Montag, 17. Januar 2011

Verbrechen gegen Afrika


"40 000 Kopfprämie 17. Januar 1961.
Vor dem Kommandoturm des Flughafens Elisabethvielle liegt die betonierte Start- und Landebahn im grellen Glast, in der Ferne begrenzt vom Urwald, den heute, an diesem Januartag, ein flimmernder Dunstschleier krönt. Die letzte Feuchtigkeit der Regenperiode ist der Sonnenhitze gewichen.
Auf dem kleinen Balkon des Kommandoturms stehen drei Personen - zwei Europäer und ein dicklicher Einheimischer mit massivem Genick. Sie tragen Anzüge nach der neuesten europäischen Mode. Aufmerksam beobachten sie ein Flugzeug, das soeben zur Landung ansetzt. Der Dicke kann das Ende des Landemanövers kaum erwarten, Er droht ungeduldig mit der geballten Faust. 'Diesmal entkommst Du mir nicht', sagt er mit leiser, erregter Stimme. 'Jetzt nehme ich Rache.'"

So beginnt das Kapitel "Verbrechen gegen Afrika" in Kurt Rückmanns "Schlagzeile Mord". Der Dicke ist Godefroid Munongo und Innenminister der Regierung Katanga, eigentlich ein Teil vom Kongo. Der, den er erwartet und der diesen Tag nicht überleben wird, ist Patrice Lumumba, Minsterpräsident der seit dem 30. Juni 1960 unabhängigen Republik Kongo.

Am 30. Juni 1960 rief Patrice Lumumba in Leopoldsville die Unanhängigkeit aus. Die Unabhängigkeit war hart erkämpft worden. In Gesprächen mit der belgischen Kolonialmacht wurden seit dem 20. Januar 1960 Gespräche über die Unabhängigkeit geführt. Zu diesem Zeitpunkt saß Lumumba im Gefängnis, verhaftet 3 Monate vorher auf einer Demonstration in Stanleyville, bei der von der Kolonialpolizei 75 Kongolesen getötet und über 200 verwundet wurden. Notgedrungen mußte er freigelassen werden, weil die kongolesische Delegation sonst die Verhandlungen zur Unabhängigkeit nicht aufgenommen hätte. Und in dem afrikanischen Staat gärte es.

Doch mit der Unabhängigkeitserklärung kam keine Ruhe in das zentralafrikanische Land. Zu viel Profit konnten die belgischen Besitzer der Union Minière, die aus der kongolesischen Schatzkammer Katanga Uran, Kobalt und Kupfer abbaute. 1959 wurden 280.300 Tonnen Kupfer, 8.430 Tonnen Kobalt sowie 2.900 hochwertiges Urankonzentrat gefördert. Das brachte der Union Miniére einen Reingewinn von ca. 6 Mill. Franc (Wert 1960). Und das aufgeben?

Heute vor 60 Jahren wurde Patrice Lumumba ermordet, weil er die Macht der belgischen Kolonialisten brechen wollte, weil seine Partei (MNC) und er für die Unabhängigkeit kämpften und nach der Proklamation der Republik Kongo alles dafür taten, es nicht bei einer Erklärung zu belassen, sondern wirkliche Unabhängigkeit anstrebten, den natürlichen Reichtum Kongos für Kongolesen nutzen wollten, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Das Buch ist übrigens sehr lesenswert. Es zeigt politische und wirtschaftliche Zusammenhänge der Morde an Solomon Bandaranaike, Dr. Felix Moumié, Egerton Norman, Patrice Lumumba, Prof. Galindez, Stepan Bandera, Wolfgang Döring und John F. Kennedy auf.

Quellennachweis: "Schlagzeile Mord", Kurt Rückmann, Deutscher Militärverlag Berlin 1966, Zitat S. 135


Kommentare:

Nadja Norden hat gesagt…

Liebe Jette,
Surfe mal zu Heinkas Blog http://heinkas.blogspot.com und lies dort mein Kommentar auch. Ich verspreche Dir: Du wirst etwas zum „klauen“ vorfinden.
Zweitens, sah ich heute ein bei uns verlegtes Kinderbuch auf Niederländisch „De piraten van de Mississippi“ (1948) von Friedrich Gerstäcker Verlag Neues Leben 1972. Sagt Dir der Titel etwas?
Ganz liebe Grüße,
Deine Nadja

Ramsay hat gesagt…

TOD LUMUMBAS

Am Kongo steht ein Bastbaum rot.
Patrice Lumumba, der Held, ist tot.

Lumumba liegt mit blutiger Brust,
Weil er vertraut, wo er kämpfen mußt.

Der König viel von Freiheit log.
Sein Heer da schon gen Mittag flog.

Lumumba sprach: den Krieg ich meid,
Mir tun die toten Soldaten leid.

Er rief die Freunde von überm Meer,
Sie sollten stellen die Ruhe her.

Sie hielten ihm den Mund zu.
Da gab es eine große Ruh.

Lumumba durch den Urwald floh
Mit Okito und M'Polo.

Im Urwald wurden sie gefangen.
Der König hat seine Hochzeit begangen.

Doch als Lumumba im Kerker stak,
Da hat das Volk nach ihm gefragt.

Für vierzigtausen Pfund Silbers Lohn
Verkaufen sie ihn der Minen-Union.
Bist du zum Sterben schon bereit?
Ich bin zum Sterben nicht bereit.

Da schossen sie ihn durch die Brust,
Weil er vertraut, wo er kämpfen mußt.

Peter Hacks

(Patrice Lumumba, Premierminister der Republik Kongo, wurde vom Generalsekretär der Vereinten Nationen Dag Hammarskjöld ermordet am oder vor dem 12.2.1961; die "Blauhelme" waren schon damals die Fremdenlegion der USA. An Lumumbas Stelle eingesetzt wurde Oberst Joseph Désiré Mobutu.)