Montag, 10. Januar 2011

Kennst Du noch den Weltfriedensrat?

Lange habe ich das Wort "Weltfriedensrat" nicht mehr gelesen, ja ich wußte nicht mal, ob er noch existiert. Gestern abend beim Lesen im RotFuchs tauchte es wieder auf, im Beitrag zum türkischen Kommunisten und Dichter Nazim Hikmet. Und wann immer mir ein lang nicht gehörter Begriff wieder unter die Augen kommt, ist es Zeit für: Kennst Du noch/Weißt Du noch?

Der Weltfriedensrat wurde auf dem II. Weltfriedenskongreß vom 16. - 22.11.1950 in Warschau gebildet. Er löste das Ständige Komitee des Weltfriedenskongresses ab, das auf dem I. Weltfriedenskongeß (gleichzeitig vom 20.04.- 25.04.1949 in Paris und Prag tagend) gewählt worden war.

"Er tritt ein für die Prinzipien des friedlichen Nebeneinanderbestehens der Staaten mit unterschiedlicher Gesellschaftsordnung; die Beilegung von Streitigkeiten zwischen den Ländern mit Hilfe von Verhandlungen und Vereinbarungen; das Verbot von Kernwaffen und aller Massenvernichtungsmittel; die allgemeine und vollständige Abrüstung; die europäische Sicherheit; die Unterstützung des Kampfes der kolonialen und unterdrückten Völker um ihre nationale Unabhängigkeit usw.

Zu den wirkungsvollsten Aktionen des Weltfriedensrates (WFR) gehören die weltweite Unterschriftensammlung unter den Stockholmer Appell für das Verbot der Atomwaffen und die Aktionen für das Verbot von Kernwaffenversuchen.

Die Tagung des WFR in Genf im Juli 1966 beschloß ein Memorandum zur europäischen Sicherheit, das den Bestrebungen der europäischen Völker nach Frieden Rechnung trägt. Der WFR stützt sich auf die nationalen Friedenskomitees, auf Weltorganisationen wie den WGB (Weltgewerkschaftsbund), die IDFF, den WBDJ u. a., die Kollektivmitglieder sind und auf bekannte Einzelpersönlichkeiten.

Er vereinigt Vertreter aller Bevölkerungsschichten, der Gewerkschaften, der freischaffenden Berufe sowie der verschiedensten Organisationen, unabhängig von ihrer politischen, religiösen und anderen Überzeugungen. Mehr als 500 Mitglieder, darunter auch Persönlichkeiten aus der DDR, vertreten im WFR über 80 Länder.

Während der Zeit zwischen den Tagungen werden die Beschlüsse durch sein Präsidium durchgeführt. Ständiges Organ des WFR ist das Sekretariat..."

Quelle: Kleines Politisches Wörterbuch, Dietz Verlag Berlin 1967


Ja, es gibt ihn noch, den Weltfriedensrat,seit ist Socorro Gomez Präsident des WFR, heute hat der WFR seinen Sitz in Wien, nachzulesen unter Wikipedia.

Erster Präsident des WFR war Frédéric Joliot-Curie, Ehemann von Iréne Joliot-Curie und Schwiegersohn von Marie Curie.

Jährlich gibt der WFR einen Internationalen Friedenspreis heraus, Preiträger waren u.a. Nikos Kazantzakis, Dmitri Schostakowitsch, bereits oben erwähnter Nakim Hikmet, Pablo Neruda, Paul Robeson, Pele, Charlie Chaplin.

Bildnachweis: Bundesarchiv, 1954 noch Haus der Ministerien geschmückt zur Außerordentlichen Tagung des WFR in Berlin

Natürlich weckt dieses Foto Erinnerungen, denn ich habe als Kind oft vor diesem Haus gestanden und auf die Mutter gewartet, die eben genau dort arbeitete. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte und es war auch deutlich nach 1954.


1 Kommentar:

Nadja Norden hat gesagt…

Liebe Jette,
Die Wirkung und Aktivitäten des Weltfriedensrates waren seit den sechziger Jahre nicht in allem in meinem Sinne. Doch hat es, vor allem in seine Anfangsjahre, viel Gutes und Nützliches geleistet und ins Leben gerufen: Eins davon war die „Internationale Radfernfahrt für den Frieden“ (seit 1948 Warschau-Prag, ab 1952 auch Berlin, daher auch durch Frankfurt(Oder)!) geläufig „Friedensfahrt“ genannt. Alles Amateure im besten Sinne, keine Berufssportler, und vor allem war es eine echte aktive Kundgebung der Völkerfreundschaft und des Friedens.
„Für den Frieden der Welt steht die Menschheit auf Wacht“, tut heutzutage genau so Not wie damals im Kalten Krieg.
Ganz liebe Grüße,
Deine Nadja