Samstag, 17. April 2010

Die nichtendende Geschichte


4 Särge kommen innerhalb von 2 Wochen zu den 3 vom Karfreitag hinzu. Und doch habe ich das Gefühl, dieser Krieg ist noch nicht wirklich in der BRD angekommen. Wo bleiben die Aufrufe zu Antikriegsdemonstrationen? Wo blieben die massenhaften Teilnahmen an den Ostermärschen?

Afghanistan ist weit weg und 43 Tote scheinen Bundesbürger nicht aufzurütteln. In 43 Familien jedoch werden wieder Kriegstote beklagt, Soldaten, die weit der Heimat ihr Leben lassen. Achnee das sind umgangssprachlich Kriegstote. Allerdings spricht man in Qualitätsmedien der BRD inzwischen von "Gefallenen".

Weiß eigentlich noch jemand genau, was wir dort wollen? Kann wirklich jemand, der nicht zum Militär gehört, noch unterscheiden, was ISAF, OEF usw. sind, welche Ziele die jeweiligen Aktionen haben? Wissen vor allem die, die alljährlich diesen sinnlosen Krieg mit ihrer Zustimmung verlängern, die sich mit ihrer Zustimmung aktiv an diesem Krieg beteiligen, was wir denn dort wollen?

Zum Glück haben wir ja eine Bundeskanzlerin, die uns das mal wieder genau erklärt. In Anlehnung an Peter Struck, der auch schon unsere Sicherheit am Hindukusch verteidigte, äußerte sie sich so:

FRAGE: Die Skepsis und die Ablehnung in der Bevölkerung und auch in der Politik nehmen durchaus zu. Wie lange, glauben Sie, können Sie den Einsatz politisch so noch durchhalten?

BK'IN DR. MERKEL: Es geht nicht nur darum, dass wir in Afghanistan Sicherheit für die Afghanen herstellen und die Entwicklung dort ermöglichen wollen, sondern es geht auch darum, dass wir Sicherheit für uns in Deutschland und natürlich auch alle westlichen Demokratien erreichen. Dieser Einsatz ist gefährlich ‑ das wissen wir ‑, aber wir müssen diesen Einsatz insofern fortführen, und wir müssen ihn auf der Grundlage des sehr sorgfältig ausgearbeiteten Mandats fortführen. Wichtig, glaube ich, ist, dass die Soldatinnen und Soldaten unsere Unterstützung in einem so schwierigen Einsatz fühlen und miterleben. Denn sie helfen uns, dass wir in Deutschland sicher leben können.
http://www.bundesregierung.de/nn_246...ghanistan.html

AHA!!!!

Kommentare:

Valli hat gesagt…

Das Schlimme ist ja, dass sie mit "wir" ausschließlich uns meint. Wir finanzieren diesen blutigen und sinnlosen Krieg und wir sollen unsere Söhne und Töchter schicken. Bindet die Merkels, Westerwelles,Steinmeyers, Özdemirs und die übrigen Kriegshetzer an den Steuerknüppeln von Panzern fest! Dann können sie dort ihren Krieg führen!

Nadja Norden hat gesagt…

Liebe Kampfgenossin Jette,
Ich bin schon ganz einverstanden mit Freund Vallis Konklusion. Der Afghanistaneinsatz der BRD ist keine Frucht einer eigenständigen imperialistischen Politik sondern einen Nato-Auftrag, die Gefallenen sind Freiwilligen. Es ist wahrscheinlich daher daß es die Leute, einschließlich die Pazifisten, kaum berührt. Die Phrasendrescherei der Merkel wird kaum beachtet, es sei denn von einer Minderheit Bürger mit Engagement. Und es ist – leider – keine Neuerscheinung, vielmehr Tradition in der deutschen Geschichte, daß der Militarismus carte blanche (einen Freibrief) hat. Die einzige gute Nachricht ist daß, so oder so, die vielgerühmte westliche „Demokratie“ (Freiheit die sie meinen) mit oder ohne Afghanistaneinsatz unabweisbar zu den Verlierern der Geschichte gehört. Ich sehe schon eines Tages Merkel hinter schwedische Gardinen. Freund Valli hat schon ein passendes Bild für diesen Wunsch publiziert ;)
Etwas anderes: Es ist wieder eine Weile her, kannst bitte auch mal wieder eine Zuschrift in meinem Blog schreiben…
Es grüßt ganz lieb,
Deine Nadja

