Dienstag, 14. Dezember 2010

Wo sind wir nur hingeraten


Nein, ich bin nicht erstaunt darüber, was sich der Verteidigungsminister dieses Staates gerade wieder geleistet hat. Warum soll er nicht mit Frau und zwei Ministerpräsidenten (Böhmer und McAllister) sowie Herrn Kerner (Talkmaster bei Sat.1) den Soldaten und Soldatinnen ein fröhliches Weihnachtsfest wünschen.

Wer sich darüber aufregt, hat Art und Weise von Guttenbergs Politik noch nicht mitbekommen, aber schließlich dürfen wir die ja seit dem Frühjahr 2009 studieren.

Auch das Herr Kerner dort unten eine Talkshow veranstaltet, ist zwar eklig, aber eben nicht unerwartet.
Mag jemand anders auch die ach so heroischen Motive der Herren bewundern, ich tue es nicht. Und dann gibt es doch etwas, worüber ich mich richtig wütend werden kann.

Nun liegt die hiesige Tageszeitung "Mainzer Allgemeine" nicht wirklich auf meiner politischen Wellenlänge, aber eine gewisse Restseriösität habe ich ihr zugestanden.

Bis heute. Unter dem Aufmacher "Traumpaar bei der Truppe" hat ein M. F. unter der Rubrik Meinung und Dialog wohl einen Kommentar geschrieben.

In dem heißt es u.a.

"Stephanie von Guttenberg hatte die Reisen ins Einsatzgebiet....Einmal gab es richtig Ärger. Als sich 'KT', wie Guttenberg von Freunden genannt wird, im Juli spontan entschloß, auf einer Afghanistan-Reise die sicheren Mauern der Feldlager zu verlassen und einen Abstecher ins Kampfgebiet zu machen, erfuhr seine Frau aus dem Radio davon. Der Besuch an der Front wurde wegen eines schweren Gefechts in letzter Minute abgesagt. Zu Hause wurde der Minister trotzdem mit einer Standpauke empfangen. Als er den gefährlichen Ausflug bei seiner nächsten Afghanistan-Reise nachholte, war Stephanie darüber im Bilde und wurde per SMS auf dem Laufenden gehalten...."

Ja, eine solche Berichterstattung kann ich erwarten, bei der "Bild", bei "Die Bunte" und wie diese Blättchen alle heißen.
In einer Tageszeitung habe ich für solche Mätzchen leider gar kein Verständnis, das ist Hofberichterstattung pur, da sind eben nicht die Soldaten der Zweck der Reise, sondern ekelhafte Selbstdarstellung. Das ist es ja fast erfreulich, daß in den großen Zeitungen die Kommentare etwas anders klangen, wie der Spiegel im zweiten Absatz dieses Artikels zu berichten weiß.

Hoffentlich haben viele der so barönlich besuchten Soldaten und Soldatinnen den Mißbrauch bemerkt, der da mit ihnen getrieben wurde.
Ansonsten könnte man fast Sarrazin zustimmen, die Deutschen werden immer dümmer, nur an den Migranten liegts wohl nicht.

Bildnachweis: dpa, heute in der gedruckten Ausgabe der Mainzer Allgemeinen


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Die Guttenbergs ziehen nach Afghanistan
Dienstag, 14. Dezember 2010 Karl Theodor zu Guttenberg und seine Gattin Stephanie haben gestern am Rande ihres Truppenbesuchs in Kundus mit der Ankündigung für Aufregung gesorgt, dass sie ihren Wohnsitz vollständig nach Afghanistan verlegen werden.
"Viele haben sich vielleicht gefragt, warum mich meine Frau auf dieser Reise unbedingt begleiten musste", sagte der Verteidigungsminister auf einer Pressekonferenz. "Der Grund ist, dass sie sich die Gegend einfach mal ansehen wollte, weil wir schon länger mit dem Gedanken spielen, nach Afghanistan zu ziehen." Dann könnte der smarte CSU-Hoffnungsträger endlich mehr Zeit bei seinen Männern verbringen und sich in schneidigen Uniformen präsentieren, wie es sich für einen Statthalter gebührt.
Kurz nach ihrer Ankunft hätten sich die Guttenbergs einen schmucken kleinen Palast in Masar-i-Sharif angesehen, von dem die Baronin derart angetan war, dass sie ihn, wie sie sagte, "vom Fleck weg nehmen musste". Der Hofstaat und die Kinder des Glamourpärchens sollen noch in dieser Woche eingeflogen werden.
"Hach, ist das alles aufregend! Ich war ja anfangs skeptisch, weil es hier so wenig Wohltätigkeitsgalas gibt", so Stephanie zu Guttenberg. "Aber als ich gesehen habe, dass es in Afghanistan so viele arme und misshandelte Kinder gibt, wusste ich: Hier kann ich mich noch viel mehr profilieren als in Deutschland."
Die deutsche Medienlandschaft bleibt von dieser Nachricht nicht unberührt. Die Bild-Zeitung hat bereits angekündigt, das Vorhaben durch die Entsendung von einem Dutzend sogenannter embedded journalists zu unterstützen, die die Guttenbergs auf Schritt und Tritt begleiten und ins rechte Licht rücken sollen. Auch der Entertainer Johannes B. Kerner soll mit dem Gedanken spielen, ein eigenes "Studio Kundus" einzurichten, um dort einmal wöchentlich eine Talkshow aufzuzeichnen, in der der Verteidigungsminister und seine Gattin abwechselnd auftreten.

Anonym hat gesagt…

Eine einzige Schmierenkomödie!!
Anne