Alfred bis zu seiner Flucht u.a. Mitglied des sozialdemokratischen Reichsbanner.

Die gestrige Veranstaltung stellte seine nie publizierten Memoiren in den Mittelpunkt. Zwei Schauspielstudentinnen lasen daraus vor, während von zwei anderen Mitwirkenden mit einzelnen Stationen von Epsteins Leben bekanntmachten.

Alles in allem war es ein sehr interessanter Abend, der jedoch verhinderte, daß ich bereits gestern etwas zu diesem Thema schreiben konnte.

Ich möchte auch auf den kurzen Lebenslauf von Erwin Epstein hinweisen. Der jüngere Bruder Alfreds floh ebenfalls 1933 nach Paris und ging 1936 nach Spanien zu den Internationalen Brigaden. Er kämpfte im "Thälmannbatallion" und war damit einer von 10 Mainzern, die während des Bürgerkrieges die Truppen der Volksfrontregierung gegen die spanischen, deutschen und italienischen Faschisten unterstütze. Erwin Estein fiel 1938 26-jährig.

Bildnachweis: Linoldruck aus der Werkstatt uah! von Thilo Weckmüller

Montag, 17. Januar 2011

Verbrechen gegen Afrika


"40 000 Kopfprämie 17. Januar 1961.
Vor dem Kommandoturm des Flughafens Elisabethvielle liegt die betonierte Start- und Landebahn im grellen Glast, in der Ferne begrenzt vom Urwald, den heute, an diesem Januartag, ein flimmernder Dunstschleier krönt. Die letzte Feuchtigkeit der Regenperiode ist der Sonnenhitze gewichen.
Auf dem kleinen Balkon des Kommandoturms stehen drei Personen - zwei Europäer und ein dicklicher Einheimischer mit massivem Genick. Sie tragen Anzüge nach der neuesten europäischen Mode. Aufmerksam beobachten sie ein Flugzeug, das soeben zur Landung ansetzt. Der Dicke kann das Ende des Landemanövers kaum erwarten, Er droht ungeduldig mit der geballten Faust. 'Diesmal entkommst Du mir nicht', sagt er mit leiser, erregter Stimme. 'Jetzt nehme ich Rache.'"

So beginnt das Kapitel "Verbrechen gegen Afrika" in Kurt Rückmanns "Schlagzeile Mord". Der Dicke ist Godefroid Munongo und Innenminister der Regierung Katanga, eigentlich ein Teil vom Kongo. Der, den er erwartet und der diesen Tag nicht überleben wird, ist Patrice Lumumba, Minsterpräsident der seit dem 30. Juni 1960 unabhängigen Republik Kongo.

Am 30. Juni 1960 rief Patrice Lumumba in Leopoldsville die Unanhängigkeit aus. Die Unabhängigkeit war hart erkämpft worden. In Gesprächen mit der belgischen Kolonialmacht wurden seit dem 20. Januar 1960 Gespräche über die Unabhängigkeit geführt. Zu diesem Zeitpunkt saß Lumumba im Gefängnis, verhaftet 3 Monate vorher auf einer Demonstration in Stanleyville, bei der von der Kolonialpolizei 75 Kongolesen getötet und über 200 verwundet wurden. Notgedrungen mußte er freigelassen werden, weil die kongolesische Delegation sonst die Verhandlungen zur Unabhängigkeit nicht aufgenommen hätte. Und in dem afrikanischen Staat gärte es.

Doch mit der Unabhängigkeitserklärung kam keine Ruhe in das zentralafrikanische Land. Zu viel Profit konnten die belgischen Besitzer der Union Minière, die aus der kongolesischen Schatzkammer Katanga Uran, Kobalt und Kupfer abbaute. 1959 wurden 280.300 Tonnen Kupfer, 8.430 Tonnen Kobalt sowie 2.900 hochwertiges Urankonzentrat gefördert. Das brachte der Union Miniére einen Reingewinn von ca. 6 Mill. Franc (Wert 1960). Und das aufgeben?

Heute vor 60 Jahren wurde Patrice Lumumba ermordet, weil er die Macht der belgischen Kolonialisten brechen wollte, weil seine Partei (MNC) und er für die Unabhängigkeit kämpften und nach der Proklamation der Republik Kongo alles dafür taten, es nicht bei einer Erklärung zu belassen, sondern wirkliche Unabhängigkeit anstrebten, den natürlichen Reichtum Kongos für Kongolesen nutzen wollten, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Das Buch ist übrigens sehr lesenswert. Es zeigt politische und wirtschaftliche Zusammenhänge der Morde an Solomon Bandaranaike, Dr. Felix Moumié, Egerton Norman, Patrice Lumumba, Prof. Galindez, Stepan Bandera, Wolfgang Döring und John F. Kennedy auf.

Quellennachweis: "Schlagzeile Mord", Kurt Rückmann, Deutscher Militärverlag Berlin 1966, Zitat S. 135


Donnerstag, 13. Januar 2011

Kalenderblatt 13. Januar

1782: In Mannheim wird Friedrich Schillers Drama "Die Räuber" uraufgeführt.

1898: Emile Zola fordert in einem offenen Brief "J'accuse" (Ich klage an) die Wiederaufnahme des Prozesses gegen den wegen Hochverrats verurteilten Offizier Alfred Dreyfuß. Zola selbst wird zu einer Gefängisstrafe sowie einer Geldstrafeverurteilt, kann sich jedoch der Verhaftung entziehen. Sein offener Brief jedoch trägt mit zur Neuaufnahme des Prozesses und damit zur Rehabilitierung von Alfred Dreyfuß bei.

Quelle: Kalenderblatt 1913

1920: "Am 13 Januar, als die zweite Lesung des Betriebsrätegesetzes in der Nationalversammlung begann, versammelten sich Zehntausende Berliner Arbeiter vor dem Reichstagsgebäude, um ihrer Empörung über den Gesetzentwurf Ausdruck zu verleihen. Die konterrevolutionäre Sicherheitswehr schoß auf die friedlichen und waffenlosen Demontranten. Die Verantwortung für den Schießbefehl des Generals von Lüttwitz trugen der sozialdemokratische Reichswehrminister Günter Noske und der sozialdemokratische preußische Innenminister Wolfgang Heine. 42 Tote und 105 Verwundete waren Opfer dieses Blutbades, das den Wegh zur Annahme des Betriebsräte gesetzes freimachte."

Quelle: "Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung" Band 3, Dietz Verlag Berlin 1966

1935: In der Volksabstimmung zum Saarland sprechen sich ca. 91 % der Teilnehmer für die Wiedereingliederung in das Deutsche Reich aus. Lt. Wikipedia wird hier vermutlich zum ersten Mal der Slogan "Heim ins Reich gebraucht.

Quelle: Wikipedia

1945: Am 13 Januar beginnt die 3. Belorussische Front mit der Offensive gegen Königsberg und Ostpreußen. Der verfrühte Angriff war notwendig geworden, da sich die anglo-amerikanischen Truppen im Westen in einer schwierigen Lage befanden und Churchill die sowjetische Seite bat, den Angriff vorzuverlegen.

Quelle: "Geschichte des Zweiten Weltkrieges" Band 2, Deutscher Militärverlag Berlin 1961