In der Jungen Welt sitzen ganz sicher keine Hellseher, deshalb war die Vorhersage, es gäbe nach der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an
Felicia Langer Probleme, auch keine nostradamus'sche Leistung.
Nun der Aufschrei ist da, der Zentralrat der Juden in Deutschland ist entsetzt, zwei jüdische Träger des Bundesverdienstkreuzes drohen, ihre Auszeichnung zurückzugeben, sollte der Preis Frau Langer nicht wieder entzogen werden.
"Sie trägt ihr Jüdischsein als Fahne vor sich her - doch ihre jahrelange Israel-Hetze macht das nicht besser", so äußerte sich Dieter Graumann im
Spiegel.
Was ist an dieser Frau dran? Die Frau ist Jüdin und wagt es gleichzeitig, die Politik Israels, dem Land, in dem sie bis 1990 gelebt hat, zu kritisieren. Und das ist in der BRD nicht Politically Correct. Hier ist jeder sofort Antisemit, der nicht bei jedem Tun in dem jüdischen Staat hurra schreit.
2005 erhielt sie den Erich-Mühsam-Preis, 2006 den Menschenrechtspreis der Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde e.V.(GMB). Nun also das Bundesverdienstkreuz und alle, die an dieser Verleihung beteiligt waren, haben auf einmal Erklärungsnöte.
Kann unsere Verantwortung wirklich darin liegen, für immer und ewig jegliche Kritik an der Politik der Regierung Israels als antisemitisch zu verunglimpfen? Kommt es für uns nicht vielmehr darauf an, dafür zu sorgen, daß der Völkermord an der europäischen jüdischen Bevölkerung, an den Sinti und Roma, der Mord an Widerstandskämpfern , egal ob sie Kommunisten, Sozialdemokraten, Angehörige einer Kirche oder Offiziere der Wehrmacht waren, durch das faschistische Hitlerregime nicht vergessen wird und daß so etwas nie wieder geschieht? Mir persönlich ist das die wichtigere Aufgabe.