Samstag, 21. März 2009

Ein bewunderswertes Ehepaar

Im Januar bzw. im Juni vor 30 Jahren starben Rudolf Welskopf und Lieselotte Welskopf-Henrich.

Warum mir das heute einfällt? Ich lese mal wieder das Indianer-Kinderbuch "Die Söhne der Großen Bärin", der Winnetou des Ostens. Fast jedes Kind kannte diese 6 Bücher (zumindest in der letzten DDR-Auflage waren es 6 Bände) und Lieselotte Welskopf-Henrich wurde als Historikerin über die Grenzen der DDR bekannt.

Ihre Weiterführung des Geschehens in "Stein mit Hörnern" und den folgenden Bändern brachte mich wohl mit 13 Jahren an den Beginn des Erwachsenenwerdens. Zum ersten mal mußte ich damals mit meinem noch Kindergemüt einsehen, daß auch Gegenwartsliteratur nicht immer "gut" ausgeht. Obwohl großer Fan von Lieselotte Welskopf-Henrich, habe ich dieses Buch nie bis zum Schluß gelesen. Auch heute noch wehrt sich in mir irgendetwas dagegen. So steht "Das helle Gesicht" zwar im Schrank, ist aber noch jungfräulich.

Ein anderes von mir geliebtes Buch von Lieselotte Welskopf-Henrich "Jan und Jutta" ist der Grund, warum da oben von dem bewundernswerten Ehepaar die Rede ist.

In "Jan und Jutta", einem 1954 veröffentlichten Roman, beschreibt L. Welskopf-Henrich den Lebensweg eines Kommunisten von seiner Kindheit bis zur Befreiung Berlins durch die Sowjetunion. 9 Jahre (1935 - 1944) geht die Romangestalt Jan wegen seines Widerstandes gegen den Hitlerfaschismus durch die Kerker und Konzentrationslager, ehe ihm im Sommer 1944 mit Hilfe einer Brieffreundin "draußen" die Flucht aus dem Außenlager Lichterfelde gelingt. Die letzten Monate des Krieges verbringt er in dem Mietshaus seiner Fluchthelferin, die der Privatwohnung Kaltenbrunners gegenüber wohnt.

Ich gebe zu, es hat Jahre gebraucht, ehe ich begriffen habe, daß dieser Roman stark autobiographische Züge Welskopf-Henrichs trägt, daß sie die Fluchthelferin und ihr späterer Mann Rudolf Welskopf aus der Region Stade jener Kommunist war, dem die Flucht gelang.

Mehr über Rudolf Welskopf, seine Biographie und auch über die Bemühungen, in seiner Heimat zum Gedenken eine Straße nach ihm zu benennen bzw. eine Tafel anzubringen, kann man beim VVN-BdA Kreisvereinigung Stade nachlesen.

Bildnachweis: Rudolf Welskopf und Lieselotte Welskopf-Henrich auf www.stade.vvn-bda.de/wkpaar.gif

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Wieder mal prima recherchiert - und Lust auf Stöbern bei mir ausgelöst. Ich habe "Jan und Jutta" in einer Ausgabe von 1957 in meiner Bibliothek stehen, neben 3 weiteren Romanen von ihr, aus dem Nachlaß meiner Eltern. Als ich klein war, hatte ich geglaubt, L.Welskopf-Henrich hätte nur Indianerromane geschrieben. Da dieses Thema nicht so interessant war für mich, traute ich mich lange Zeit nicht, weitere Bücher wenigstens mal aufzuschlagen. Nachdem mein Vater plötzlich starb, verbrachte ich als 16-jährige viel Zeit mit Lesen. Dabei entdeckte ich dann für mich diesen Roman. 25 Jahre nach Ende des fürchterlichen 2.Weltkriegs war ich beeindruckt von der Geschichte, die erzählt wurde und von der wunderbaren Menschlichkeit. Und ich war froh, dass ich in eine andere Zeit hineingeboren wurde. Dass durch Menschlichkeit allein keine gerechte Gesellschaft ent- und bestehen kann habe ich im Laufe meines Lebens begriffen. Ich bin sehr traurig darüber, dass wir das Vermächtnis von "Jan und Jutta" nicht verteidigen konnten.

Jeanette hat gesagt…

Ich habe eben geschaut, meine Ausgabe von "Jan und Jutta" ist von 1960, war wohl in Mutterns Bücherschrank, ehe es in meine Hände wanderte. Und ja, Du hast recht, wieviele Menschen haben in dieser furchtbaren Zeit ihr Leben für unsere Zukunft hingegeben und wir konnten es nicht bewahren.