Frank aus Storkow hat gesagt…

Noch mal zum Zitat der konterrevolutionären Arbeiterverräterin Merkel (ehemalige FDJ-Sekretärin -verantwortlich für Agitation und Propaganda in der Akademie der Wissenschaften in Berlin-Adlershof)--- siehe WIKIPEDIA

„…….sondern es geht auch darum, dass wir Sicherheit für uns in Deutschland und natürlich auch alle westlichen Demokratien erreichen…..“

das bedeutet: das Volk soll glauben, es bestehe eine Gefährdung des politischen Status quo der westlichen Welt durch Terroristen aus Afghanistan.

gefährdet ist aber der Status Quo der westlichen Welt durch ihre kapitalist. Produktionsweise ,die zuhnehmend mit den vorhandenen Produktivkräften in Widerspruch geraten. (Finanz und Wirtschaftskrise)

Zitat:
„Hinter der Gefährdung des politischen Status quo verbirgt sich die Gefahr des Zusammenbrechens der ganzen bürgerlichen Gesellschaft.
Die einzig mögliche Lösung im Sinne der Bourgeoisie ist die Aufschiebung der Lösung.“
K. Marx, Klassenkämpfe in Frankreich, MEW 7, 105.

Eine bewährte Lösung der "Aufschiebung" ist Krieg,einwunderbares Konjunkturpaket

Zitat:
„Wenn eine Klasse, die zu herrschen gewohnt ist, mit Ruin bedroht ist, gibt es keinen Wahnsinn, zu dem sie nicht Zuflucht nehmen kann.“
Leo Trotzki, Revolutionsaussichten in Deutschland ( 20. Oktober 1923)

„Krieg und Leichen –Die letzte Hoffnung der Reichen“
Ist der Titel einer Fotomontage von John Heartfeild


Bei folgendem Zitat habe ich drei mal überlegt ob ich es hier vortrage

Zitat von Kriegsverbrecher Herrmann Göring:
18. April 1946
Abend im Gefängnis. Görings Zelle:
" ... Nun, natürlich, das Volk will keinen Krieg", sagte Göring achselzuckend.
"Warum sollte irgendein armer Landarbeiter im Krieg sein Leben aufs Spiel setzen wollen, wenn das Beste ist, was er dabei herausholen kann, dass er mit heilen Knochen zurückkommt.
Natürlich, das einfache Volk will keinen Krieg; weder in Russland, noch in England, noch in Amerika, und ebenso wenig in Deutschland. Das ist klar.
Aber schließlich sind es die Führer eines Landes, die die Politik bestimmen, und es ist immer leicht, das Volk zum Mitmachen zu bringen, ob es sich nun um eine Demokratie, eine faschistische Diktatur, um ein Parlament oder eine kommunistische Diktatur handelt.
... das Volk kann mit oder ohne Stimmrecht immer dazu gebracht werden, den Befehlen der Führer zu folgen.
Das ist ganz einfach. Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land in Gefahr.
Diese Methode funktioniert in jedem Land."

Aus: Nürnberger Tagebuch / von G.M. Gilbert. Ehemaliger Gerichts-Psychologe beim Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher. Aus dem Amerikanischen übertragen von Margaret Carroux ... - Fischer: Frankfurt a.M., 1962. - 455 S.

Folgendes wird hier praktiziert und geprobt :

Wieviel tote Soldaten akzeptiert das deutsche Volk zum erhalt der kapitalistischen Gesellschaftsordnung
43
430
4300
43000
430 000
4 300 000.
6.5 millionen würden ausreichen um das „Harz IV Problem“ aus der Welt zu schaffen.

