Samstag, 23. Mai 2009

Na soetwas aber auch

Es war ja schon irgendwie erstaunlich, Superwahljahr in der BRD und noch keine Stasi-Sau durchs Dorf getrieben.

Nun, seit vorgestern ist das anders, die Schlagzeilen "Benno Ohnesorg von Stasispitzel erschossen", "Der Mann, der Benno Ohnesorg erschoß" oder ähnliches geistern durch die Medienlandschaft. Pünktlich zu den ersten großen Wahlen mußte etwas her, im Osten erinnern sich die Menschen seit einiger Zeit wieder gern an ihre Zeit in der DDR, im Westen brodelt es zwar noch leise, aber die Krise hat ihren Tiefpunkt noch nicht erreicht, da wird es Zeit vorzusorgen. Marianne Birthler und ihre BStU sind in solchen Fällen gefragt und sie schaffen es ja auch wirklich immer, etwas hervorzuzaubern. Vor allem mußte es diesmal etwas sein, das richtig reinhaut.

1967, niemand wußte etwas von der Verpflichtung Kurras' beim Ministerium für Staatssicherheit der DDR, wurde er freigesprochen übrigens von dem Vorwurf der fahrlässigen Tötung. Warum auch nicht. Polististen im Einsatz gegen Demonstranten waren damals und sind auch heute nicht zimperlich. Aber STASI - das heißt dann nämlich Mord und nicht fahrlässige Tötung.
Bis vorgestern war es in der BRD-Lesart ein zufälliger Schuß, der Ohnesorg tötete. Jetzt hat die Stasi ihn ermordet und jetzt muß die Studentenbewegung der späten 60er Jahre neu bewertet und höchstwahrscheinlich wird uns wieder erzählt werden, daß das MfS schuld am "deutschen Herbst" ist.

Eigentlich ist das ja alles nichts Neues, seit 20 Jahren Staatsdoktrin der BRD, wird zu besonderen Anlässen die Delegitimierung der DDR hochgefahren. Besonders lesenswert auch die Diskussion im Spiegel und während alledem haben wir mal wieder dringende Fragen vergessen, es darf ja die "Stasi-Sau" durchs Dorf/Land getrieben werden.

Für mich jedenfalls kann ich folgendes sagen, wäre ich 1994 noch erschreckt zusammengezuckt und hätte gedacht, "Mensch, was habt Ihr da noch gemacht", schaue ich jetzt ziemlich gelassen zu und warte auf die nächste Enthüllung.


Kommentare:

Blaue Kraehe hat gesagt…

Ich habe auch das gelesen und dachte sofort: OK, Stasi hat Benno Ohnesorg ermordet, hat aber auch Stasi die ganze Gewalt von BRD-Polizisten auf Demos damals organisiert?
Also, was ändert diese Geschichte, wenn es Wahrheit wäre? Ja, Tod von Ohnesorg war ein Ereignis, aber doch nicht einzige, die zu Radikalisierung von Studentenbewegung führte. Also die Terror-Gruppen würden trotzdem erscheinen, weil die Staatgewalt von BRD war schon groß genug, und alle Bedingungen dazu führten. Vielleicht würde "Bewegung 2.Juni" anderen Namen tragen, und das ist alles. Die Leute, die zu Stadtspartisanen wurden, machten das nicht nur wegen einen Tod von Ohnesorg.

Aber leider nicht jeder kann denken, und diese Geschichte wird natürlich von Medien benutzt...

Anonym hat gesagt…

Ich sehe die Sache genau wie Du. Es paßt zur 20jährigen "Rolle rückwärts "in
diesem Jahr und zu den Wahlen. Auch sehe ich, was Blauekrähe sagt: Der Tod des
Benno Ohnesorg war nur EIN Moment in
der ganzen Politischen Entwicklung.
Erst kamen die Demos und der Aufruhr an den Universitäten, dann der Tod des BennoO.
Jedoch ist es trotzdem für Linke in der Diskussion ein Hammerschlag.
Ich wohne in einer kleinen Stadt
und war heute auf dem Markt. Ich bin hier durch meine pol. Arbeit recht bekannt und ich bin zwei mal darauf angesprochen worden. Der eine dümmlich feixend(ein Dummkopf,
ich weiß) der andere aber durchaus klüger. Ich habe ihm gesagt, was ich
jetzt hier bei Dir geschrieben finde und das wir doch erstmal warten sollen, was da überhaupt
dran ist. Aber das wollte er gar nicht hören. "Sowas hätte ich "Euch" nicht zugetraut"
Tja, als linke muß man sich ein dickes Fell anschaffen, denn von
den menschenverachtenden Dingen,
die hier zu Hauf passieren, redet jetzt erstmal niemand mehr.Da gibt´s kein Hartz4 mehr, keine Kriegs-Einsätze, nur noch dreckige
Linke!
Kopf trotzdem hoch! Anne