Samstag, 26. September 2009

Ernteeinsatz für angehende Studenten


September - Zeit der Ernteeinsätze an den Universitäten, den Technischen Hochschulen, Ingenieurschulen der DDR.

Frisch an der IHS Wismar als Studentin der Technologie des Maschinenbaus immatrikuliert, verschlug es mich 1981 nach Kirchdorf auf die Insel Poel. Dort verbrachte wir, die Studenten und Studentinnen des Jahrganges M81 diese zwei Wochen in der Spätschicht auf der Kartoffelsortiermaschine. Und an dem einen Samstag ging es zum Rübenverziehen. Gern hätte ich diese Zeit auf einer Kombine verbracht, wollte ich doch ursprünglich Agrotechnik (Pflanzenproduktion) studieren.

Ich hoffe, hier berichten einige Mitleser, die auch in den Genuß des Ernteeinsatzes oder vielleicht des Studentensommers kamen, von ihren Erlebnissen.

Bildnachweis: DDR-Studenten beim Ernteeinsatz, Pietsch, 1953




Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Oh ja, bitte liebe LeserInnen,
berichtet. ich bin eine neugierige
Wessifrau, die alles wissen möchte.

neanada hat gesagt…

Ich war auch bei solchen Ernteeinsätzen. Wobei "Studentensommer" zuviel gesagt ist, denn der fand bei uns zweimal im Herbst statt.

Einmal in den Kartoffeln - hier durften wir 1 Woche lang Kartoffeln vom Feld lesen. Für jeden vollen Korb gab es 1 Marke. Diese wurden dann addiert, um das beste Studentenkollektiv und den fleißigsten Sammler zu küren.

Das andere Mal war Apfelernte angesagt. 3 Wochen lang... Dafür schliefen wir auch in einem Arbeiterheim und wurden jeden Morgen zur Plantage gefahren. Ich bekam allerdings nach meinem ersten genaschten Apfel nach einer Woche Durchfall und durfte heim fahren.

An die Ernteeinsätze erinnere ich mich nicht wirklich gerne, weil es einfach nur immer tierisch kalt war. Und wenn einem bei der Apfelernte dann die Feuchtigkeit der Äpfel in den Ärmel bis mindestens zum Ellenbogen lief (die Äpfel wachsen ja leider oben) und man eh schon fror, war das nicht so erfreulich.

Allerdings weiß ich heute durch die Einsätze zu würdigen, was polnische Gastarbeiter bei uns in der Saison erwirtschaften!

Unser schönster Studentensommer waren die 3 Wochen im VEB Elbflorenz, das sich dort befand, wo heute in Dresden das World Trade Center steht. Eine Woche lang "bedeckelten" wir Pralinenschachteln, danach wurden wir in die NUSKA-Abfüllung versetzt. Das NUSKA (Brotaufstrich) hat so richtig gut geschmeckt, gab es aber nur im Deli (Delikatladen, wo es besondere Speisen und Getränke zu besonderen Preisen gab) zu kaufen.

Der vierte Studentensommer entfiel, weil wir da schon BRD waren und in die Ungewissheit entlassen wurden. Unser Studium wurde plötzlich nicht mehr anerkannt, Studentensommer gab es nicht mehr usw. - aber das ist eine andere Geschichte.

Anonym hat gesagt…

Hallo Weissfrau :-),
es ist immer ein besonderes Erlebnis gewesen, früh, noch mit dem Kater vom vergangenem Kneipenbesuch am Anfang eines Kartoffelfeldes zu hocken und das Ende des Feldes nur zu ahnen ... Mir tun heute sofort die Knochen weh, wenn ich nur daran denke :-)
Vielleicht war es ein paar Jahre später besser, aber in den 50er und 60er Jahren, da war es ein Knochenjob ...
Der Einsatz als Studentenbrigade war da schon besser - ich war in Bernburg/Saale - beim Aufbau des Projekts NT 1200 (ein Zementwerk), daran erinnere ich mich noch gern ...

Nadja Norden hat gesagt…

Meine liebe Jette,
Mit jeden solchen Beitrag steigt meine Bewunderung für dich. Da fühle ich mich ganz klein.
Aber auch wenn es in meine Jahre noch nicht so viele Gelegenheiten zum studieren gab, der Muskelkater der Ernteeinsätze noch in den Knochen. Ich war bei der Handwerkskammer von Frankfurt/Oder beschäftigt, und muβte zusammen mit Jugendlichen von anderen Betrieben zur Kartoffelernte. Die schwere Körber! War kein Spaβ, als Ledige muβte ich auch am Sonnabend und Sonntag hin (die junge Muttis nicht). Die Bauern waren auch nicht immer freundlich mit uns. Erinnerst Du dich „Wegen übers Land“? Die Realität war nicht immer wie in der „AK“!
Nach den Wörter von Marianne: „Jetzt laufe ich nicht mehr, ich genieβe schon!“ in meine flämische Sommerfrische.
Ganz liebe Grüβe,
Deine Freundin
Nadja

Jeanette hat gesagt…

Du hast recht Nadja, die Anfangsjahre waren ganz sicher nicht leicht. Ich, die ja erst 1961 geboren wurde, durfte schon viel genießen, was es bei Euch noch nicht gab. Genau deshalb sind die Jahre mir so wichtig, will ich sie nicht vergessen lassen.