Im schlimmsten Fall wird die Frage gestellt—„Wollt ihr den totalen Krieg“
viele Grüsse Frank aus Storkow

Schorschy hat gesagt…

Und wieder müssen Mütter um ihre toten Söhne weinen. Am Wochenende sind am Hindukusch mindestens zwei Besatzungssoldaten gestorben. Es ist schlimm aber der Tod dieser jungen Menschen erregte in Deutschland kein größeres Aufsehen. Es handelte sich um niederländische Soldaten. Ein 29jähriger Unteroffizier und ein 23jähriger Gefreiter sind am Samstag in der Provinz Uruzgan mit ihrem gepanzerten Fahrzeug auf eine Sprengfalle gefahren und getötet worden. Ein weiterer 21 Jahre junger Soldat wurde schwer verletzt.

Zur Zeit sind etwa 1950 Soldaten der Niederlande im Einsatz. Getötet wurden bereits 23. Im Februar war die Regierungskoalition in Den Haag im Streit um eine Verlängerung des Afghanistan-Mandates zerbrochen. Im August werden alle niederländischen Soldaten vom Hindukusch abgezogen.

Aber die Abzugsdebatte ist nach den jüngsten Angriffen auf die deutschen Besatzungstruppen auch in Deutschland wieder entfacht.

Endlich forderten auch linke Sozialdemokraten am Wochenende ein Ende der deutschen Kriegsbeteiligung. So sprach sich der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern Erwin Sellering für einen raschen Abzug der 4500 Bundeswehrsoldaten aus. "Aus meiner Sicht sollten wir aus Afghanistan so schnell wie nur irgend möglich raus." Der Einsatz dort habe sich gewandelt, sagte der SPD-Politiker dem Radiosender NDR info. "Man mag das völkerrechtlich anders einordnen, aber es ist Krieg." Sellering weiter: "Ich möchte mich nicht daran gewöhnen, ich möchte nicht, daß wir Deutsche uns daran gewöhnen müssen, Nachrichten von im Kriege gefallenen Soldaten zu hören. Ich möchte diesen Krieg nicht, und ich nehme wahr, daß die Mehrheit der Deutschen ihn auch nicht will."

Nun sprach sich auch der Chef der schleswig-holsteinischen Sozialdemokraten, Ralf Stegner für den Abzug aus. Stegner sagte am Samstag "Wir müssen so schnell wie möglich raus" und fügte hinzu: "Je früher, desto besser. Die militärische Logik geht nicht auf."

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Ruprecht Polenz (CDU), sagte "Wir müssen jetzt Festigkeit beweisen". Er meint "Es darf nicht der Eindruck entstehen, daß wir nach den nächsten fünf Anschlägen tatsächlich abziehen könnten." Andreas Schockenhoff (CDU) erklärte in der Welt am Sonntag, "Was wir jetzt brauchen, ist der vorbehaltlose Rückhalt für unsere Soldaten." Die SPD-Deserteure forderte er auf, der Truppe in Afghanistan gefälligst "volle Rückendeckung zu geben". Doch zum Glück gibt es da noch den rechten Flügel der SPD. Dieser steht natürlich voll hinter der CDU. Frakionschef Frank-Walter Steinmeier mahnte an, "besonnen und verantwortlich" zu reagieren. Sein Argument, Deutschland dürfe seine Verbündeten jetzt nicht im Stich lassen und Afghanistan nicht dem Terror überlassen geht als Mahnung auch und im besonderen an den linken Flügel der SPD.

Wie jetzt bekannt wurde sind bei NATO-Luftangriffen in der nord­afghanischen Provinz Baghlan innerhalb von vier Tagen mindestens 29 Aufständische getötet worden. 52 weitere wurden verletzt. Angaben über Ziviltote wurden nicht gemacht.

Der Parteivorstand der SPD hat somit ihren alten Standpunkt wieder einmal bestätigt. Immer an der Seite der Kapitalisten. Gut das es auch in dieser Partei noch immer linke Kräfte gibt, die sich mit viel kraft und Energie für die Interessen aller friedliebenden Menschen einsetzen. Es gibt noch sehr vielmehr Genossen die sich für den schnellstmöglichen Abzug einsetzen, besonders in der Basis der Partei.