Montag, 20. Dezember 2010

Kurt Tucholsky 1890 - 1935


Kurt Tucholsky, geb. 09. Januar 1890 in Berlin, gest. am 21.Dezember 1935 im schwedischen Exil in Göteborg.

Satiriker und Zeitkritiker mit den fünf "PS": sein eigener Name und vier Pseudonyme, die da waren Kaspar Hauser, Ignaz Wrobel, Peter Panter und Theobald Tiger.

Er gehörte zu den bedeutendsten und meistgelesenen Schriftstellern der Weimarer Republik und vertrat einen linksgerichteten pazifistischen Humanismus, schrieb aber auch Liebesgeschichten. Viele seiner Texte haben noch heute eine verblüffende Aktualität.

Morgen jährt sich sein Todestag zum 75. Mal. Folgendes Gedicht von ihm habe ich in den"Hundert proletarischen Balladen 1842 - 1945" vom Verlag Tribüne Berlin gefunden:


Aussperrung

Hier stehn wir in dem Garten
und warten, warten, warten.
Vater kommt nicht.
Bei Krauses wird gleich geschlossen;
er ist bei den Genossen...
Vater ist ausgesperrt.

Durch Rheinland zieht es brausend -
sie haben Zweihunderttausend
aus den Fabriken gezerrt.
Wir stehen hier und darben;
es blühn die I.G. Farben -
Vater ist ausgesperrt.

Wir sind dazu da, um später
an Stelle unserer Väter
an den gleichen Schraubstock zu gehn.

Großmutter, sag es den Kleinen:
sie sollen vor Hunger nicht weinen,
sie sollen geradestehn -!
Mit Vater und dem ganzen Chor:
Brüder!
Zum Licht, zur Freiheit empor -!

(1929)


Kommentare:

Nadja Norden hat gesagt…

Liebe Jette,
TUCHOLSKY, Herrlich! Ich habe Tucholsky gleich zweifach in Buchausgabe: „ TUCHOLSY Ein Lesebuch für unsere Zeit“ von Walther Victor, Thüringer Volksverlag 1954 und „Ausgewählte Lyrik und Prosa“ auch zusammengestellt und Vorwort von Walther Victor, Bibliothek Fortschrittlicher Deutscher Schriftsteller 1952.
Ich weiß nicht ob es morgen zu eine Ehrung in „Politiek en Cultuur“ kommt, ich tue es gerne schon hier bei Dir.
Mir gefällt soviel von und an ihm, er berlinert auch deftig…und hat auch unsere Gegenwart einiges mit zu teilen…
Ganz liebe Grüße,
Deine Nadja

Frank aus Storkow hat gesagt…

Kurt Tucholsky
Zitat

"Dass der Arbeiter für seine Arbeit auch einen Lohn haben muss, ist eine Theorie, die heute allgemein fallen gelassen worden ist." -

Quelle:
http://www.textlog.de/tucholsky-nationaloekonomie.html

@Nadja
mit "einem Auge im Buch
und zwei Augen im Leben" sehe ich das auch so wie Kurt